SPEX N°348: Lady Gaga

SPEX N°348: Lady Gaga

SPEX N°348, die Oktober-Ausgabe 2013, – inklusive der SPEX CD 112 mit zwölf Titeln – ist ab Donnerstag, dem 19. September 2013, im Zeitschriftenhandel erhältlich. Die aktuellen Aboprämien finden sich hier. Weitere Informationen, Ergänzungen sowie ausgewählte Texte folgen in Kürze auf spex.de.

TITEL

 

Die DeKUNSTtruktion der LADY GAGA
TEXT: Jacqueline Krause-Blouin   FOTOS: Inez & Vinoodh
In diesen Tagen kehrt Lady Gaga mit einem neuen Album zurück – ARTPOP. Doch was bleibt nach Fleischkleid und Ei-Kostüm, Twitter-Rekorden und Frosch-Überwurf? Natürlich die ultimative Inszenierung als »gewöhnlicher Mensch aus Fleisch und Blut«. Künstlerin statt Maschine, Gaga-unplugged quasi. Im SPEX-gespräch vermittelt der erste queere Megastar indes nicht zuletzt den Eindruck einer vom Starsystem überforderten jungen Frau. Wie viel Autorität steckt hinter all den Masken?

POPKULTUR

DIE GOLDENEN ZITRONEN Des Pudels Kern
INTERVIEW: Stephan Urbach   TEXT: Torsten Groß   FOTOS : Christoph Mack
Was kann man noch erzählen, wenn man denkt, dass alles gesagt wurde, die Sache, um die es geht, aber zu wichtig ist, um nichts mehr zu sagen? Den Goldenen Zitronen einfach mal einen Interviewer zur Seite stellen, der erstens jünger ist, die Band zweitens zwar kennt, aber eben nicht den kompletten Diskurs mitgemacht hat – und sich ihr also unbefangen und frisch nähert. So entstand die Idee, den punksozialisierten Netzaktivisten Stephan Urbach, 32, das Zitronen-Interview zum neuen Album Who’s Bad führen zu lassen. Am Ende sind wir so Zeuge einer Auseinandersetzung der Goldenen Zitronen mit sich selbst geworden.

ANNA CALVI Die Zahnräder von Körper und Seele
TEXT: Johannes von Weizsäcker   FOTOS : Amos Fricke
Anna Calvi erzählt von emotionalen Schlüsselmomenten und wagt es, dies Gitarre spielend und mit brachialromantischer Düsternis zu tun. Das sei doch eigentlich eine Männerdomäne, findet offenbar auch im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts noch so mancher. Mit SPEX sprach sie über Gender-Konstrukte und  TV-Detektive der 70er-Jahre.

DARKSIDE Ein kontinuierlicher Fluß
TEXT: Walter W. Wacht   FOTOS: Yves Borgwardt
Bereits seit einigen Jahren arbeitet Nicolas Jaar gemeinsam mit Dave Harrington an Darkside, nun erscheint mit Psychic endlich ein erstes Album. Projekt darf man Darkside nicht nennen, vielmehr sei das Duo für den längst etablierten Jaar – so sagt er selbst – die eine Band, die andere vor ihren Soloprojekten hätten –und bei ihm sei es eben andersrum. Wir trafen das Duo in Berlin.

VORSPIEL für MASSIVE ATTACK & ADAM CURTIS »Die heutige Kunst will kontrollieren«
TEXT & MUSIKAUSWAHL: Thomas Vorreyer   FOTOS: Mareike Foecking
Der BBC-Dokumentarfilmer Adam Curtis und die TripHop-Band Massive Attack um Robert Del Naja haben für die diesjährige Ruhrtriennale ein gemeinsames Projekt ausgeheckt, das sie selbst als »Kollision« bezeichnen. Die Arbeit verschränkt Filmvorführung mit Livekonzert, Wall Street mit Tschernobyl. Eindrucksvoll zeigen die Briten, wie das Streben nach absoluter Sicherheit alle Bereiche der globalen Gesellschaft erfasst hat und diese langsam erstickt. Beim ähnlich atemlosen Vorspiel wartet Curtis zunächst allerdings mit einer spielerischen Provokation auf.

BILL CALLAHAN »Marvin Gaye ist wie ein Teddybär«
TEXT: Daniel Gerhardt
Um über sein 15. Album Dream River zu sprechen, hat sich Bill Callahan für Skype-Interviews entschieden. An einem Morgen im August kommt es deshalb zu ungewöhnlichen Webcam-Einblicken: Callahan trägt eine Truckermütze auf den frisch gewaschenen, noch nassen Haaren, im texanischen Eigenheim sieht es nach Renovierungsarbeiten aus. Freundlich und doch leicht gequält spricht der 47-Jährige über Maskottchen, Hotelzimmer und das Landschaftsbild seiner Lieder.

