Beat Spacek Modern Streets

Begegnet dem hustle auf den Modern Streets mit wachem Blick: Wie Steve Spacek neue sonische Wege beschreitet.

Plötzlich war er da, wie eine Erscheinung: der Heiland. Die unangekündigte Veröffentlichung von D’Angelos Album Black Messiah kurz vor Weihnachten hat viele so sehr überrascht und, völlig berechtigt natürlich, begeistert, dass der Platz für das beste Soul-Album der Jahre 2014 und 2015 schon belegt zu sein scheint. Da bleibt nur zu hoffen, dass der Aufmerksamkeitsradar noch empfindlich genug ist, um daneben zumindest auch Modern Streets wahrzunehmen: ein neues Album von Soul- und Elektronik-Wizard Steve Spacek, der sich jetzt Beat Spacek nennt und wegen seiner sanften Stimme bereits vor 15 Jahren mit D’Angelo verglichen wurde.

Spacek war bis dato an unzähligen Projekten beteiligt. Am Anfang seiner Karriere stand Mitte der Neunzigerjahre das Spacek Sound System, im Laufe der Zeit kamen Kooperationen mit J Dilla, Mos Def und vor Kurzem Mark Pritchard alias Harmonic 313 hinzu. Damals wie heute mixt Spacek Tradition mit Futurismus zu einem unverwechselbaren Trademark-Sound und verbindet bruchlos Curtis Mayfields street soul und neueste Schnickschnacktechnologie. Oder besser gesagt: Spacek macht die Brüche hörbar. Aus einzelnen Haarrissen in den Klängen entsteht bei ihm ein weit verzweigtes Netz neuer sonischer Wege.

Spaceks Familie stammt aus Ghana, aufgewachsen ist er in New Cross, Südostlondon. Die musikalisch-historische Gemengelage des Ortes aus Punk-, Soul-, Reggae-, Dub-, Rude-Boy- und Skinheadkultur fließt, gefiltert und zersplittert durch Tech-Gadgets aller Art, auch in Modern Streets ein. Durchgehende Themen des Albums sind Evolution und Bildung: von Menschen und Städten ganz allgemein, dabei aber stets von New Cross ausgehend. »You gotta go back to school«, croont Spacek mit Schmelz in der Stimme, ganz ohne Ironie. Auch das ewige Thema L.O.V.E. wird mit großem Ernst und tja, großer Passion verhandelt: »There Is A Love«, »You’re The Only One« und »I Want You« sind urbane, globale Liebeslieder voll Zärtlichkeit und Wärme. Spacek begegnet dem hustle auf den Modern Streets mit wachem Blick und betrachtet Vergangenheit und Zukunft nicht als getrennte Einheiten – alles ist durch Musik und Text miteinander verbunden und ineinander verwoben. »Gotta Get Some Music« heißt die Devise, die in der Beat-Spacek-Schule ausgegeben wird. Die Beats frickeln und zischeln mal hektisch, mal entspannt, ghanaische Highlife-Versatzstücke poppen zwischen basslastigen Dubsounds auf: Die digitale Dancehall ist eröffnet, ein heilbringender Ort für alle mit offenem Herzen und wachem Geist.

1 KOMMENTAR

  1. schöner review
    ich hab gehört er hat das ganze album mit seinem smartphone „gemacht“ weiß da jemand mehr?

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