SPEX N°344: James Blake

SPEX N°344: James Blake

SPEX N°344, die April-Ausgabe 2013, – inklusive der SPEX CD 108 mit zwölf Titeln – ist ab Donnerstag, dem 28. März 2013, im Zeitschriftenhandel erhältlich. Lesen Sie hier das Editorial zur Ausgabe. Die aktuellen Aboprämien finden sich hier. Weitere Informationen, Ergänzungen sowie ausgewählte Texte folgen in Kürze auf spex.de.

TITEL

JAMES BLAKE Ein Summen sagt mehr als 1000 Worte
TEXT: Jan Wehn
FOTOS: Kim Jakobsen To (Assistance by Ray Noir and Valentin Senac)

Er ist einer der spannendsten Popkünstler dieser Tage. Vor gut zwei Jahren stieß James Blake die Tür in die R'n'B-Zukunft zwischen Waberbässen und elektrisiertem Gospel auf. Durch dieselbe Pforte schlüpfte nach ihm eine ganze Armada von Adepten des Blake-Sounds, viele Epigonen, manche aber auch mit eigenen Entwürfen. Blake selbst ist längst einen Schritt weiter. Auf seinem zweiten Album Overgrown treten, neben Songwriting über die Liebe, vor allem wieder organische Sounds in den Vordergrund. Ein Paradigmenwechsel, den auch Acts wie Vondelpark oder Deptford Goth vollziehen. Vorhang auf für den neuen Gospel der englischen Chorknaben!

VONDELPARK Streben nach Re-Naturalisierung
TEXT: Thomas Vorreyer   FOTOS: Kim Jakobsen To

DEPTFORD GOTH Der Understater
TEXT: Tim Caspar Boehme

POPKULTUR

SPEX N°344 PhoenixPHOENIX Der Pfirsich der Erkenntnis ist angeschnitten
TEXT: Sonja Eismann   FOTOS: Christoph Mack
Das Quartett, dem seit einiger Zeit der Platz für die »beste Popband der Welt« vorgewärmt wird, sagt alles ab. Erklärt den Bankrott, verliebt sich in die Mittelmäßigkeit, sagt der »Kultur des Triumphes« den Kampf an und glaubt trotz Post-Future an die Zukunft. Und natürlich funkeln Phoenix genau mit dieser verschlagenen Selbstreflexivität da oben, mittendrin, am Zenit des Pophimmels.

SPEX N°344 Alt-JReportage: ALT-J Die Band, die niemand liebte
TEXT: Anne Waak   FOTOS: Kim Jakobsen To
»Ja, was ist das überhaupt?« Als im Mai 2012 An Awesome Wave erschien, gab man sich in SPEX verwirrt, aber auch leicht euphorisiert und fragte: »Hippie oder hip, Wanderschuh oder Segeltreter?« Das Debütalbum von Alt-J hinterließ große Teile der Presse ratlos. Doch gerade der Anti-Hype um sie scheint die englische Indie-Band zu einer der erfolgreichsten dieser Tage gemacht zu haben. Seit Monaten sind Alt-J von einer ausverkauften Show zur nächsten unterwegs. Ein Zwischenstopp in der kalten Sofaecke eines Konzertimperiums in London.

THE KNIFE Love Me Gender
TEXT: Thomas Hübener   ILLUSTRATION: Patrick Klose
Gemessen an Shaking The Habitual klingen die bisherigen The-Knife-Alben wie fröhliche Popmusik voller Lebensbejahung. Das neue Werk ist ein großer Wurf, düster, sperrig, befremdlich. Gegen die so verstörenden wie visionären Klangentwürfe des Albums wirken die mit Dringlichkeit vorgebrachten politischen Anliegen des Duos fast ein wenig berechenbar.

