Beach House »Depression Cherry« / Review

Pluspunkt für die weiterhin konsequente Erfindung einer eigenen Welt. Der Haken: wie schon beim letzten Album Bloom fragt man sich auch bei Depression Cherry, wie zum Teufel Beach House ihre eigenen Songs auseinanderhalten können.

Zurück zu den Wurzeln. Das haben sich Beach House mit ihrem fünften Studioalbum Depression Cherry vorgenommen. Wobei das Bild lustig anmutet: Beach House sind nicht gerade bekannt für Musik, die besonders verwurzelt in der Welt wäre. Ihre Alben sind perfekte Soundtracks für surreale Träume, in denen niemand erwachsen ist, man den ganzen Tag spielen darf, das Karussell hoch in den Himmel reicht und es zum Mittagessen Eis gibt. Ihre Wurzeln suchen Beach House im Low-fi-Zucker-Pop der Anfangsjahre, als sie auf kleinen Bühnen spielten und sich in ihren Arrangements auf das Wesentliche konzentrierten: Keyboard, Gitarre, Vintage-Synthies, reduzierte Perkussion sowie Victoria Legrands von weit her hallende Stimme.

Mit wachsenden Zuschauerzahlen und größeren Venues sei die Musik automatisch lauter und aggressiver geworden, schreiben Legrand und Alex Scally im Begleittext. Und weiter: Das neue Album, das die Französin und der US-Amerikaner gemeinsam mit Chris Coady auf dem Land in Louisiana aufgenommen haben, solle die Magie des Anfangs heraufbeschwören. Depression Cherry sei eine Farbe, ein Gefühl, das den Ort beschreibt, an dem man während der endlosen Reisen durch die endlosen Variationen des Lebens ankommt, sagen die beiden in gewohnt geheimnisvoller Manier.

Was man Beach House zugutehalten kann, ist ihre konsequente Erfindung einer eigenen Welt. Der Haken ist, dass man sich wie schon beim letzten Album Bloom auch bei Depression Cherry fragt, wie zum Teufel Beach House ihre eigenen Songs auseinanderhalten können. Teen Dream und Devotion sind Alben mit unvergesslichen Melodien, die nicht von dieser Welt zu sein scheinen; der Refrain von »Zebra« ist vielleicht einer der besten überhaupt. Die neuen Songs können da nicht mithalten, an Stücke wie »10 Mile Stereo«, »Take Care« oder an »Master Of None« vom Debüt reichen sie nicht heran. Aus der Masse sticht das subtil groovende »10:37« mit sehr präsentem Beat und einer tragenden Melodie heraus. Dazu kann man hervorragend, alle viere von sich gestreckt, auf dem Boden liegen und einer Spiegelkugel beim Kreisen zusehen. Die erste Single-Auskopplung »Sparks« arbeitet zwar mit kräftig übersteuerter Gitarre, kann sich aber trotzdem nicht über das dahinwabernde Allerlei des Albums erheben.

Beach House haben über ihren Namen mal gesagt, sie wollten damit einen Ort benennen, an dem ihre Musik existieren könne. Das ist eine schöne Vorstellung, und man kann sich dieses Haus sehr gut ausmalen. Für ein paar Stunden zu Besuch sein, das wäre schön – dann reicht es aber auch wieder. Eis zum Mittagessen will man schließlich auch nicht jeden Tag.

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