SPEX N°351: BANKS

SPEX N°351: Bang Boom Banks!

SPEX N°351, die März-Ausgabe 2014, – inklusive der SPEX CD 115 mit zwölf Titeln – ist ab Donnerstag, dem 13. Februar 2013, im Zeitschriftenhandel erhältlich. Die aktuellen Abo-Prämien finden sich unter spex.de/abo/praemien. Weitere Informationen, Ergänzungen sowie ausgewählte Texte folgen in Kürze auf spex.de.

TITEL: BANKS
»Ich bin meine eigene Szene!«
TEXT: Michael Haacken   FOTOS: Ye Rin Mok
STYLING: Maya Krispin, The Magnet Agency   HAIR: Caile Noble   MAKEUP: Sarah Uslan

Seit sie ihren Vornamen aus dem Verkehr gezogen hat, ist Jillian Banks auf dem besten Wege, das Musikjahr 2014 wesentlich mitzubestimmen. Ihrem klassischen Singer-Songwriter-Zugriff setzt sie innovative Produktionsmittel entgegen, die den Remix zum Original machen und die Inszenierung von Hüllenlosigkeit noch eine Stufe weiter drehen. Sieht so eine Lana Del Rey aus, die sich Lana Del Rey auch selbst anhören würde?


POP
KULTUR

Wahlverwandschaften N°1: SCORPIONS vs. DAGOBERT»Frankreich, Klaus, Frankreich!«
TEXT: Torsten Groß   FOTOS: Jeremy Ayer
Wer hätte das gedacht? Der Schnulzensänger Dagobert, der ausgerechnet im eskapistischen Unterdrückungsinstrument deutscher Schlager aufrichtige Schönheit erkennt. Der den Romantizismus Distelmeyers mit der Präsenz von Falco verbindet. Von dem der Mythos will, dass er sich nur von Reis ernährt und ohne Geld auskommt. Genau jener Dagobert also, der für Klaus Lemke spielte und beim Vorzeige-Indie Buback veröffentlicht, ist: der größte Scorpions-Fan der Welt. Richtig gelesen. Hannover’s finest, Klaus Meine, Rudi Schenker, »Rock You Like A Hurricane«. Na dann los!

NENEH CHERRY: An den Knoten der Geschichte
TEXT: Florian Sievers   FOTOS: Martin Zellerhoff
Mit »Buffalo Stance« oder »7 Seconds« war Neneh Cherry in den 90ern ein Mega-Popstar. Quasi seit ihrer Geburt taucht sie immer dann in der Popmusik auf, wenn sich Zeitenwenden einläuten, wo sich Strömungen zu etwas Neuem verknoten. Seit 1996 war sie weitgehend verstummt. Jetzt ist Neneh Cherry 50 geworden – und wieder da. Was könnte das bedeuten?

ST. VINCENT: Tausend Hochzeiten
TEXT: Daniel Gerhardt    FOTOS: Sabrina Theissen   STYLING: Ruza Pavelic
Die Sektenführer von heute rennen nicht mehr in weißen Gewändern durch die Wälder, wir tragen sie in der Hosentasche mit uns herum. Annie Clark hat ein Album über sie und ihr Gefolge geschrieben. Es ist ihr viertes als St. Vincent und führt vor Augen, was passieren könnte, wenn die Technologiemüden nicht mehr einschlafen können und den Rückzug ins Hinterland verweigern. Kein schöner Anblick, aber die Platte ihres Lebens.

BECK: »Ich wünschte, das wäre mir eingefallen!«
TEXT: Lisa Cordes
Nach krankheitsbedingter Abstinenz, Produktionen für Charlotte Gainsbourg, Stephen Malkmus und andere sowie einem Album in Buchform erscheint in diesen Tagen mal wieder neue Musik von Beck. Morning Phase ist nach sechs Jahren Pause ein kontemplatives Werk, dem man die Umstände seiner Entstehung deutlich anhört. Ein Gespräch über Einsamkeit und den Freiheitsdrang des etablierten Künstlers.

Vorspiel für BOY GEORGE: »Ich war immer da!«
TEXT & MUSIKAUSWAHL: Max Dax   FOTOS: Claudia Rorarius
Ein gigantisches Loft im Berliner Soho House ist für Boy George die geeignete Kulisse, um seine derzeit wichtigste Botschaft zu verkünden, die da lautet: Ich bin wieder da. Tatsächlich hat Boy George wenig Geduld, über Songs und ihre Sänger zu sprechen, aber das macht nichts, denn wir erfahren dafür umso mehr über sein Selbstbild. Diesbezüglich hat George – wieder schlanker, markantes Make-up, aus den Ärmeln gucken Tribal-Tattoos – offenbar absolut keine Probleme.

