autoKratz Animal

autoKratz CoverDass man sich von ihnen ein richtiges Album gut vorstellen könnte, und nicht nur Singles – das war die einhellige Meinung all derer, die »Down & Out in Paris & London«, einer Sammlung aller bis dato erschienenen autoKratz-Singles, im letzten September ein Ohr geliehen hatten. Neun Monate später ist es so weit, und das erste Album des in London residierenden Duos aus Manchester setzt bei »Down & Out …« an, indem es den veritablen Hit »Stay the Same« wiederholend aufgreift, abgewandelt durch einen Break, in dem man einen rotierenden Euro zu Boden trudeln hört, und konsequent fortführt. Beginnen wir aber mit dem ersten Track: Stampfender Synthiebeat, wie gehabt, ein »Huhu«-Chor und, huch, eine fast schon hysterische Frauenstimme? Pardon, da hat sich »Quicksand« von La Roux in die iTunes Liste geschmuggelt, was gar nicht so fern liegt, weil deren Single auch letzten Herbst von Kitsuné veröffentlicht worden war und nun, quasi zeitgleich mit autoKratz, ihr Albumdebüt anliegt.

    Beide Bands wippen mit anderthalb Beinen in den Achtzigern, wobei sich Elly Jacksons vergleichsweise exaltiertes vokales Temperament zu dem von David Cox verhält wie Prince zu The Human League. Russel Crank übrigens, der andere autoKratzer, macht’s in seinem im Alleingang produzierten »Gone Gone Gone« (dem am buntesten durch alle möglichen Beats stolpernden Track des Albums) dann lieber gleich ganz instrumental. Hier darf man kurz über die Zukunftsaussichten eines Duos spekulieren, das sich auf seinem Debüt nur für vier von elf Stücken gemeinsam verantwortlich zeichnet – hinter den restlichen sieben Nummern steht allein der Name Cox. Von ihm stammt auch das herausragende »Always More«, die aktuelle Single: luftiger Synthiebeat, Cox singt wiederholt »I won’t break again so easy … / There is always more«, das eingängig flippige melodische Motiv bleibt dem Keyboard überlassen, am Schluss verhallt die Bitte »Take my heart« weder barmend, noch verzweifelt, sondern so regungslos süss vorgetragen, dass man glaubt, VHS-Gebrauchs spuren zwanzig Jahre alter MTV-Mitschnitte zu sehen.

    So geht es weiter, weiter und weiter. Autokratz sind eine sehr wirkungsvolle Verhöhnung des Irrglaubens, man müsse unentwegt nach neuen Sounds graben, um der Gegenwart, am besten auch noch der Zukunft gerecht zu werden. Im Hier und Jetzt bratzen sie auf jenen Tanznerven herum, die einen Floor tiefer eben noch von Underworld und Justice angesteuert wurden, nur eben einen Hauch cooler, entspannter, man könnte unter uns Yoga-Schwestern auch ›menschelnder‹ dazu sagen. Wie bestellt posten Autokratz dazu auf ihrer Homepage gerade keine Kraftwerke, Lichtorgeln oder andere Retro-Ikonen, sondern blicken durchs Mikroskop auf die malerische Schönheit einer künstlichen Befruchtung.

LABEL: Kitsuné Maison | VERTRIEB: Cooperative Music / Universal Music

VIDEO: autoKratz – Always More
MP3: autoKratz – Swastika Eyes (Primal Scream Cover)
MP3: autoKratz – Always More (Yuksek Remix)

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