SPEX N°354: FKA twigs

SPEX N°354

SPEX N°354, die Juli / August-Ausgabe 2014, – inklusive der SPEX CD 118 mit zwölf Titeln – ist ab sofort im SPEX-Shop erhältlich und ab Donnerstag, dem 26. Juni 2014, im Zeitschriftenhandel erhältlich. Die aktuellen Abo-Prämien finden sich unter spex.de/abo/praemien. Weitere Informationen, Ergänzungen sowie ausgewählte Texte folgen in Kürze auf spex.de.

TITEL: FKA TWIGS
Liebe dein Abbild wie dich selbst
TEXT: Arno Raffeiner   FOTOS: Daniel Thomas Smith

In einer Ära, in der die Stars von morgen immer schon vollkommen fertig aus ihren Szene-Kokons schlüpfen, wirkt die 26-jährige FKA twigs aus London noch eine Spur perfekter als alle anderen. Einst war sie die weirde Einzelgängerin vom Land, jetzt liebt sie sich dafür und besingt diese Liebe in den höchsten Tönen. Über Jahre hinweg hat sie den von ihr so gehassten R’n’B entrümpelt, um ihrer Stimme den nötigen Platz zu verschaffen. Dann reichten zwei EPs, um alles in ehrfürchtige Erwartung zu versetzen. Nun erscheint ihr erstes Album.

EINKLANG
Neues aus Musik, Kunst und Literatur​

JUNGLE, SHAMIR, ESTHER PERBANDT, HUMAN ABFALL, JACQUES FERRANDEZ & ALBERT CAMUS, MYRIAM GENDRON 

POPKULTUR

SLEAFORD MODS: Die Kunst des Pöbelns
TEXT: Scott King FOTOS: Wolfgang Tillmans
Wie ein mittelalter Familienvater und renommierter Künstler über die Begeisterung für eine Band wieder zum Teenager wurde – und fast die Kontrolle über sein Leben verlor. eine Selbstbeobachtung.

Wahlverwandschaften N°4: PAUL WELLER vs. MICHAEL ROTHER: »Für mich ist das der Herzschlag der Welt«
TEXT: Ulrich Gutmair & Arno Raffeiner FOTOS: Yves Borgwardt
Ohne den einen hätte die Britpop-Welle vor 20 Jahren so nicht stattgefunden. ohne den anderen wäre vieles in der Rockmusik heute kaum vorstellbar. Paul Weller ist ein working class hero der englischen Popmusik und wird als »The Modfather« verehrt, Michael Rother prägte mit seiner Band Neu! im Düsseldorf der Siebzigerjahre weltweit ganze Generationen nachfolgender Bands. Weller hat Neu! relativ spät für sich entdeckt, zeigt sich vor einem Auftritt in Berlin beim Zusammentreffen mit dem eigens angereisten Rother aber umso begeisterter: ganz der wissbegierige Fan, der gar nicht genug Details erfahren kann. Ein Gespräch über den Blues, spritzendes Blut auf der Bühne und die deutsche Autobahn.

Vorspiel für MARSHALL ALLEN: »Der Sound war immer schon dort draußen«​

TEXT & MUSIKAUSWAHL: Philipp Rhensius   FOTOS: Johann Clausen
Marshall Allen ist eine lebende Legende. Seit 1957 spielt er Altsaxofon im Free-Jazz-Kollektiv Sun Ra Arkestra und ist somit das älteste Mitglied der optisch genauso überdrehten wie musikalisch virtuosen Big Band. Fast 40 Jahre wohnte und tourte er zusammen mit Sun Ra, dem Free-Jazz-Avantgardisten und Kopf der Band. Nach dessen Tod übernahm Allen die Leitung des Arkestras, das bis heute zahlreiche Künstler beeinflusst. Mit einigen von ihnen hat Marshall Allen bereits zusammengearbeitet: Carl Craig, Sonic Youth, Primal Scream oder Caribou. Wir trafen den Musiker unmittelbar nach einem Auftritt in Berlin – einen Tag nach seinem 90. Geburtstag.

HOW TO DRESS WELL: Liebeslieder muss man sich verdienen
TEXT: Christoph Gurk   FOTO: Jesse Lirols
Mit What Is This Heart? tritt der unter dem Künstlernamen How To Dress Well agierende Musiker Tom Krell endgültig ins Licht und öffnet sich dem Pop – zu seinen Bedingungen. Wir trafen Krell in Berlin und sprachen mit ihm über Nietzsche und die Backstreet Boys, Transgression und Distinktion – und über die universelle Kraft der Liebe.