WILD BEASTS: Keine Codes, keine Umwege
TEXT: Florian Obkircher FOTOS: Phil Dunlop
Eine Konsensband sind Wild Beasts nicht. Das liegt unter anderem an Hayden Thorpes eindringlichem Falsettgesang, aber nicht ausschließlich. Die Songs ihres vierten Albums Present Tense sind einfach zu clever und elegant, um im Mainstream der Minderheiten zu funktionieren.

KREISKY: Wiener Schimpf
TEXT: Hendrik Otremba   FOTO: Ingo Pertramer
Ende März erscheint Blick auf die Alpen, das vierte Album von Kreisky. Die Platte ist der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, in deren Verlauf es der österreichischen Band immer konsequenter gelungen ist, Intellekt mit Rockmusik und Wiener Schmäh zusammenzubringen. Kreiskys Politik ist nicht explizit politisch, ihr Zynismus nie bloß zynisch – und doch erreichen sie mit dem neuen Album die Klarheit und Weitsicht eines Sonnentags in den Alpen.

ANGEL OLSEN: Verführung der Verrückten
TEXT: Jacqueline Krause-Blouin   FOTO: Jonas Lindstroem

DIE NERVEN: Im Schutt geboren
TEXT: Thomas Vorreyer   FOTO: Michael Donath

YOUNG THUG: Crooner auf Glatteis
TEXT: Daniel Gerhardt   FOTO: Kendrick Brinson

JAMES K: Me feat. Me
TEXT: Dennis Pohl  FOTO: Marco Scozzaro

Sontextkritik: MARTERIA »Bengalische Tiger«
TEXT: Sascha Ehlert


KOLUMNEN

TAXI FÜR RÜTZEL Happy Sad im Hinterland
TEXT: Anja Rützel   ILLUSTRATION: Patrick Klose

GOOD MORNING AMERICA Die Verschwörung des Schweigens
TEXT: Steven Lee Beeber   ILLUSTRATION: Patrick Klose

POFALTE Freiheit macht Darm
TEXT: Holger in't Veld  ILLUSTRATION: Patrick Klose


POP
KULTUR

HER & BLACK MIRROR: Maschinenliebe, die nächste Stufe (Beta-Version)
TEXT: Barbara Schweizerhof   BILDER: Warner Bros. Pictures
In Spike Jonzes viertem Spielfilm Her spaziert Joaquin Phoenix liebestrunken lachend durch ein utopisches L.A.: Er ist verliebt in sein Betriebssystem. In der britischen TV-Serie Black Mirror heißt es dagegen, etwas weniger romantisch: The future is broken. Film und Serie spielen beide in der näheren Zukunft und verhandeln die Hoffnungen und Ängste, die wir an unsere Beziehung zu Technik knüpfen. Und es gibt Lektionen fürs Heute, zum Beispiel: Nur weil etwas simuliert ist, muss es noch lange nicht unecht sein. Und wirkliche Intelligenz bedeutet, auch mal richtig blöd zu sein.

Bilder, die die Welt bewegten: THEOREMA
TEXT: Robert Defcon   BILDER: CMV Laservision

FILM-Kritiken
Nymphomaniac, Lone Survivor, American Hustle

GEH IN DIE KNIE! TANZ! Wie wir uns und die Welt bewegen
TEXT: Thomas Hübener
Rumba, Swing, Boogie-Woogie, Tango, Pogo, Two Step, Schuhplattler, Ententanz, Polonaise, Menuett, Reigen. Voodoo, Ekstase, Mänaden, Derwische, göttliche Reiter. Sasha Waltz, Vaslav Nijinsky, Josephine Baker, Valeska Gert, Fred Astaire, Rudolf Nurejew, Grace Jones, Madonna. Eine multiperspektivische Ausstellung im Deutschen Hygiene-Museum in Dresden und ein umfangreicher Begleitband widmen sich dem unerschöpflichen Phänomen Tanz in fast allen Facetten.

BUCH-Kritiken
Edouard Levé Autoportrait, Yana Milev (Hrsg.) D.A. A Transdisciplinary Handbook of Design Anthropology, Amen Avanessian / Björn Quiring (Hrsg.) Abyssus Intellectualis. Spekulativer Horror

DOROTHY IANNONE: Lang lebe die Klitoris!
TEXT: Esther Buss   BILDER: Dorothy Iannone
Die 1933 in Boston geborene Künstlerin Dorothy Iannone ist vielleicht die letzte große Exzentrikerin der Kunstwelt. Die zentralen Themen in ihrem Werk sind nach wie vor sexuelle Befreiung und ekstatische Liebe. Iannones unerschrockene Ausdrucksweise wird allerdings bisweilen als Provokation empfunden; so standen ihre Werke wiederholt unter Pornografieverdacht und wurden Opfer der Zensur. Die Berlinische Galerie widmet der 80-jährigen Künstlerin nun eine längst überfällige umfassende Retrospektive.

