Bass: Low Club

In der Kolumne »Bass« thematisiert Christoph Braun einmal im Monat die Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit des Dub. Diesmal mit dem futuristischen B-Boying von Fulgeance sowie neuen Platten von Pole, Mikkel Metal, Rumpistol, Amerika Ruby und Scuba.

FulgeanceVon säurehaltigen Synthesizer-Linien umrankte Sub-Bässe, sie ergehen sich in Wildstyle. B-Boying, Fly-Girling-fähige Nerdmusik: Wie lautet nochmal der tausendste Versuch, die zu reinem Eros gewordene Passion für den Beat zu beschriften? Ich kann mich nicht mehr erinnern. Mich hat noch nichts überzeugt. Fest steht allerdings, dass Fulgeance nach nur wenigen Veröffentlichungen bereits einer der Könner von Breaks ohne Grenzen ist. Bereits auf der »7×7 Beat Series Vol. 3«-EP im März dieses Jahres zeigte der Parisien mit dem Track »Revenge of the Nerd« seine Leidenschaft für eine die Zwei und die Vier betonende Schlagkraft in Deep Space, während er mit »Fulgeance the Mamie« einen Orgel-meets-Handclaps-Schleicher vortrug, dessen Langsamkeit es mit Bohren & Der Club Of Gore aufzunehmen wusste.

    Auf dem französischen Label für die Heads namens Musique Large erscheint nun die »Low Club«-EP mit fünf neuen Stücken sowie einem Remix des Wiener Keyboard-Hexers Dorian Concept. Und auch »Low Club« überzeugt mit Tiefe, Breite, Vielseitigkeit. »Rubiscube« gleitet durch die Sphären, die »Low Club Anthem« ist genau das, während »Absolute Belta« einen Boom Bap mit gut Fett feiert. Jahreslisten noch offen halten dafür.

Fulgeance – Low Club EP
Label: Musique Large | Vertrieb: Import | VÖ: bereits erschienen

PoleAlles Gute, alles klar. So lautet auch der Titel einer neuen Veröffentlichung von Pole, der ja jüngst noch seine Alben »1«, »2« und »3« wiederveröffentlicht hat. »Alles Gute« schwingt in einem Sub-Bass, der hinter dem Beat nachhallt und stellt so Tanzbarkeit und eine Stumpfsinnigkeit der smarten Sorte her. »Alles klar« wird von Poles Label ˜scape sogar als Geschenk angeboten. Als MP3 in 192er Auflösung liegt der bereits als Beitrag des Berliner Künstlers zur »Round Black Ghosts«-Compilation bekannte Track auf der Homepage von ˜scape bereit. Trockener Dubstep.

Pole – Alles Gute/ Alles Klar
Label: ˜scape | Vertrieb: Indigo | VÖ: 05.12. (Vinyl-12“) / 15.12.2008 (Digital)

Mikkel MetalIn diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass die EP-Trilogie »Peaks & Throughs« von Mikkel Metal für das dänische Dubtechno-Label Ecochord nun abgeschlossen ist. Im Sommer schon brillierte Cassy im dem ersten Teil mit Watte-House auf ihrem »Lumever«-Remix. Nun arrangiert Pole den weich gefilterten Pulsierer »Frico« neu als eine mit Percussions behangene Galaxie inklusive schwarzer Löcher. Auf Teil 3 schließlich macht Mike Huckaby aus dem eigentlich so eleganten »Stephan« eine tabulose Darkroom-Fantasie.

Mikkel Metal – Peaks and Troughs EP Parts 1, 2, 3
Label: Echocord | Vertrieb: Neuton | VÖ: bereits erschienen

RumpistolDichte Atmosphären durch Ausdehnen der Schallweite: Rumpistol gelingt mit »Dynamo« ein beinahe klassisches Electronica-Album. Mit Gitarren, Gittern aus Synthesizern, rumorenden Bässen und allerlei gefundenen Klängen füttert der 31-jährige Kopenhagener Jents Berensen seine Matrizen. Nach »Rumpistol« 2003 und dem noch von John Peel gerne in Auszügen gespielten »Mere Rum« zwei Jahre später folgt nun das dritte Album des Rump Recordings-Betreibers. Es gehört schon von Anfang an zu den Qualitäten des Rumpistol, in diese schwebenden und dabei expandieren Landschaften Melodien einzupflanzen, die dem Vergessen nie mehr anheim fallen werden.

Rumpistol – Dynamo
Label: Rump Recordings | Vertrieb: Nova MD | VÖ: 05.12.2008

Amerika RubyHypnosen in Kachelsauberkeit. Die »Killer Killer«-EP von Amerika Ruby besticht durch von jedem Schmutz befreite Sounds, durch das Vertrauen in die Unerschöpflichkeit der Wiederholung. So lange das Repetitive derart kühn durchgespielt wird wie auf der zweiten Veröffentlichung von Yuki Watanabe aus Yokohama, darf es gerne Methode bleiben. Yah Shaka, King Tubby, Rhythm & Sound und Kraftwerk stehen auf dem Einkaufszettel der Einflüsse Watanabes – diese Referenzen transformiert er in metasakrale Klangräume eines Zen-Klosters. Die Mathematik des Rhythmus reicht von Offbeat bis Viervierteltakt, und der schlägt links: dort wo der Bass, also das Herz sich bewegt. Aus der Materie des Klangs eine Transzendenz erschaffend, wie sie den frühen DMZ-Produktionen eigen war.

Amerika Ruby – Killer Killer EP
Label: Meteosound | Vertrieb: Digital| VÖ: bereits erschienen

ScubaWas für Namen. Das Muss des Monats! Sechs Produzenten remixen in einer dreiteiligen Serie verschiedene Stücke des im April erschienen Albums »A Mutual Antipathy« von Scuba. Der erste Teil fällt eher schwach aus, doch der Rest! Auf Teil zwei etwa macht der Remixer aller Remixer Jamie Vexd aus »Twitch« etwas, das klingt wie eine in die Ursuppe aller Materie gefallene Sa-Ra-Produktion. An gleicher Stelle mixt Martyn »The Upside« – runter auf einen Downbeat, in dessen Gencode Sequenzen aus Detroit Techno und Dubstep zu Psychedelik werden. Teil 3: Zweimal schwer verzichtbarer Dub Techno von je SCB und Marcel Dettmann.

Scuba – Mutual Antipathy EP
Label: Hotflush | Vertrieb: Import | VÖ: 21.12.2008

Alle im Rahmen dieser Kolumne erschienenen Texte finden sich hier.

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