SPEX N°350: Ja, Panik

SPEX N°350: Ja, Panik

SPEX N°350, die Januar / Februar-Ausgabe 2014, – inklusive der SPEX CD 114 mit zwölf Titeln – ist ab Donnerstag, dem 19. Dezember 2013, im Zeitschriftenhandel erhältlich. Die aktuellen Abo-Prämien finden sich unter spex.de/abo/praemien. Weitere Informationen, Ergänzungen sowie ausgewählte Texte folgen in Kürze auf spex.de.

TITEL: JA, PANIK
Da ist ein neuer Swing in den Tönen
TEXT: Arno Raffeiner  FOTOS: Yves Borgwardt

Umwerfend leicht, shockingly zurückgelehnt, nicht weniger als mitreißend: So muss man sich Musik in einem Land namens Libertatia vorstellen. Auf dem neuen Album von Ja, Panik ist diese Musik zu hören. Sie klingt wie von Freibeutern gespielter Soul, nach Trotz und Neuanfang und einer besseren Welt. Eine der besten deutsch textenden Bands dieser Tage ist in Aufbruchsstimmung, SPEX besuchte sie in ihrem eigenen kleinen Utopia: im Ja-Panik-Probekeller.


FLASHBACK 2013 – der große Jahresrückblick!
inkl. LESERCHARTS & den Listen von Redaktion & Autoren

RE: AW: LIEBE ALLE
TEXT: Thomas Vorreyer
In digitalen Zeiten feierte 2013 ausgerechnet eine nahezu altmodische Kommunikationsform ein Comeback: der offene Brief.

SAITEN UND SO EIN SCHEISS
TEXT: Tobi Müller
Warum es 2013 endlich wieder okay war, gut Gitarre zu spielen. Und warum das nichts mit Rockismus zu tun hat.

DEUTSCHLAND, EINIG HINTERLAND
TEXT: Walter Wacht
Die Landlust urbaner Hipster ist im Pop angekommen, Casper und zahlreiche andere besangen 2013 das Hinterland. Doch woher kommt die Sehnsucht nach der Provinz?

EKELT  EUCH!
TEXT: Tino Hanekamp
Wir wissen alles, aber konsumieren trotzdem weiter. Das ist menschlich. Und widerlich. Gibt es überhaupt einen Ausweg?

ICH WILL MEINE PARANOIA ZURÜCK
TEXT: Arno Raffeiner
Im Jahr von PRISM, Snowden & NSA machte die Popkultur das, was alle machen: weiter wie bisher.

WIE BLANKGELUTSCHTE WILDBACHKIESEL
TEXT: Anja Rützel
Die Faszination des Ryan Gosling geht vor allem von seinen Augen aus.

LOU REED
TEXT: Klaus Walter
Im November starb Lou Reed. Nicht zuletzt war der New Yorker einer der ersten Rockstars, der zu einer heteronormabweichenden Sexualität ermutigte.

DIE RÜCKKEHR DER FLIEGE
TEXT: Diana Weis
Auch modisch demonstriert der urbane Hipster von heute den Rückzug ins Private.

STOP THAT TRAIN, I’M LEAVING
TEXT: Caspar Battegay
Das deutsche Gespenst kommt nicht zur Ruhe: Immer ungehemmter wurden 2013 im öffentlichen Diskurs wieder antijüdische Ressentiments laut. Wirklich eine neue Entwicklung – oder nur der »gute alte« deutsche Alltags-Antisemitismus, der durch die Anonymität im Internet deutlicher sichtbar wird?

SCHAFFT DREI, FÜNF, VIELE GESCHLECHTER!
TEXT: Sonja Eismann
Was bedeutet die neue Gender-Leerstelle?

SIE WOLLEN NICHT NUR SPIELEN
TEXT: Daniel Herbstreit
Russel Brand, Beppe Grillo, Pussy Riot und andere politische Trickster wirbelten die Verhältnisse durcheinander.

DIE ABRAMOVIĆISIERUNG DES POP
TEXT: Dominikus Müller
Was macht die seit über 40 Jahren aktive Grand Dame der Performancekunst so attraktiv für das Celebrity-Segment des Popbetriebs?


POP
KULTUR

ARCADE FIRE: Disco Noir
TEXT: Torsten Groß
Die SPEX-Leser haben entschieden: Reflektor von Arcade Fire ist das Album des Jahres. Die Hintergründe des bislang mutigsten und vielseitigsten Arcade-Fire-Werks erklärten uns die Musiker in Miami. Es ist das weltweit einzige Interview, in dem sämtliche Mitglieder der kanadisch-amerikanischen Band zu Wort kommen.