Modegespräch mit IRIS APFEL: »Mrs. Nixon hatte keine Ahnung!«
TEXT: Jacqueline Krause-Blouin   FOTOS: Marco Scozzaro   HAIR & MAKE-UP: Erin Green
Die 92-jährige New Yorkerin Iris Apfel ist weit mehr als eine »rüstige Rentnerin«. Obschon bereits seit den 50er-Jahren ein Gesicht der New Yorker Gesellschaft, wurde sie erst 2005 mit ihrer Ausstellung Rara Avis: The Irreverent Iris Apfel im New Yorker Costume Institute des Metropolitan Museum of Art quasi über Nacht berühmt und im reifen Alter plötzlich zur Grand Dame der Modeszene erklärt. Renommierte Marken reißen sich seither um Kooperationen, sogenannte It-Girls betteln um Stilberatung – vom Modeparkett ist Apfel nicht mehr wegzudenken. Was nicht allein an ihrer legendären, übergroßen Brille liegt.


KRITIKEN

Album der Ausgabe: PETER WALKER Has Anybody Seen Our Freedoms?

Bohren & Der Club of Gore, Thee Silver Mt. Zion Memorial Orchestra, Angel Haze, The Notwist, Big Ups, Nina Persson, DENA, Logos, Fenster, Hundreds, Die Heiterkeit, Xiu Xiu, Laibach, William Oneyeabor, Penny Penny, Gabi Delgado, Egotronic, Liars, Gacha, Guardian Alien, Untold, Lucy, Holly Herndon, Hauschka, The Men, Blood Red Shoes, Broken Bells

Werke XV – Willkürlich und anlassfrei zusammengestellt von Diedrich Diederichsen
Alvin Curans, Polwechsel, Keith Jarrett

 

Odyshape – Selten gehörte Musik mit Joachim Ody
Sérimpie, Jean Du-Buffet, Ilhan Mimaroglou, Ensemble Economique

Gegenwartskunde – Popwelt mit Klaus Walter
Planningtorock, Patrick Cowley

Punchzeilen – Rap mit Marcus Staiger
Psaiko.Dino, Marteria, Hiob & Morlockk Dilemma

Direct Cuts – Clubmusik mit Holger Klein
Genf Pakula, Edward, Detroit Swindle, Leon Vynehall, Midland, Ratcatcher, Chase Smith, Night Plane

SPEX CD N°115SPEX CD 115
(Für Cover in Hochauflösung bitte auf Bild klicken!)
ZUSAMMENSTELLUNG: Daniel Gerhardt

1. Wild Beasts »Wanderlust«
2. Neneh Cherry »Blank Project«
3. St. Vincent »Birth In Reverse«
4. Hauschka »Elizabeth Bay«
5. Nina Persson »Burning Bridges For Fuel«
6. Kreisky »Wir Unterhaltenen«
7. Angel Olsen »Hi-Five«
8. Blood Red Shoes »An Animal«
9. Planningtorock »All Love Is Legal«
10. Hundreds »Rabbits On The Roof«
11. Die Nerven 
»Nie wieder scheitern«
12. Marteria »Die Nacht ist mit mir« feat. Campino


PERSPEKTIVE

NEUE HAMBURGER SCHULE: Die Polizei gibt den Takt an 
TEXT: Patrick Gensing
Hamburg galt lange als vorbildlich im Umgang mit Subkulturen. Auch deshalb konnte sich an der Elbe eine politisch bewusste und hochkreative Szene entwickeln. Inzwischen steht die Hansestadt repräsentativ für einen Trend zur völligen Kommerzialisierung und Gleichschaltung urbaner Zentren. Für Spannung und Aufmerksamkeit sorgt nun die »Neue Hamburger Schule« der Politik, die ihre Aufgaben der Polizei überträgt. Eine Vorgehensweise, die sich in diesem Land schleichend etabliert hat. Protest gegen den Mainstream wird im Ansatz unterdrückt, staatsbürgerliche Rechte geraten in bedenkliche Schräglage.

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RÜCKBLENDE 50 Jahre Andreas Dorau Gala 25. Januar, Berlin, Bi Nuu
TEXT: Arno Raffeiner   FOTO: Holger Talinski

AUSKLANG Untitled exklusiv für SPEX von Christian Rosa