JAMES FERRARO Paradiese aus Plastik
TEXT: Thomas Hübener   FOTO: Ye Rin Mok
James Ferraro ist jung und schaut doch bereits auf den umfangreichen Backkatalog eines Rock-Fossils zurück. Mit dem vielbeachteten Konzeptalbum Far Side Virtual vertonte das einstige Mitglied des Noise-Duos The Skaters den klebrigen Plastik-Sound des globalen Kapitalismus. Mit NYC, HELL 3:00 AM legt er nun sein nach eigenem Bekunden erstes richtiges Werk vor. Es ist so meisterlich wie finster.

FOREST SWORDS Aus dem Nichts
TEXT: Daniel Gerhardt   FOTO: Matt Thomas

POSTILJONEN & MUSEUM OF BELLAS ARTES Aus dem Nichts
TEXT: Tim Caspar Boehme

GERARD Flackern auf totem Gebirge
TEXT: Jan Wehn   FOTO: Elsa Okazaki

HELENA HAUFF Roh und primitiv
TEXT: Kristoffer Cornils   FOTO: Tinka & Frank Dietz

Sontextkritik: ERDMÖBEL »Gefäße«
TEXT: Oliver Minck

Kolumne: TAXI FÜR RÜTZEL Playlist der Schmerzen
TEXT: Anja Rützel   ILLUSTRATION: Patrick Klose

Kolumne: POFALTE Kogdis, Steak!
TEXT: Holger in't Veld  ILLUSTRATION: Patrick Klose

POPKULTUR

LIBERACE Ikone der Verlogenheit
TEXT: Barbara Schweizerhof
Er trug den vermutlich längsten, bestimmt den berühmtesten Pelzmantel der Welt. Der US-Pianist Liberace feierte vor einem Massenpublikum seine Flamboyanz, vor Gericht erklärte er, nicht homosexuell zu sein. Steven Soderbergh hat nun die letzten Lebensjahre eines der größten Entertainer des 20. Jahrhunderts verfilmt, mit Michael Douglas in der Hauptrolle und Matt Damon als seinem jungen Liebhaber. Das Biopic läuft Anfang Oktober in den deutschen Kinos an, finanziert hat es der TV-Sender HBO. Denn, wie Soderbergh zu verstehen gab: Hollywood sei das Thema »zu schwul« gewesen.

MICHAEL DOUGLAS »Dieses Lächeln! Dieses makellos sitzende Haar!«
TEXT: Patrick Heidmann
Der US-Schauspieler spricht über Liberaces Philosophie der makellosen Oberfläche, Homosexualität als Karrierebremse in Hollywood sowie über Lipgloss und Pfirsichküsse.

Keine Privatsache: Vorstellungen von QUEERNESS IM FILM
TEXT: Georg Seeßlen
Nicht wissen wollen, was man weiß; nicht erkennen wollen, was man sieht – Queerness stellt sich im Kino seit jeher als Wechselspiel von Kitzel und Verdrängung dar. Wie haben sich diese Bilder in den filmischen Mainstream eingeschrieben, von Charleys Tante über Winnetou bis zu Jack Sparrow? Eine Betrachtung anlässlich von Steven Soderberghs Liberace.

Bilder, die die Welt bewegten: EVA UND DER PRIESTER
TEXT: Robert Defcon

FILM-Kritiken
Room 237, In the Darkroom, Hélio Oiticica, Finsterworld

BRUCE BÉGOUT Schöner wohnen. Im Motel ist die Banalität Nachbarin des Wunderbaren
TEXT: Thomas Hübener   FOTOS: Stephen Shore
Die Abgeschmacktheit billigen Holzimitats und nach Reinigungsmitteln riechender Flure trifft im Motel auf die Möglichkeit der wunderbaren außeralltäglichen Begegnung. Der französische Philosoph und Alltagsarchäologe Bruce Bégout hat einen Essay über diesen vielbesungenen, aber wenig untersuchten Nicht-Ort geschrieben. Der tut, was ein guter Essay soll: von allen Seiten schauen, sich wundern, das Große im Kleinen sichtbar machen und die Stringenz der eigenen Argumentation nicht zum Fetisch erheben.

SVEN REGENER Don’t try this at home
TEXT: Kerstin & Sandra Grether   FOTOS: Yves Borgwardt
Sven Regener hat mal wieder ein Buch geschrieben. Mit Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt begibt er sich abermals in das Universum seiner erfolgreichen Romanfigur Herr Lehmann. Er verlässt indes den ursprünglichen Topos der Geschichte, indem er den Roman in der Technokultur der 90er ansiedelt, vor deren Hintergrund der Lehmann-Protagonist Karl Schmidt seine Psychose zu kurieren versucht – mittels einer irren Tour mit einer Bande von Ravern. Wir trafen Regener in Berlin.

