SPEX N°343: Nick Cave

SPEX N°343, die März-Ausgabe 2013, – inklusive der SPEX CD 107 mit zwölf Titeln – ist ab Donnerstag, dem 14. Februar 2013, im Zeitschriftenhandel erhältlich. Lesen Sie hier das Editorial zur Ausgabe. Die aktuellen Aboprämien finden sich hier. Weitere Informationen, Ergänzungen sowie ausgewählte Texte folgen in Kürze auf spex.de.

SPEX N°343: Nick Cave & The Bad Seeds

TITEL

SPEX N°343: Nick CaveNICK CAVE: »Um zu überleben, muss ich meine Schwächen kennen«
TEXT: Max Dax   FOTOS: Nic Shonfeld

Der Bart ist ab und gleich sieht Nick Cave zehn Jahre jünger aus. Federnd wie ein Gummimensch betritt er das altmodische Pub mit knarrenden Dielen, in dem wir uns zum Interview verabredet hatten. Für den Sänger ein kurzer Weg, die Kneipe liegt in Laufnähe seines Hauses in Brighton. Cave, wie immer im Anzug, in weißem Hemd, nimmt die Sonnenbrille von der Nase und begrüßt zwei Frauen mit den Worten: »Hi girls, how are you doing?« Dem Sänger selbst geht es prächtig: Cave raucht nicht mehr, trinkt nicht mehr, ist agil und wach. In der folgenden Stunde reden wir über die Auswirkungen der gestiegenen Recherchemöglichkeiten im Internet auf sein Wirken als Autor, die alten Tage in Westberlin und die Neuausrichtung der Bad Seeds auf dem in diesen Tagen erscheinenden Album Push The Sky Away. Es ist ein diesiger und grauer Tag, in Gesprächspausen weht der Wind das Geschrei der Möwen vom nahen Meer herüber.

 

POPKULTUR

SPEX N°343: Thom YorkeATOMS FOR PEACE: Freispiel für Thom
TEXT: Torsten Groß   ILLUSTRATIONEN: Patrick Klose

Thom Yorke hat eine neue Band: Atoms For Peace, ein All-Star-Ensemble, dem unter anderem Flea von den Red Hot Chili Peppers angehört. Wir trafen den Sänger in London und sprachen mit ihm über das Atoms-For-Peace-Debüt Amok, seine chaotische Arbeitsweise und die besondere Stellung von Radiohead.

Vorspiel für BRYAN FERRY
»Ich höre nur Musik von Leuten, die schon tot sind«

TEXT & MUSIKAUSWAHL: Torsten Groß   FOTOS: Robert Astley-Sparke, Adam Whitehead

Auch nach 40 Jahren immer noch das erste, worauf man achtet: das Outfit. Heute trägt Bryan Ferry dunkelbrauner Cord zu blauem Hemd und – oha! – senfgelben Socken. Natürlich ist die Aufmachung bei diesem Mann viel mehr als nur äußere Hülle oder gar eine Konzession an das Alter, wie er im Interview versichert. Nein, bei Bryan Ferry, dem Ur-Dandy der britischen Popmusik, gingen Musik und Mode stets Hand in Hand. Kürzlich hat er ein etwas eigenwilliges Album mit Jazz-Interpretationen seiner größten Hits eingespielt, für SPEX reflektiert er wichtige Stationen seiner musikalischen Sozialisation.

SPEX N°343: A$AP RockyA$AP ROCKY: Essenz und Eklektik
TEXT: Jan Wehn   FOTO: Phil Knott

Die Entspanntheit der Ostküste, das Raue des New Yorker Rap, die Melodiösität des HipHop aus Houston: Rakim Mayers zitiert so ziemlich jede Spielart des Sprechgesangs. Mit seinem Debüt, Long.Live.A$AP, hat er eine Platte aufgenommen, die selbstbewusster und zukunftsweisender nicht sein könnte.

