Banks »The Altar« / Review

Auf Banks‘ zweiten Album ist der Tagebuchmodus verschwunden, die sophisticated R’n’B-Grooves werden nicht mehr von den Songs in den Hintergrund gedrängt.

Jillian Rose Banks aus Los Angeles färbt die Lebensgier des R’n’B mit einer ungewöhnlichen Schwärze und emotionalen Ambivalenz ein. Die Sängerin wurde mit Erykah Badu, Lauryn Hill, Aaliyah oder Tracy Chapman verglichen. Sie sei sexier als Lorde, temperamentvoller als Lykke Li und weniger polarisierend als Lana Del Rey, fand der Guardian.

Banks Musik kann stereotyp und glatt klingen, die unverkennbare Spezifik der genannten Künstlerinnen hat sie nicht. Ihre Stärke liegt in ihren Texten. Die sind oft so beklemmend persönlich wie Tagebucheinträge nach Mitternacht. Hauptthema darin: zum Scheitern verurteilte Beziehungen. »I never knew I could be broken in so many ways«, sang sie in ihrem Durchbruchssong »Before I Ever Met You«. Mal klingt die Kalifornierin verletzt und wutentbrannt, mal schüchtern und kleinlaut. Das Gegengewicht zu ihren Psychobeziehungen fand sie in der Identität der Goddess: Diese Göttin ist zu 100% sie selbst. Sie steht zu ihren Gefühlen, egal wie düster diese sind, egal, wie stark oder wie zerbrechlich sie sich fühlt.

Banks machte zehn Jahre lang Musik, ohne sie jemandem zu zeigen. Über eine Freundin gelangten ihre Songs zu einem Londoner Label, das sie mit einer Reihe von Producern in Kontakt brachte. Danach ging alles rasend schnell: »Before I Ever Met You« explodierte, schon drei Monate nach ihrem ersten Gig überhaupt tourte sie mit The Weeknd.

Banks‘ Musik kann stereotyp und glatt klingen. Ihre Stärke liegt in ihren Texten.

Auf ihrem zweiten Album ist der Tagebuchmodus verschwunden. Die vertrackten, sophisticated R’n’B-Grooves werden nicht mehr von den Songs in den Hintergrund gedrängt. Auf ihrer letzten Tour habe sie »Supa Dupa Fly« von Missy Elliott rauf und runter gehört, erzählte Banks kürzlich. Hört man nun The Altar, ergibt das Sinn: Das Album klingt wie eine Hommage an den R’n’B, mit dem Timbaland, Brandy, Ginuwine oder Destiny’s Child die späten Neunziger und frühen Zweitausender vertonten.

Der Ton ihres ersten Albums wurde oft als confessional charakterisiert, als eine Art Beichte. Die neuen Songs sind doppeldeutiger, ironischer. Die Liebenden sind nicht mehr im Spiegelkabinett gegenseitiger Projektionen gefangen. Banks hält die Männer auf Distanz und gibt scharfzüngige, witzige und manchmal geistreiche Kommentare ab: »Lovesick« etwa verspricht Hingabe ohne Wenn und Aber. Das bedeutet für Banks jedoch kein seelenzerfaserndes Haareraufen mehr, sondern erinnert an die reife Madonna zu Zeiten von Ray Of Light.

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