LITERATUR-Kritiken
David Foster Wallace & Mark Costello Signifying Rappers, Berthold Seliger Das Geschäft mit der Musik. Ein Insiderbericht, Helene Hegemann Jage Zwei Tiger, Friedrich von Borries RLF. Das richtige Leben im Falschen

Modegespräch mit ANTONY PRICE: »Das ganze Mode-Business basiert auf Selbstekel«
TEXT: Anne Waak   FOTO: Antony Price
Er definierte den Look von Roxy Music, steckte Duran Duran in pastellfarbene Anzüge und näht heute Kylie Minogue ihre glitzernden Bühnenkostüme. Antony Price gilt als Designer-Legende und als exzellenter Handwerker, und trotzdem ist er weitestgehend vergessen. Price lebt und arbeitet in einem englischen Landhaus, das er sich mit einem Pfau teilt. Als Treffpunkt hat er jedoch die Bar des luxuriösen Churchill Hotel unweit der Londoner Oxford Street ausgesucht. Price – er trägt eine getönte Brille, ein schwarzes selbstgeschneidertes Jackett und eine ebenfalls selbstgeschneiderte lindgrüne Cordhose zu einer roséfarbenen Krawatte und schwarz-weißen Lederschuhen – kommt mit Verspätung, dafür nimmt er sich viel Zeit zu erzählen. Und zu erzählen hat er viel. Er ist ein Meister der Abschweifung, des Selbstlobs und der offenen Worte.

KRITIKEN

Album der Ausgabe: ONEOHTRIX POINT NEVER R Plus Seven

Michaela Melián, Big Sean feat. Kendrick Lamar & Jay Electronica, Marcel Dettmann, Nils Petter Molvær & Moritz von Oswald, Max Loderbauer, Cibelle, Haim, Yoko Ono Plastic Ono Band, Meridian Brothers, Placebo, Janelle Monáe, Poliça, The Weeknd, The Manic Street Preachers, Senking, Metallica, Madonna, Chvrches, Yuck, Kings of Leon, Die Tödliche Doris, Eric Pfeil, Deap Valley, Pins, Agnes Obel, Luke Haines, Thees Uhlmann, Schneider TM, Ebony Bones

Werke XI – Willkürlich und anlassfrei zusammengestellt von Diedrich Diederichsen
Håkon Stene, Matana Roberts, Alex Chilton

Odyshape – Selten gehörte Musik mit Joachim Ody
Land of Kush, Guido Möbius, To Live And Shave In L.A.

Gegenwartskunde – Popwelt mit Klaus Walter
Lana Del Rey, Willis Earl Beal, Angel Haze, Elvis Presley

Punchzeilen – Rap mit Marcus Staiger
Nate57, Eko Fresh, Alligatoah

Direct Cuts – Clubmusik mit Holger Klein
Roland Tings, Special Request, Drei Farben House, Boska, Karizma, 

SPEX CD 112SPEX CD 112
(Für Cover in Hochauflösung bitte auf Bild klicken!)
ZUSAMMENSTELLUNG: Jan Wehn

1. Cibelle »Bassline«
2. Helena Hauff »Micro Manifesto«
3. Gerard »Alles jetzt«
4. James Ferraro »Cheek Bones«
5. Oneohtrix Point Never »Problem Areas«
6. Senking »Murders«
7. Schneider TM »Elefantenhaut«
8. Pins »I Want It All«
9. Erdmöbel »Gefäße«
10. Anna Calvi »Eliza«
11. Agnes Obel »The Curse«
12. Michaela Melián »Jardin Exotique«

PERSPEKTIVE

DIE PUNKS DER WEIMARER REPUBLIK
TEXT: Ulrich Gutmair   FOTOS: Ullstein Bild
Die frühen Jugendgangs mitsamt all ihren Codes, der popkulturellen Bedeutung und entsprechender Romantizismen scheinen vor allem ein Phänomen amerikanischer Großstädte gewesen zu sein. Tatsächlich gab es aber auch bereits im Berlin der 20er- und 30er-Jahre Straßengangs und sogenannte Jugendcliquen, die tendenziell links waren und auf den Straßen von Berlin ein ausschweifendes Leben führten. Mit der Machtergreifung der Nazis schließlich ging die Zeit der Jugendcliquen zu Ende. Ein Porträt einer fast vergessenen Subkultur.

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RÜCKBLENDE Rodriguez beim Music & Arts Festival, Stockholm
TEXT: Torsten Groß   FOTO: Annika Berglund

AUSKLANG: OHNE TITEL, 2013, Aquarell, Tusche, Bleistift auf Büttenpapier, 36 x 48 cm Exklusiv für SPEX von Hendrik Otremba