Bass: Say More Fire

AaronSpectreAch schön, so totale Freestyle-Stücke. Sie sind in diesen Wochen ebenso zu finden wie ein paar Pop-Darlings und Bassmusik, die mit Bläschenbildung und Rauschen spielt. Ein Amerikaner in Berlin, Aaron Spectre, hat aus diesem Spektrum so manches drauf. Mit »Lost Tracks« (Ad Noiseam/ Cargo) hat er soeben ein Atmo-Album veröffentlicht, das in langsam sich gegeneinander verschiebenden Klangschichten durch Dämmerungen fließt. Manche dieser Tracks sind bereits sechs Jahre alt, doch ob es nun dröhnt, glitcht oder konventionelle Downbeats zulässt, die »Lost Tracks« wissen um ihrer selbst und strahlen entsprechend stark ab. Mit seiner aktuellen 12“ »Say More Fire« (Rag & Bone) zeigt Spectre, was er meistens so macht: mit Subbässen freestylen. Mehr Feuer, ja: die tiefen Frequenzen würgen schon nicht mehr, sie verdrehen sich so sehr, dass sie den Würgebass erwürgen, damit die Schlünder aber ganz weit offen stehen. Auf so mancher Site wurde nun schon der Versuch gewagt, diesen Sound mit »Breakstep« zu würdigen. Wer's braucht…

Smith'n'Hack Smith'n' Hack sicher nicht. Die Kooperation zwischen den Berlinern Soundhack und Errorsmith feiert am 23. August im Berliner Berghain seinen zehnten Geburtstag und wirft vorab schonmal gut DJ-Futter raus. Auf »LTD« (Smith'n'Hack/ Hardwax) nämlich re-releasen die beiden gleich zwei Tracks, die begehrt sind und selten zu haben. Da wäre zunächst der Smith'n'Hack-Klassiker »To Our Disco Friends«: ein ekstatisches Cut Up-Monster aus Mikro-Schnippseln von Original-Disco-Teilen, das trotz seines enormen Aufwands, trotz der immensen Künstlichkeit der dahintersteckenden Idee des Auseinandernehemens und wieder neu Zusammensetzens immer von der Liebe zu Disco spricht. Und wie gesagt, es geht gerade um Freestyle: auf der anderen Seite veröffentlichen Smith'n'Hack ihr Remix von Herberts »Moving Like A Train«. Und da spielen sie beinahe manisch mit den Bläsern, die hier alle Monster-, Mega-, Mörderbässe ersetzen. Zwei Tracks, zwei für die Peak-Time im Freak-Heim.

Ramadanman Nachdem es nun leider immer noch kein offizielles Veröffentlichungsdatum für den Bass-Track des letzten Monats gibt, King Midas Sounds »Cool Out«, tröste ich mich zunächst mal mit zwei weiteren Popsongs, die Dubstep sprechen. Es war Skream, der als erster in seiner Show auf Rinse FM dieses Stück spielte, deren Stimme gleich so vertraut war. Nun, die Stimme ist Nina Simone, und es ist Ramadanman aus Leeds, der aus ihrem »Feeling Good« sein »Good Feelin'« (2nd Drop)  gemacht hat. Simone, die hier sehr relaxt singt, erhält eine Behandlung aus in den Vordergrund gestellter, hölzerner Percussion und extrawarmen Subs. Heißer noch, ja überhitzt mutet ein aktueller Track der neuseeländischen Produzentin Vaccine an: »Fever« (Dubplate/ MySpace-Track) scheint in seiner eigenen Vocal-Spur, den eigenen zarten Synthesizern verschwinden zu wollen.

Shackleton Und so gelange ich mit Vaccine zum Aussichtsplateau, von dem aus sich das ganze, moderne Wasteland überblicken lässt. Shackleton zum Beispiel läuft da rum. Für seinen neuen Track hat der Skull Disco-Betreiber die Stimme von Jackson Del Ray engagiert. Der hat in den 80ern bei Savage Republic gesungen, jener experimentellen Popgruppe, die Shackleton nach eigenem Bekunden so inspirieren. Die Paarung ist irre: zu den Löcher aufreißenden Percs'n'Subs des anonymen Londoners  deliriert der Sprecher Del Ray von Linien, die er mit seinen Händen malt und die wie Rauch aussehen. Surreal, bitter, hoffnungslos klingt diese Version von »Next To Nothing« (Crosstown Rebels/ Rough Trade), deren Original von eben Savage Republic stammt. Offener in seinem Mix aus bösem Bass und bläschenbildenden Blubbern ist der vierte Teil des Unternehmens Echospace – The Coldest Season. Rod Modell von Deep Chord und Steve Hitchell von Soul Tek schließen diese Serie von pulsierenden Tieffrequenzern und dem Sound der Planetenbahnen nun ab, und demnächst wird eine CD mit allen vier Teilen erscheinen. Titel vier von »Echospace – The Coldest Season« (Modern Love) ist von allen vieren vielleicht die geworden, die mit den wenigsten Mitteln die größte Dichte erreicht. Natürlich klingt das immer auch nach Basic Channel. Aber das soll es ja auch. War es das auch? Gute Nacht sagen Aaron Martin & Machinefabriek. Multiinstrumentalist Martin und Maschinenfabrik Rutger Zuydervelt schaffen mit den beiden 12-Minütern »Cello Recycling/ Cello Drowning« zwei platt machende Drones auf der Basis von Cello-Sounds. Der Bass ist da. Es kommt einer Meditation gleich, seiner Frequenz überhaupt zu folgen.

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