M.I.A.: »Die Einladung von der Queen wird nicht mehr kommen«
TEXT: Daniel Gerhardt
M.I.A.s dritte Platte // / Y / wurde im Sommer 2010 als kindische Panikmache abgetan, kaum jemand wollte den verschwörungstheoretischen, vernetzungsfeindlichen Ton des Albums für voll nehmen. Inzwischen haben Wikileaks und NSA gute Argumente für mehr Paranoia in allen Lebenslagen geliefert – und Mathangi Arulpragasam musste der Versuchung widerstehen, mit einer »Ich hab’s euch ja gesagt«-Platte zurückzukehren. Eine Reihe von Zufällen führte stattdessen zu Matangi, M.I.A.s bisher geradlinigstem und genügsamstem Album. Im Interview spricht die 38-Jährige über spirituelle Erweckungserlebnisse und fragt sich, wie sie zu Geld kommen konnte, obwohl ihre Songs keine money shots sind.

Vorspiel für HOLGER CZUKAY: »Für mich ist Musik immer noch ein Abenteuer«
TEXT: Joachim Ody   MUSIKAUSWAHL: Joachim Ody & Arno Raffeiner   FOTOS: Albrecht Fuchs
Wenn man von Holger Czukay spricht, denkt man an seine glorreiche Zeit, in der er als Mitglied der Band Can half, einen umwälzenden Schub anzuheizen, die »Rockmusik« aus ihren festen Angeln zu heben, um sie mit experimentellen Zutaten in ungeahnte Dimensionen zu führen. Fast könnte man meinen, Czukay hätte jetzt, da er sich in sein Haus in Weilerswist zurückgezogen hat, endlich Zeit genug, als Ruheständler die Hände in den Schoß zu legen und auf ein erfülltes Leben zu blicken. Aber Holger Czukay erteilt entsprechenden Vermutungen eine deutliche Absage. »Ich bin so aktiv wie niemals zuvor«, lässt er nach gut dreistündigem SPEX-Besuch sämtliche Mutmaßungen über einen weisen, alten Herrn an sich abprallen.

WARPAINT: Die Freakouts fehlen
TEXT: Daniel Gerhardt   FOTOS: Yves Borgwardt
Warpaint sind nicht nur eine sehr gute Psych-Rock-Band, sie sind auch eine interessante. Ihr Aussehen und Stilbewusstsein haben Shoegaze in die Modemagazine gebracht, in ihren Kontakten stehen die Nummern von halb Hollywood. Dreieinhalb Jahre nach dem Debütalbum The Fool folgt nun eine unbetitelte Platte, die Musik und Begleitumstände irgendwie unter einen Hut bekommen muss. Warpaint öffnen sich für den Pop, das komplizierte Album Warpaint will ihn allerdings nicht so recht ins Herz schließen.

LONDON GRAMMAR: »Heute fluchst du einmal im TV, und deine Karriere könnte vorbei sein«
TEXT: Dennis Pohl   FOTO: Christoph Mack

PERFECT PUSSY: Auf ein Bier mit Udo Kier
TEXT: Hendrik Otremba   FOTO: Ben Cleeton

JARINA DE MARCO: Voodoo Child
TEXT: Thomas Vorreyer   FOTO: Eva Tuerbl

JASON GRIER Ständig unentschieden
TEXT: Kristoffer Cornils   FOTO: Louis Vignat

Sontextkritik: MARTERIA »Bengalische Tiger«
TEXT: Sascha Ehlert


KOLUMNEN

TAXI FÜR RÜTZEL Fake Tales of San Francisco
TEXT: Anja Rützel   ILLUSTRATION: Patrick Klose

GOOD MORNING AMERICA Der Klempner in uns – warum »Obamacare« zu scheitern droht
TEXT: Steven Lee Beeber   ILLUSTRATION: Patrick Klose

POFALTE Fettes Brot
TEXT: Holger in't Veld  ILLUSTRATION: Patrick Klose


SPEZIAL: #SPEX 350
Cooles Wissen aus 350 Ausgaben, die Zitate


POP
KULTUR

12 YEARS A SLAVE: Schicksalhaft unentrinnbar
TEXT: Klaus Walter
Während Kanye West die US-Gefängnisindustrie als heutige Form der Sklaverei anprangert, blickt der britische Regisseur Steve McQueen zurück auf das 19. Jahrhundert. Sein in Deutschland Mitte Januar anlaufender Film 12 Years A Slave erzählt die Lebensgeschichte eines in die Südstaaten entführten und dort versklavten Musikers als quälende Abfolge von Erniedrigungen, Hieben, Tritten, Schüssen, Lynchmorden, sexuellen Gewalttaten. Peitsche statt feel-good, lebenslängliches Trauma statt Happy End.