PALMA VIOLETS: Vom Laptop in die Garage
TEXT:   Hendrik Otremba   FOTO: Mathias Hielscher

England hat mal wieder eine Lieblingsrockband. Die Palma Violets sind natürlich jung, heiß, schnell – und komplett aus der Zeit gefallen. Sie sind nur der Vorbote einer ganzen Armada neuer Gitarrenbands wie den Savages, die sich 2013 einmal mehr dem ewigen Kreislauf folgend an der »Rettung des Rock’n’Roll« versuchen werden. Aber sind sie auch gut?

SPEX N°343: MsMrMS MR: Würfelmusik
TEXT: Jan Wehn   FOTOS: Louis Vignal

Mit wilden Genrezuschreibungen wie Tumblr-Glitch-Pop subsumiert man dieses Post-Identitäts-Puzzle.

FOALS: Die Mauer fällt
TEXT: Max Link   FOTO: Nic Shonfeld

Die vormaligen Indie-Bilderstürmer von der britischen Band Foals streben auf dem dritten Album nach Katharsis. Einer Erlösung, die sie mittels einer musikalischen Öffnung hin zu Pathos und Pop zu erreichen gedenken. Produktionsästhetisch folgen sie damit dem Trend zur immer größeren Geste.

ARBOURETUM: Kasteiung und Kontrollverlust
TEXT: Florian Obkircher   FOTO: Peter Fingleton

Dave Heumann und seine Band Arbouretum sind vieles. Virtuosen, Traditionalisten, Gralshüter. Alles, nur keine Hype-Maschinisten. Das belegt das neue Album Coming Out Of The Fog eindrucksvoll.

AMATORSKI: Die Stille als der schönste Klang
TEXT: Christina Mohr   FOTO: Alex Salinas

NEUSTADT: Alles fließt
TEXT Thomas Vorreyer   FOTO: Albrecht Fuchs

SOHN: Wahlverwandtschaften
TEXT: Davide Bortot   FOTO: Andreas Waldschütz

Songtextkritik: SCHORSCH KAMERUN Ich meine ich weine
TEXT: Arno Raffeiner

Dissidenten: EMMA GOLDMAN
TEXT: Tino Hanekamp   ZEICHNUNG: Patrick Klose

Wie eine Heroine des Widerstands den Vereinigten Staaten von Amerika das Fürchten lehrt, weil sie die Arbeiter bemächtigen, die Frauen befreien und Kapitalismus und Staat abschaffen will, mit Reden, Schriften und ihrem unbezwingbaren Idealismus. eine Anarchistin ohne Angst vor irgendjemandem.

Kolumne: POFALTE mit Käpt'n Bonvodou
TEXT: Holger In't Veld   ILLUSTRATION: Patrick Klose

POPKULTUR

Ermittlungsakte NSU
Ein deutsches Drama in sieben Ungeheuerlichkeiten
TEXT: Tino Hanekamp & Alvaro Piña Otey

Bis Ende März 2013 muss der NSU-Bundesuntersuchungsausschuss seine Arbeit beenden. Dabei haben die ihm zuarbeitenden Landesämter noch nicht einmal einen Bruchteil der Akten gelesen. Es droht die Versandung der Aufarbeitung im tagespolitischen Alltag. SPEX führt die haarsträubendsten sogenannten Pannen auf und beschreibt in sieben Punkten ein System, das nicht nur auf dem rechten Auge blind ist, sondern im Sinne vermeintlicher Aufklärung Verbrechen mit nationalsozialistischem Hintergrund bewusst in Kauf nimmt. Eine subjektiv-wütende Betrachtung.