SPEX N°344 Charles BradleyCHARLES BRADLEY Die gute alte Ungleichzeitigkeit
TEXT: Klaus Walter   FOTOS: Eva Tuerbl
Sie nennen ihn den Screaming Eagle Of Soul: Charles Bradley, geboren 1948 in Gainesville, Florida. Auf dem New Yorker Label Daptone veröffentlicht er mit 65 Jahren sein zweites Album, voller Soul, durchtränkt von musikalischer und persönlicher Historie. Ist das Alte die einzige Möglichkeit, das schlechte Neue zu ertragen? Reflexionen über das Unbehagen an der Natur.

SPEX N°344 DJ KozeDJ KOZE Essen und Lohff und Musik
TEXT: Holger in’t Veld   FOTO: Jonas Lindstroem
Ein neues Soloalbum von Stefan Kozalla, sein erstes seit Kosi Comes Around aus dem Jahr 2005, gab den Anlass für ein Aufeinandertreffen zweier nordischer Lebenskünstler-Egos, unterwegs auf völlig unterschiedlichen Pfaden. Hier folgt nun eine persönliche Auseinandersetzung mit dem Künstler DJ Koze, mit seinem aktuellen Werk Amygdala und natürlich auch: mit dem eigenen Leben.

VAMPIRE WEEKEND »Letztlich gehört alle Musik der Welt«
TEXT: Alexis Waltz FOTO: Kira Bunse
Vampire Weekend waren die New Yorker Popsensation 2008. Die Selbstverständlichkeit und das Momentum ihres Debüts erinnerten an The Strokes oder Belle & Sebastian, die schwebenden Rhythmen an westafrikanische Popmusik, ihr preppy New Wave an die Talking Heads. Es klang wie ein vom Rock’n’Roll bereinigtes Is This It – wie kristallklarer Pop. Mit Contra eroberten Vampire Weekend zwei Jahre später den Mainstream. Das dritte Album ist nun ein Befreiungsschlag von Erwartungen und Projektionen aller Art. Ein Gespräch mit Sänger Ezra Koenig über 30er-Jahre-Produzenten im Sakko, Jay-Z und darüber, wie alles miteinander verbunden ist.

SPEX N°344 VorspielVorspiel für KENDRICK LAMAR: »Das ist vermutlich der beste Flow der Welt«
TEXT & MUSIKAUSWAHL: Jan Wehn   FOTOS: Erik Weiss
Kendrick Lamar ist ein begnadeter Texter. Sein zweites Album Good Kid, m.A.A.d City ist wie ein sich über zwölf Stücke erstreckender Spielfilm, dessen Komplexität schon eine Leistung für sich ist. Ausführend produziert wurde dieses die Jahresendlisten beherrschende Album von niemand geringerem als Dr. Dre, der Dank seiner kaufmännischen Leistungen im Segment der Kopfhörermanufaktor sicher bestens weiß, wie gute Musik anno 2013 bitteschön zu klingen hat. Kendrick Lamar hoffentlich auch.

METAL TRIFFT TECHNO Die Früchte der Angst sind schwarz
TEXT: Remo Bitzi & Samuel Savenberg   FOTOS: Eva Tuerbl (Oneirogen), Jo Metson Scott (The Haxan Cloak)
Schlägt jetzt, im Jahre vier nach der Erfindung von Hypnagogic Pop, die Stunde des hypnagogischen Krachs? Acts wie The Haxan Cloak, Oneirogen oder Prurient begeben sich auf die Suche nach Traumzuständen von neuer, abgründiger Intensität. Ihre Schnittmenge aus Metal, Noise und Techno hat noch keinen Namen, dafür aber eine eindeutige Klangfarbe: Blackest Ever Black.

DAUGHTER Neue Wunden
TEXT: Jacqueline Krause-Blouin   FOTO: Louis Vignat
Schwermütige Melodien, nachdenkliche Texte: In den Liedern von Daughter tun sich Abgründe auf. Dass sie dennoch weit mehr sind als eine Suicide-Folk-Band, beweist das Londoner Trio auf ihrem Debüt If You Leave.

KOOL THING Kaleidoskop der Erinnerung
TEXT: Matea Prgomet   FOTO: Christian Werner
Natürlich erinnert der Bandname sofort an Sonic Youths legendäre Gleichstellungshymne aus dem Jahr 1990. Aber Julie Chance und Jon Dark verarbeiten in ihrer nostalgischen und fragmentarischen Befindlichkeitsmusik mehr als nur ein feministisches Augenzwinkern.