Die Filme von MATT PORTERFIELD: Durchlässig für das Leben
TEXT: Esther Buss   ILLUSTRATION: Patrick Klose
Der 1977 in Baltimore, Maryland geborene Matthew Porterfield entwickelt aus genauen, lakonischen Beobachtungen eine besondere Form von poetischem Realismus – und zählt damit zu den interessantesten Autoren der US-Independent-Szene. Anfang Januar kommt sein dritter Film I Used To Be Darker in die deutschen Kinos: ein Schwanken zwischen Absturz und Aufbruch.

Modestrecke: DOPPELGÄNGER
FOTOGRAFIE: Christoph Voy www.christophvoy.com   ASSISTENZ: Carsten Busch, Paul Voy
PRODUKTION & STYLING: Jacqueline Krause-Blouin   ASSISTENZ: Dennis Pohl
MODELS: Dima (M4 Models); Maria & Sofia (VIVA Models)   MAKE-UP: Servullo (Nude Agency using MAC)

Bilder, die die Welt bewegten: BELLE DE JOUR
TEXT: Robert Defcon

FILM-Kritiken
Singapore Sling, A Touch of Sin, Only Lovers Left Alive

KRITIKEN

Album der Ausgabe: ACTRESS Ghettoville

Andreas Dorau, Justine Electra, Laraaji, Drake, Death Grips, Stephen Malkmus & The Jicks, Damien Jurado, Grim104, Jeremiah Jae, Orchester of Spheres, Leverage Models, Mogwai, Young Fathers, Marsen Jules, Selaxon Lutberg, I Break Horses, Heatsick, Kirmes, Von Heimat Kann Man Hier Nicht Sprechen, #100, Black Manual, Run The Jewels, Raz Ohara, Sheila E., Patten

Werke XIV – Willkürlich und anlassfrei zusammengestellt von Diedrich Diederichsen
Trophies, Pas Musique, Mika Vainio, Joachim Nordwall, Carl Michael von Hausswolff, Jsaon Lescallet

Odyshape – Selten gehörte Musik mit Joachim Ody
Adrian Utley's Guitar Orchestra, Ryoji Ikeda, Harold Budd

Gegenwartskunde – Popwelt mit Klaus Walter
John Wizards, Die Goldenen Zitronen, Prefab Sprout, Tack>>Head

Punchzeilen – Rap mit Marcus Staiger
Realz Geizt & Splitdtercrist, Frauenarzt, NMZS

Direct Cuts – Clubmusik mit Holger Klein
A Tribute To Dance Mania, Hardcore Traxx: Dance Mania Records 1986-1997, Neville Watson, O*RS Working Title One, Lake People, DJ Koze, RVDs

SPEX CD 114SPEX CD 114
(Für Cover in Hochauflösung bitte auf Bild klicken!)
ZUSAMMENSTELLUNG: Daniel Gerhardt

1. Ja, Panik »Libertatia«
2. Run The Jewels »Banana Clipper« (feat. Big Boi)
3. Stephen Malkmus & The Jicks »Lariat«
4. Mogwai »Remurdered«
5. I Break Horses »Faith«
6. Justine Electra »This Could Be The Most Beautiful Noise«
7. Perfect Pussy »I«
8. Grim104 »Crystal Meth in Brandenburg«
9. Jason Grier »Helen Of Troy II«
10. Young Fathers »Low«
11. Andreas Dorau 
»Flaschenpfand«
12. Raz Ohara »Little People«


PERSPEKTIVE

 

FUCKING HELL! Die Prostitutionsdebatte 
TEXT: Mithu Melanie Sanyal   FOTOS: Ullstein Bild
Alice Schwarzers fragwürdige, konservative und pauschalisierende Initiative gegen Prostitution hat eine feurige Diskussion um das sogenannte älteste Gewerbe der Welt ausgelöst. Unsere Autorin erkennt die Positionen von Schwarzer und ihrer Allianz als das, was sie sind: bevormundend und sexistisch. Eine Streitschrift.

DIE DEBATTE UM DIE PROSTITU­TION im Spiegel der Medien
#schwarzer #sexwork
Savonarola trommelt für den Endkampf: Polizeiapparat stärken, Freier ächten, Prostitution verbieten. Alice Schwarzer bündelt mit Gothic-Anekdoten von Missbrauch und Schwerstkriminalität Klassendünkel, Verklemmung und diffus fremdenfeindliche Lebensangst aus der deutschen Mitte auf Freier und Sexworker. Doch die wehren sich und finden Unterstützung. Scham, Schamlosigkeit, Entfremdung und PROstitution im Medien-Cut-up geteilt via Robert Defcon.

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RÜCKBLENDE Nick Cave & The Bad Seeds Hamburg, Alsterdorfer Sporthalle
TEXT: Torsten Groß   FOTO: malzkornfoto

AUSKLANG exklusiv für SPEX von Jörg Zemmler