Azeda Booth

Dieses Album verrückt jegliches Zeitgefühl. Fleischtöne, durchaus, sie temperieren die Tracks, und ich stelle sie mir pastellen vor. Darüberhinaus aber operieren Azeda Booth ziemlich beiläufig mit Polyrhythmen, denn der Fetisch ihrer Musik ist letztlich nicht das Gelangen in einen Trance-Zustand, sondern der Zustand selbst. Diese Musik ist vom ersten Ton an abwesend.

     Azeda Booth aus Calgary sind im Sommer 2004 im Zuge der Aufnhamen zu der so unbekannten wie vielsagend betitelten Debüt-EP »Mysterious Body« entstanden. Da waren sie noch zu zweit, Morgan Greenwood und Jordon Hossack. Zwei Jahre später erschien »Mysterious Body« tatsächlich in Nordamerika, aus dem Duo wurde ein Sextett. Die erste größere Tour durch Kanada und die USA haben Azeda Booth soeben hinter sich, in Europa waren sie bisher überhaupt noch nicht, und »In Flesh Tones« lautet nun der Titel ihres Debüt-Albums.

     Die Referenzen der Band allerdings tummeln sich eher auf gewissen europäischen Inseln. Während in Nordamerika von den Shoegazern ja vor allem recht Rockistisches übrig geblieben ist, klingen die Tracks von Azeda Booth eher nach den elektronischen Introspektionen eines Aphex Twin in dessen Ambient Tracks, der Rhythmusforschung von Four Tet sowie nach den Schrullen der einschlägig beliebten Musik Islands. Dazu lotet Jordon Hossack mit seiner Stimme aus, wie Kate Bush klingen könnte, nähme man sie nachts unter einem Kopfkissen liegend aus. So scheint durch »In Flesh Tones« eine ungezwungene, niemals aggressive Melancholie. Diese Band auf einer Bühne zu erleben, wäre jetzt also ein schönes, zweites Kapitel.

LABEL: BB*Island / Absolutely Kosher

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 01.08.2008

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