Beak> „>>>“ / Review

>>> ist dramatisch, progressiv und multidimensional. Stellen Sie sich darauf ein, dass Beak> Ihnen wieder einmal unerwartet den Mittelfinger zeigen.

Der Vergleich mit Portishead sollte eigentlich vermieden werden. Denn Geoff Barrows ehemalige Hauptband verfolgt einen anderen Ansatz: Ausgefeilter und ausproduzierter, klarer an klassischen Songschemata orientiert als die rauen, meist in Live-Sessions aufgenommenen Kraut-Sounds von Beak>. Und doch muss der Vergleich herangezogen werden, denn beim Hören des dritten Albums des Trios aus Bristol wiederholt sich etwas, das schon beim dritten und bislang letzten Portishead-Album Third vor zehn Jahren verwirrte. Damals endete das rumpelnde Eröffnungsstück „Silence“ ganz abrupt inmitten eines sich dramatisch steigernden Aufbaus, als hätte jemand die Audiodatei abgeschnitten. Ein fulminanter Mittelfingermove, hatten Fans doch ganze elf Jahre auf das nächste Album einer der stilprägendsten Gruppen der Neunziger gewartet, sich die Erwartungen ins Unermessliche geschraubt.

Geoff Barrow stellt Hörgewohnheiten grundsätzlicher in Frage als jedes Musiktheorieseminar.

In „The Brazilian“, dem Opener von >>>, tut es Barrow nun wieder: Mitten im dystopisch vor sich hin brodelnden Song fährt die Lautstärke herunter – ganz so, als sei jemand aus Versehen an den Lautstärkeregler gekommen – um einige Takte später wieder aufzudrehen. Schon ist die Verwirrung wieder da – und mit ihr die Frage nach unseren Hörgewohnheiten, denn es fällt auf: Anders als in der Klassik wird im Pop fast nie mit fundamental unterschiedlichen Lautstärken gearbeitet, womit letzterer eine ganze Dimension der Tonmodulation fehlt. Es lässt sich also nur eruieren: Dieser Mucker vor dem Herrn stellt Hörgewohnheiten grundsätzlicher in Frage als jedes Musiktheorieseminar.

Und sonst? >>> führt auf erstklassige Weise fort, was die beiden Vorgängeralben ausmachte: Treibender Kraut mit rumorenden Bässen, knackigem Schlagzeug und spacigen Synthesizerflächen. Das driftet mal in Spätsiebziger-Progrock ab wie in „Allé Sauvage“, oder imitiert in „When We Fall“ kurz einen klassischen Sechziger-Cut inklusive Flanger-Gitarren und Tamburin. Hauptsache es folgt dem in „Brean Down“ vorgegebenen Motto: „You don’t like our music cause it ain’t up on the radio“.

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