Bass: Mashup Da Baldhead

Wadadda Keine Alben heute, soviel Singuläres. Wadadda aus Köln zum Beispiel: Nach gerade mal einer EP, nämlich der grandiosen »Empiyah« (MG 77) in diesem Juni, wurde der Rasta durch die weltumspannende Dubstep-Szene gereicht. Von Klaus Fiehes Sendung  »Raum und Zeit« auf 1Live ging es straight zu Mary Anne Hobbs auf BBC Radio One; Wadadda hat mit Milanese, den Digital Mystikz und The Bug bereits den Flyer geteilt. Dabei hat er laut Eigenauskunft erst im Sommer 2006 damit begonnen, Dubstep zu produzieren. Zuvor entstanden in seiner »Tabanackle Dub Chamber« eher Dub Reggae-Tracks mit UK-Schlagseite, die Wadadda unter anderem per Jah Vibes Soundsystem und Dubclub Cologne raus wobbelte. Zur Zeit legt er regelmäßig auf den Bass The World-Partys in der Berliner Maria auf, und all diese Bekanntheitsmultiplikatoren haben wohl dazu geführt, dass die erste Auflage der neuen Wadadda 7"-Single auf dem neuen Label Police In Helicopter im Nu vergriffen war. Jetzt erscheint die zweite Auflage, diesmal ganz schlicht statt in Camou-Chick, und immer noch brüskiert der Track mit seiner immensen Schlagkraft, die noch nicht einmal ein kaltes Sounddesign nötig hat. Bei aller Heavyness klingt »Mashup Da Baldhead« angenehm verschwommen.

Substance & Vainqueur    Das ist nun ja auch wirklich die Anmutung, die man haben möchte, lässt man wie eben Wadadda seine Tracks bei Dubplates & Mastering in Berlin mastern. Die sitzen bekanntlich im gleichen Gebäude wie Hardwax, und auch sonst nehme ich mit Wadadda unter einer riesigen Bass-Haube Platz: Bei Dubplates & Mastering arbeitet DJ Maxximus von den Bass The World-Partys, und bei Hardwax arbeiten Peter Kuschnereit aka DJ Pete und René Löwe. Die lassen natürlich auch bei der gleichen Firma mastern, und als Substance & Vainqueur sind sie inzwischen zurecht fast ebenso eine Instanz des Echo Techno wie Basic Channel. Auf der vierten Veröffentlichung ihres eigenen Labels Scion Versions »Libration« (Scion Versions / Hardwax) erkunden Substance & Vainqueur im Zeichen der geraden Bassdrum endlose Hallräume, verschwiegene Gletscherfelder, unterirdische Höhlengänge.

Tolcha vs Soom T    Etwas im Tempo runtergepitcht, lässt sich da prima ein Track namens »Channel One« von der neuen EP des Den Haagers 2562 reinmixen. Seinem Stil bleibt er treu und produziert Minimal Dubstep-Hybride: Die Offbeats klingen, als liefe die Bassdrum gerade durch, was ebenso für die A-Seite »Kameleon« (Tectonic) gilt. Überhaupt zählt es zu den Phänomenen der aufkommenden Popularität eines Stils wie nun Dubstep, wenn die Grenzen auf einmal überall durchlässig erscheinen. Die Sounds einer lange existierenden Dub-Band wie den Berlinern Tolcha finden auf einmal Anschluss an einen neuen Begriff, dabei beackerten sie schon vorher ein sprachlich schwer zu konkretisierendes Feld, und sie tun es auch aktuell mit der grandiosen Download-EP »Send Them Kids To War« (Metapolyp). MC Soom-T aus Glasgow liefert ihre sporlichen Sprechgesänge zu einem Instrumental, das sich ebenso in jedes Dubstep-Grime-Set einspeisen lässt wie auf die große Neo-Electropop-Sause. Dazu gibt es von Eva Be einen elektroiden HipHop-Remix neben drei weiteren Tolcha-Tracks.

Coki    Party also: Da nehme ich noch zwei 12"es auf Planet Mu mit, nämlich die Rave-Tracks von Parson auf »Throw Some D's« und DJ Pinch mit »Pepper Spray« (beide: Planet Mu / Rough Trade). Pinch hat anlässlich des großen zehnjährigen Label-Jubiläums auch die dicke Dubstep-Doppel-Compilation »10 Tons Heavy« (Planet Mu / Rough Trade) gemixt. Auf die aber gehe ich demnächst in einem großen Planet Mu-Special ebenso näher ein wie auf die fantastische Jubiläumscompilation »200« (Planet Mu / Rough Trade). Zwei weitere gute Nachrichten kommen aus Tradition und Moderne. Coki von den Digital Mystikz haut mit »Spongebob« (DMZ) eine irrgewordene Armada von Bässen raus, da hat sich die Bass Meditation schon verselbständigt und wilde Generationen der tiefen Frequenz aufkommen lassen…

Vaccine    Damit der Schweiß in Ruhe abfließen kann, darf ruhig jemand das Outro spielen, der in seinen musikalischen Prägungen neben Dom & Roland und Massive Attack auch mal Slowdive nennt. In diesem Fall ist es eine sie, Vaccine aus Kalifornien. Mit ihrer neuen 12" »Breathless« (Hotflush) erfindet sie denn auch tatsächlich den Shoegaze-Dubstep – was für das Kaminfeuer im Herbst, wenn ich gerade die frischgepflückten Steinpilze aus dem vernebelten Bergwald nach Hause gebracht und den Rotwein schonmal geöffnet habe. Hmm, dieser Duft.

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