Bear In Heaven Time Is Over One Day Old

Wie lange kann eine Band ihren Sound weiterverdichten, bis sie ihre Songs wegverdichtet hat? Über das neue Album von Bear In Heaven, Time Is Over One Day Old.

Ihren großen Moment hatten Bear In Heaven im November 2009. Die New Yorker Band – vorher sechs Jahre lang weitgehend erfolglos an der Schnittstelle von Post-Rock, Ambient und Filmmusik ohne zugehörigen Film tätig – veröffentlichte damals ihr zweites Album, Beast Rest Forth Mouth, und war plötzlich talk of the town. Die dicht komponierten Songs der Platte entsprachen dem gängigen Verständnis von Indie-Rock, kalkulierten aber auch die Sounderrungenschaften mit ein, die Animal Collective auf ihrem Anfang des Jahres veröffentlichten Album, Merriweather Post Pavilion, gelungen waren.

Bear In Heaven erwecken inzwischen den Eindruck, von der damaligen Entwicklung selbst überrumpelt worden zu sein. Ihr nächstes Album I Love You, It’s Cool (2011) und das nun vorliegende Time Is Over One Day Old ergeben zusammen eine Art organisierten Rückzug. Immer tiefer verkriecht sich die Band in einen überwiegend eckenlosen Synth-Pop-noir-Sound und betont die atmosphärische Gesamterfahrung an Stelle von strategisch gesetzten Ausbruchsmomenten. Besonders auf Beast Rest Forth Mouth waren diese Momente tragender Teil des Konzepts, gleich der Opener wurde durch ein angenehm uneitles Schlagzeugsolo halbiert. Time Is Over One Day Old steht im Zeichen der Frage, wie lange eine Band ihren Sound weiterverdichten kann, bis sie ihre Songs wegverdichtet hat.

Eindeutige Antworten findet die Platte darauf nicht. Die erste Single »Time Between« marschiert entschlossener als jeder Bear-In-Heaven-Song zuvor, andere Stücke verlieren im eng gefassten Rahmen des Albums die bisher bandtypischen Eigenheiten. Talk of the town sind Bear In Heaven dabei schon lange nicht mehr. Und hört man am Ende von Time Is Over One Day Old das weltabweisende »You Don’t Need The World«, bestätigt sich die Annahme, dass es ihnen so lieber ist.

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