SPEX N°344 The UnderachieversTHE UNDERACHIEVERS Rasta und Restrealität
TEXT: Julian Brimmers   FOTO: Alexander Richter
Die Rapper AK und Dash liefern mit Indigoism einen diffusen Mix aus westlicher Philosophie, ägyptischer Numerologie und Afrofuturismus – und läuten damit den längst überfälligen Paradigmenwechsel im Rapgeschäft der Ostküste ein.

NÜ SENSAE Slacken in Vollzeit
TEXT: Max Link   FOTO: Lindsey Best

Songtextkritik: Iceage »Morals«
TEXT: Daniel Gerhardt

Kolumne: POFALTE – Know your enemy: PT. 1 – WEIZEN
TEXT: Holger in't Veld

Kolumne: DISSIDENTEN – Olymp de Gouges (1748 – 1793)

TEXT: Tino Hanekamp

POPKULTUR

STEPHEN G. RHODES
Farbe als Vehikel zur Verwüstung von Territorien

TEXT: Esther Buss   BILDER: Stephen G. Rhodes, Vacant Portrait – GALILAHI Group, 2011, Oil on canvas, paper
Das Migros Museum für Gegenwartskunst in Zürich zeigt derzeit die erste institutionalisierte Einzelausstellung von Stephen G. Rhodes in Europa. Ausgestattet mit zahlreichen popkulturellen Bezügen, widmet sich Rhodes nicht zuletzt der Aufarbeitung der amerikanischen Geschichte vom Genozid an den Ureinwohnern über Sklaverei bis zur Historie Hollywoods. Allerdings nicht als authentische Wieder­aufbereitung, sondern als frei fabulierte An-­, bisweilen auch Enteignung. Ein Prozess, in dessen Verlauf Rhodes sogar Tote wieder zum Leben erweckt.

SPEX N°344 Inez van LamsweerdeTHE GREAT MISTAKE Scheitern mit Stil – N°5
INEZ VAN LAMSWEERDE

TEXT: Andreas Wesle    FOTOS: Inez van Lamsweerde & Vinoodh Matadin
Inez van Lamsweerde ist eine der einflussreichsten Fotografinnen unserer Zeit. Gemeinsam mit Kreativ-­ und Lebenspartner Vinoodh Matadin gelingen ihr immer wieder moderne Klassiker im Spannungsfeld von digitaler Manipulation und Rekonstruktivismus, Geschlechtern und Hybriden, Kunst und Kommerz – Fehltritte inbegriffen …

SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD DES AUTORS
TEXT: Thomas Hübener
U. D. Bauer schreibt einen Roman, der aus 2.857 Fremdzitaten besteht, während Thomas Meinecke Montagen aus Rezensionen zum eigenen Werk bastelt. Beide demontieren damit auf mehr oder weniger ingeniöse Weise noch einmal den Autor. Aber wie oft kann man Tote eigentlich umbringen?

LITERATUR-Kritiken
Mark Fisher Kapitalistischer Realismus ohne Alternative? Eine Flugschrift, Lisa Kränzler Nachhinein, Inger Maria-Mahlke Rechnung offen, Christoph Narholz Die Politik des Schönen 

SPEX N°344 Bilder auf Bildern auf BildernBILDER AUF BILDERN AUF BILDERN
Über die Kunst, die Kunst in Bewegung zu bringen, zumindest im Kino

TEXT: Georg Seeßlen
Die Kunst und das Kino, das ist, rundheraus gesprochen, eine der schönsten und der furchtbarsten intermedialen Liebesgeschichten der letzten 100 Jahre. Sie küssten und sie schlugen sich, dass es eine wahre Pracht ist. Anlässlich des Kinostarts von Georg Baselitz und Richard Deacon – In Between: eine vorläufige Bilanz zu Kunstfilmen, Künstlerdokus und Künstler­Biopics.