Katharina König: »Vielleicht fällt denen aber auch einfach nichts Besseres ein«
TEXT: Tino Hanekamp & Alvaro Piña Otey

Katharina König sitzt im Thüringer NSU-Untersuchungsausschuss, wo sie sich mit ihren Kollegen durch LKW-Ladungen von Akten arbeiten muss, die erschreckende Einblicke in die Arbeitsweise des Verfassungsschutzes offenbaren. Über die Jahre hat das V-Mann-System der Behörde mit massivem Einsatz von Steuergeldern offenbar mehr für den Aufbau neonazistischer Strukturen erwirkt als für die Aufklärung von Verbrechen mit rechtsradikalem Hintergrund. Eine wirkliche Alternative ist nicht in Sicht.

THE GREAT MISTAKE
Scheitern mit Stil – N° 4: Markus Miessen

TEXT: Andreas Wesle   FOTOS: Pablo Ferao, Bob Goedewaagen, Heji Shin

Markus Miessen – geboren und aufgewachsen in Bonn – ist Architekt, Raumkulturkritiker und Autor. An der Glasgow School Of Art und der Architectural Association in London studierte er Architektur und Urbanismus. Sein gemeinsam mit Shumon Basar publiziertes Buch Did Someone Say Participate – An Atlas Of Spatial Practice bezeichnete der Independent als eines der zehn besten Architekturbücher überhaupt. Miessen bekleidet eine Professur an der Städelschule in Frankfurt, lehrt an der HEAD Genf sowie an der University Of Southern California in Los Angeles.

SPEX N°343: WestberlinWO SIND WIR HIER EIGENTLICH? Wolfang Müller über das Westberlin der 80er-Jahre
TEXT: An Paenhuysen   FOTOS: Anno Dittmer

In seinem gerade erschienen Buch Subkultur Westberlin 1979 – 1989. Freizeit offeriert Wolfgang Müller einen Schatz aus Anekdoten, offenen Geheimnissen und verborgenen Botschaften aus dem Westberlin der 80er-Jahre. Wir sprachen mit dem Autor.

LITERATUR-Kritiken
Dietmar Dath Pulsarnacht, Ezra Pound Die Cantos, Alexandre Lacroix Kleiner Versuch über das Küssen, John Niven Das Gebot der Rache

SPEX N°343: The MasterTHE MASTER: Das Prinzip der wilden Freiheit und der Ordnung
TEXT: Georg Seeßlen   BILDER: Senator

L. Ron Hubbard ist nur ein Knotenpunkt in einem großen Verweissystem, die Lebensgeschichte des Gründers von Scientology nur ein biografischer Anlass für US-Regisseur Paul Thomas Anderson, einmal mehr eine seiner kolossalen cineastischen Meditationen auf die Menschheit und ihren Wahnsinn anzustoßen. The Master, mit Joaquin Phoenix und Philip Seymour Hoffman als überpräsentem Kontrastpaar in den Hauptrollen, ist ein so mächtiger wie rätselhafter Film. Und nur ein weiteres Element im Gesamtprojekt des Paul Thomas Anderson. Eine Annäherung.

BILDER, DIE DIE WELT BEWEGTEN: Italianamerican
TEXT: Robert Defcon   BILDER: Martin Scorsese Collection, New York

Kochrezepte, Sticheleien, patriarchalische Mythen: Italianamerican bietet 49 kurzweilige Minuten bei Scorseses auf’m Sofa. Die Dokumentation erzählt von der Immigration in die USA und von der Institution Familie – und gilt als persönlicher Lieblingsfilm von Martin Scorsese.

SPEX N°343: Fennesz / MoroderFENNESZ / MORODER: Musik im Film
TEXT: Arno Raffeiner   FOTOS: Elsa Okazaki, Prisca Martaguet

Giorgio Moroder und Christian Fennesz waren beide erfahrene Musiker und Elektronikproduzenten, als sie erstmals für Filme komponierten. Wenn sie von ihren Soundtracks erzählen, sprechen sie allerdings über zwei völlig unterschiedliche Welten.