FUCKED UP: Die Angst der Kanonenkugel vor dem Einschlag
TEXT: Christoph Dorner FOTO: Justin Kaneps​
Fucked Up funktionieren, weil sie nicht funktionieren. Aus internen Spannungen und den Neurosen ihres Sängers Damian Abraham schöpft die Band seit zwölf Jahren eine kreative Energie, die sie gleichermaßen zum Weitermachen und Vorausdenken animiert. Wie lange das noch gut gehen wird, können nicht mal Fucked Up selbst sagen. Abraham sucht auf dem neuen Album Glass Boys jedenfalls nach ersten Strategien, die der Hardcore-Rampensau den Übergang in Altersteilzeit ermöglichen könnten.

VOW & BODY BETRAYAL: Der Vorschein einer anderen Weise
TEXT: Kristoffer Cornils FOTOS: Jennifer endom (Vow), Josie simonet (Body Betrayal)
Ein in Drag auftretender biologischer Mann gewinnt als Frau mit Bart die politischste Musikveranstaltung des Jahres. Und nun alles queer? Nicht ganz, findet das Berliner Label Our Voltage. Mit der Hardcore-Band Body Betrayal und dem Dream-Pop-Duo Vow erscheint dort die Musik zweier Bands, die ihre Aussagen mit Kunst und Körper transportieren.

LA ROUX: Nach der Stille
TEXT: Thomas Vorreyer   FOTOS: Phil Dunlop   BILDBEARBEITUNG: Phoenix Bespoke
Die Musterschülerin der class of 2009 war jahrelang weg vom Fenster. Jetzt überrascht Elly Jackson alias La Roux mit einem lustvollen neuen Album. Beim Treffen in London spricht sie über tropische Sehnsüchte und darüber, wie eine mysteriöse Krankheit sie erst beinahe in den Suizid trieb – und dann zur Ein-Frau-Hilfsorganisation werden ließ. Währenddessen ging in ihrer Straße die Welt zu Bruch.

TEMPLES: Keine Angst vorm Zahnarzt!
TEXT: Torsten Groß   FOTOS: Nacho Alegre
Sun Structures, das Debüt der britischen Band Temples, ist eine Hommage an das goldene Jahrzehnt des Pop, an die Beatles, Pink Floyd und die Kinks. obwohl sie also vor allem Adepten zu sein scheinen, findet ihre Musik einen gewaltigen Widerhall. Was machen die Temples anders als andere? Wir begleiteten sie durch Europa.

Songtextkritik: MORRISSEY »World Peace Is None of Your Business«
TEXT: Kirsten Riesselmann

KOLUMNEN & SERIEN

WIE WIR LEBEN WOLLEN N° 1: Lass uns das bei ’nem Bier besprechen!
TEXT: Daniel Gerhardt
Nur noch die eigene Bequemlichkeit scheint den deutschen Musikjournalismus vom Sterben abzuhalten. Auflagen und Anzeigenerlöse sinken weiter, neue Konzepte sind kaum in Sicht. Stattdessen igeln sich viele Protagonisten in künstler- und industrienaher Kumpelhaftigkeit ein. Dabei wäre es Zeit, sich auf Dinge zu besinnen, die eine gute Freundschaft wirklich auszeichnen.

TAXI FÜR RÜTZEL Droschken-Pop
TEXT: Anja Rützel   ILLUSTRATION: Patrick Klose

GOOD MORNING AMERICA Wahr und lustig
TEXT: Steven Lee Beeber   ILLUSTRATION: Patrick Klose

POFALTE Certified Good/Bad
TEXT: Holger in’t Veld  ILLUSTRATION: Patrick Klose

POPKULTUR

SILICON VALLEY: Selig sind die Nerds, denn sie werden die Erde besitzen
TEXT: Barbara Schweizerhof   BILDER: Universal Pictures International
Der Nerd war die längste Zeit eine Rand-, Witz- und Nebenfigur der Filmgeschichte. Was mit Serien wie The Big Bang Theory und Filmen wie The Social Network begann, setzt nun die HBO-Produktion Silicon Valley fort: Der Nerd wird zum Held, er erobert die Kinoleinwand und den TV-Bildschirm. Und mit ihm seine Art, die Welt zu sehen und zu beherrschen.

Bilder, die die Welt bewegten: PLAYTIME
TEXT: Drehli Robnik

Filmkritiken
Peaches Does Herself, Mistaken For Strangers, Feuerwerk am hellichten Tage, Wie der Wind sich hebt

Die sieben Leben der APRIL ASHLEY
TEXT: Sonja Matuszczyk   FOTO: Ken Walker

April Ashley war Schauspielerin, geliebte vieler Berühmtheiten und das erste transsexuelle Lingerie-Model der britischen Vogue – bis die Yellow Press ihre Karriere abrupt und für immer beendete. Der Frau, die von der gesellschaft mehrfach für tot erklärt wurde, und die durch ihre Entscheidungen zum Vorbild für Transmenschen, aufstieg wird nun in Liverpool eine Ausstellung gewidmet. Ein Porträt.