FILM-Kritiken
Paradies: Liebe, Paradies: Glaube, Paradies: Hoffnung Österreich 2012, Regie: Ulrich Seidl

BILDER, DIE DIE WELT BEWEGTEN: THE SEARCHERS
TEXT: Gerhard Midding

SPEX N°344 Issever BahriModegespräch: ISSEVER BAHRI
Cowboy und Prinzessin

TEXT: Anne Waak   FOTOS: Özgür Albayrak
Die Berliner Designerinnen Derya Issever und Cimen Bachri haben mit ihrem Modelabel einen Blitzstart hingelegt: Issever Bahri existiert seit gerade einmal drei Jahren, und gleich mit der ersten Kollektion gewannen sie den Young Designers Award der Modemesse Premium. Heute werden ihre Kollektionen in Paris, Hongkong und Istanbul verkauft. Als Atelier dient den Anfang-30-Jährigen eine Ein-Zimmer-Wohnung in Kreuzberg, vollgestellt mit Arbeitstischen und Kleiderstangen, die Wände tapeziert mit Bildmaterial zur aktuellen Kollektion.

KRITIKEN

Album der Ausgabe: DEAN BLUNT The Redeemer

John Grant, Autre Ne Veut, Dagobert, Klaus Dinger & Japandorf, Junip, Ólafur Arnalds, Lubomyr Melnyk, Jacco Gardner, Bonobo, Yeah Yeah Yeahs, Ghostpoet, Carmen Villain, The Strokes, Wire, David Bowie, !!!, Fela Kuti, Ellen Allien, Prinz Pi, Kurt Vile, Miss Kittin, Crime & The City Solution, Mick Harvey, Lapalux, Depeche Mode, Iron And Wine, Alessi's Ark, Clara Luzia, Justin Timberlake

Werke VIII – Willkürlich und anlassfrei zusammengestellt von Diedrich Diederichsen
Yannis Kyriakides, Mario Lavista, Crosby, Stills, Nash & Young, Ivo Malec

Odyshape – Selten gehörte Musik mit Joachim Ody
Laurie Spiegel, Klaus Schulze, Locust

Gegenwartskunde – Popwelt mit Klaus Walter
Who's That Man – A Tribute To Conny Plank, Deutsche Elektronische Musik 2

Punchzeilen – Rap mit Marcus Staiger
Kollegah & Farid Bang, Monobrother, Crack Ignaz

Direct Cuts – Clubmusik mit Gerd Janson
Acid – Mysterons Invade The Jackin' Zone, James Holden, Velour, The Lifesaver Compilation

SPEX CD 108
ZUSAMMENSTELLUNG: Jan Wehn
1. Deptford Goth »Union«
2. Lapalux »Without You« feat. Kerry Leatham
3. Alt-J »Breezeblocks (Submerse Remix)«
4. Bonobo »Cirrus«
5. DJ Koze »May Plans« feat. Matthew Dear
6. Ghostpoet »Meltdown«
7. Charles Bradley »Strictly Reserved For You«
8. Wire »Love Bends«
9. Prinz Pi »Rost«
10. Miss Kittin »I Don’t Know How To Move«
11. Ólafur Arnalds »Brim«
12. The Knife »Full Of Fire«

PERSPEKTIVE

SPEX N°344 LuandaDAS ERDÖL DES GHETTOS
KUDURO in Luanda, Angola

TEXT: Florian Sievers   FOTOS: Ngoi Salucombo
Keine andere afrikanische Großstadt tanzt zu einer dermaßen originellen urbanen Clubmusik wie Luanda, die Hauptstadt von Angola in Südwestafrika. Kuduro, vor ein paar Jahren auch hierzulande kurz in den Medien, ist überall in der Millionen­metropole – und doch muss man sich lange durch die endlosen Staus der Stadt kämpfen, um ihn zu finden. Eine nächtliche Suche.

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RÜCKBLENDE My Bloody Valentine
Hammersmith Apollo, London
TEXT: Johannes von Weizsäcker   FOTO: Kim Jakobsen To

AUSKLANG: Blasenentzündung Markus Becher