Beans

Seit seinem Solodebüt »Tomorrow Right Now« aus dem Jahr 2003 gilt der New Yorker MC Beans als Meister der Akkumulation von Stilen. Anders als in seiner Arbeit mit High Priest, M. Sayyid und Earl Blaize, dem zwischenzeitlich wiedervereinigten Antipop Consortium, sind seine Solotracks nicht selten eine Hommage an legendäre Gerätschaften der Achtziger wie die Roland TR-808-Drum-Machine. Gleichzeitig baut Beans diese trockenen Rhythmen aber mit synthetischem Programming aus, das in den Nullerjahren insbesondere für das Label Warp, bei dem fast alle bisherigen Beans- und Antipop-Alben erschienen, charakteristisch wurde. Kombiniert mit seiner rauhen Sprache, die aggressiv klingt, ohne plump zu wirken, und sexy anmutet, ohne auf Soul zurückzugreifen, hat er sich eine aparte Form von Hiphop geschaffen, die auf musikalischer Ebene – und darum geht es hier verstärkt – erstaunlicher- und paradoxerweise nostalgisch und ›cutting edge‹ zugleich ist.

Sein fünftes Soloalbum »End It All« veröffentlicht Beans nun erstmals auf Anticon, was keine schlechte Wahl ist, handelt es sich dabei doch um ein Label, das etwa zur gleichen Zeit wie Warp, allerdings auf ganz andere Weise den Hiphop des 21. Jahrhunderts geprägt hat: Seit den späten Neunzigern arbeiten diese – in der Mehrzahl weißen – MCs und Produzenten an ihrem Signatur-Sound des klanglichen Pluralismus, der zwar vordergründig als Hiphop firmiert, sich aber allen möglichen Einflüssen geöffnet hat: von übersteuerten Electronica-Abenteuern bei Odd Nosdam über Hochgeschwindigkeits-Storytelling bei Themselves bis hin zu psychoaktivem Pop-Songwriting bei Why?.

So gesehen ist Beans am richtigen Ort, und dessen scheint er sich auch durchaus bewusst zu sein, wenn er etwa in »Mellow You Out« den Sänger von TV On The Radio, Tunde Adebimpe, als Gastvokalist einlädt – mit gewaltigem Effekt: Aus dem Track erwächst nämlich ein düster-verspielter Psych-Sound, der Adebimpes hochsteigende Falsettstimme gegen Beans’ stets einen Halbschlag neben dem Takt liegendes Braggadocio-Gebell antreten lässt. Inhaltlich ist dieses Streufeuer aus Worten gut gemachter Battle-Rap, der nie altmodisch wirkt, weil Gast Adebimpe mit elegischem Gesang gegen diese »sorry ass wackness« auf seine Weise erfrischend anchantet: »Screw you if you’re calling me a liar / This will mellow you out!«

Auf »End It All« sind derartig gelungene Kollaborationen glücklicherweise kein Einzelfall, sondern die Regel: Im Verlauf des auf eine gute halbe Stunde heruntergekochten Werks tauchen insgesamt elf verschiedene Produzenten auf, darunter Koryphäen ihres Fachs wie Four Tet, Clark, Sam Fogarino von Interpol, DJ Nobody, Bumps und die Rhythmus-Sektion von Tortoise, bestehend aus John McEntire, John Herndon und Dan Bitney. Vor allem Letztere machen unbeirrbar ihr Ding und verpassen dem Track »Electric Eliminator« mit so spröden wie virtuosen Drum-Techniques eine geradezu trancehafte Anti-Struktur. Four Tet liefert in »Gluetraps« und »Anvil Falling« seine dumpf-flirrenden Trademark-Sounds ab und erweist sich damit gleichfalls als schlüssiger Gegenpart zu Beans’ abstraktem Leftfield-Ansatz, dem im Zweifelsfall der perfekte Beat wichtiger ist als der perfekte Reim.

Lediglich das von Tom Fec alias Tobacco produzierte »Glass Coffin« wirkt mit seinem breitwandigen Synthesizer-Geballer etwas zerfasert und bemüht; doch geschenkt. Was bleibt, ist Beans’ Idee der musikalischen Öffnung. Als Heilmittel gegen Warteschleifen-Hiphop zeigt sie beste Wirkung.

 

LABEL: Antivon | VERTRIEB: Alive | : 15.02.2011


STREAM: Beans – Mellow You Out feat. Tunde Adebimpe

Beans Live:
30.03. Hamburg – Hafenklang (mit Mr. Lif)
31.03. Berlin – Bohannon (mit Pharoache Monch)
01.04. Berlin – Bohannon
04.04. Leipzig – Zoro
05.04. München – Feierwerk
06.04. CH-Bern – Reitschule
07.04. CH-Zürich – Exil
08.04. CH-St. Gallen

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