Ben Folds Songs For The Silverman

Wahre Ben Folds-Fans erkennt man daran, dass sie sich im Gespräch über das Objekt ihrer Begierde möglichst früh von jener Spezies Folds-Liebhaber distanzieren, denen ihre Liebe zu dem Singer und Songwriter aus Chapel Hill, North Carolina erst mit Bens recht unfoldschem 97er Hit »Brick« erwachsen ist.

    Mit »Songs For The Silverman« konfrontiert, dürften diese selbst ernannten Adepten der reinen Lehre in einen kollektiven Freudentaumel verfallen, denn Ben Folds’ sechstes Album schließt vordergründig betrachtet nahtlos an seine Zeit als Sänger und Pianist von Ben Folds Five an. Im Gegensatz zu »Rockin’ The Suburbs«, dem Vorgängeralbum und Solo-Debüt von 2001, hat sich Folds mit Bassist Jared Reynolds und Schlagzeuger Lindsay Jamieson wieder eine Band zur Seite gestellt. Und wieder sind sie ein Trio. Aber wo bei Ben Folds Five der Verzicht auf Stromgitarren nicht darüber hinwegtäuschen konnte, dass die so bittersüßen wie energiegeladenen Songs der Band maßgeblich von Powerpunk und Grunge beeinflusst waren – schon die Trio-Besetzung war laut Ben eine Verbeugung vor Nirvana –, erhalten auf »Songs For The Silverman« jene Verweise, welche die britische Presse aufgrund des dominierenden Pianos schon in der Anfangszeit des Trios so gerne hervorhob, endlich ihre Rechtfertigung.

    Egal ob Billy Joel, Steven Sondheim oder der Elton John von »Captain Fantastic«, das Album hat von allen ein wenig. Ergänzt um einen gewichtigen Anteil Elvis Costello und Steve Nieves (dem einfühlsamen Erzähler am Piano, nicht dem hämischen Zyniker an der Orgel) ergibt das 11 wunderschöne Songs, mal flapsig und beschwingt, mal herzergreifend melancholisch (wie das wundervoll unprätentiöse »Late«, Folds’ Nachruf auf Elliott Smith), gerne alles zusammen, die von Folds klarer, ungekünstelter Stimme und seinem hingebungsvollen Spiel geführt und bei Bedarf von der Rhythmusgruppe an die Hand genommen werden. »Songs For The Silverman« ist Popmusik, wie sie sein sollte – nicht zeit-, aber alterlos, vom rätselhaften »Silverman« mal abgesehen frei von unnötigen Kodierungen und Mysterien, ohne sich auch nur einen Takt lang anzubiedern. Dieses Album verbirgt keinen Schatz, er liegt auf der Hand.

LABEL: EPIC

VERTRIEB: Sony BMG

VÖ: 25.04.2005

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