Modegespräch mit RAD HOURANI: »Unisex ist ein Lifestyle!«
TEXT: Sonja Eismann   FOTO: Zoe Duchesne
Rad Hourani hält nichts von Grenzen. Der in Jordanien geborene Autodidakt, der 2012 als erster Designer mit einer Unisex-Kollektion in die prestigeträchtige französische Chambre Syndicale de la Haute Couture, den Olymp der Mode, aufgenommen wurde, switcht mühelos zwischen den Ländern, Disziplinen und Geschlechtern. Der bekennende Ayn-Rand-Fan, der mit seinen kantig-architekturalen Entwürfen Prominente und Künstler von Rihanna über Lenny Kravitz bis zu Hayden Christensen begeistert, glaubt zu gleichen Teilen an die bezuglose Kraft der Nowness und an die Schädlichkeit jeder Form von Selbstlimitation.

Modestrecke: GENDER SURRENDER
PRODUKTION & STYLING: Jacqueline Krause-Blouin

KRITIKEN

Album der Ausgabe: SHABAZZ PALACES Lese Majesty

Alexis Taylor, Freddy The Dyke, Toumani & Sidiki Diabaté, Balani Show Super Hits – Electronic Street Parties From Mali, Black Bananas, Nick Grey, Matthewdavid, Bok Bok, Ela Stiles, Union Carbide Productions, To Rococo Rot, Lower, Gentle Friendly, Dave Harrington, Ashlee, Ancient Astronaut, Calypso – Musical Poetry In The Caribbean 1955-69, Niobe, OOIOO, Cabaret Voltaire, Anna Calvi, The Soft Pink Truth, UMA, Lust For Youth, Lone, G. Rizo, Land Observations, Die Antwoord

Werke XVIII – Willkürlich und anlassfrei zusammengestellt von Diedrich Diederichsen
Alessio Riccio, Lean Left, Jason Grier, Peter Albinger, Nick Grey & The Random Orchestra

 

Odyshape – Selten gehörte Musik mit Joachim Ody
Jack Ruby, Richard Reed Parry, Roll The Dice

Gegenwartskunde – Popwelt mit Klaus Walter
Jah Wobble presents PJ Higgins, Quasi Dub Development, DJ Vadim

Punchzeilen – Rap mit Marcus Staiger
Celo & Abdi, Fard & Snaga

Direct Cuts – Clubmusik mit Holger Klein
Brothers & Sisters, Point G, Yagya

SPEX CD 118
ZUSAMMENSTELLUNG: Daniel Gerhardt

1. Sleaford Mods »Under The Plastic And N.C.T«
2. Temples »The Golden Throne«
3. Shabazz Palaces »They Come In Gold«
4. Vow »Cypress«
5. Lust For Youth »Epoetin Alfa«
6. To Rococo Rot »Classify« (feat. Arto Lindsay)
7. Miguel Fleta »Himno de Riego«
8. Nick Grey & The random orchestra »you’re mine Again«
9. Niobe »La Toile«
10. UMA »Calm/Easy«
11. Land Observations »On Leaving The Kingdom For the Well-Tempered Continent«
12. Human Abfall »Schuldenschnitt 1997«

PERSPEKTIVE

Hymnen der Uneinigkeit – die Lieder des Spanischen Bürgerkriegs und ihre Rezeption
TEXT: Martin Baxmeyer   BILDER: aus der Bear-Family-CD-Box Spain In My Heart
Die Lieder des spanischen Bürgerkriegs haben die Zeit überdauert und gelten bis heute als Urform linker Protestmusik. Nicht zuletzt waren sie ein wichtiger Einfluss für den angloamerikanischen Protest-Folk späterer Jahre. In linken Kreisen wird bis heute die gemeinschaftsstiftende Kraft in der Musik der Freiheitskämpfer gerühmt. Waren diese Lieder tatsächlich die Musik einer solidarischen linken Gemeinschaft – oder doch eher reine Revolutionsfolklore?

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Rückblende: TELEVISION
Primavera Sound, 31.5.2014, Barcelona
TEXT: Daniel Gerhardt   FOTO: Morten Aagaard Krogh

AUSKLANG Untitled (nuclear) I, 2013
Exklusiv für SPEX von Susanne Kriemann