FILM-Kritiken
No, Zero Dark Thirty

SPEX N°343: David BowieMODEGESPRÄCH: »BOWIE BLEIBT EIN EWIGES RÄTSEL«
TEXT: Anne Waak   FOTO: Kim Jakobsen

Als David Bowie vor einigen Wochen überraschend sein Comeback ankündigte, war Geoffrey Marsh längst bei der Arbeit. Der Kurator bereitete David Bowie Is vor, eine der potenziell erfolgreichsten Ausstellungen, die das Londoner Victoria and Albert Museum je ausgerichtet hat. Die Werkschau widmet sich als erste Museumsschau dem fünf Dekaden umspannenden Wirken eines der einflussreichsten Performer unserer Zeit. Wir sprachen mit Marsh.

UNE MACHINE EXTRAORDINAIRE: Tata Christiane
TEXT: Jacqueline Krause-Blouin   BILDER: Tata Christiane

Das junge Label Tata Christiane lädt zu einer Reise in eine fantastische Welt, bringt mit seinen Kreationen Augen zum Leuchten und lässt Münder offenstehen. Selten wurden die Grenzen zwischen avantgardistischer Mode, Kostüm und Kunst derart raffiniert ausgelotet.

MODESTRECKE: And those who where seen dancing …

KRITIKEN

Album der Ausgabe: DOLDRUMS Lesser Evil

Tocotronic, Guided By Voices, PVT, Change The Beat – The Celluloid Records Story 1979-87, David Bowie (Video), Broadcast, Ducktails, Veronica Falls, The Spaceape, Darwin Deez, Woodkid, New Found Land, Foxygen, Unknown Mortal Orchestra, Lee Gamble, Adam Green & Binki Shapiro, Kate Nash, Indoor Life, Beck (Liederbuch), Diablos Del Ritmo – The Colombian Melting Pot 1960-86, Meridian Brothers, Apparat, Candelilla, Voigt & Voigt, Autechre, Jamie Lidell, Fairhorns, Sandra, Sally Shapiro

Werke VII – Willkürlich und anlassfrei zusammengestellt von Diedrich Diederichsen
P16.D4, Mica Gaugh, Brothers Unconnected

Odyshape – Selten gehörte Musik mit Joachim Ody
Jon Rose, The Alvaret Ensemble, Felix Kubin

Gegenwartskunde – Popwelt mit Klaus Walter
Brenda Ray, Pere Ubu

Punchzeilen – Rap mit Marcus Staiger
Haftbefehl, T.I., Game

Direct Cuts – Clubmusik mit Holger Klein
FaltyDL, DJ Sprinkles, Function, Jorge Velez, Syclops

SPEX CD 107
ZUSAMMENSTELLUNG: Jan Wehn
1. Apparat »A violent Sky«
2. Ducktails »Sedan Magic«
3. Amatorski »Peaceful«
4. Darwin Deez »Free (The Editorial Me)«
5. PVT »Nightfall«
6. New Found Land »Mirror«
7. Candelilla »22«
8. Neustadt »Du und Ich«
9. Arbouretum »World split Open«
10. Indoor Life »Gilmore of the Fillmore«
11. Schorsch Kamerun »Ich meine ich weine«
12. Fennesz »Fa 2012«

PERSPEKTIVE

SPEX N°343: JapanFukushima und die Folgen – zwei Jahre Atompilzkultur
TEXT: Christoph Gurk   BILDER: Takashi Homma

Zum zweiten Jahrestag werden sie wieder gesendet und gedruckt werden: die Bilder vom Erdbeben, dem Tsunami, den havarierten Reaktoren. Abgesehen davon scheint Fukushima in der westlichen Welt indes beinahe wieder vergessen worden zu sein. Wie aber leben die Menschen in Japan mit der Katastrophe und ihren Folgen, wie viel Normalität ist für sie noch möglich – und wie hat Fukushima die Kultur des Landes geprägt? Eine Spurensuche.

*

SPEX PRÄSENTIERT: Monsters Of SPEX, Messer, Donau-Festival, HGich.T, Matmos, Unmenschliche Musik, Factory, Candelilla, The Irrepressibles, Goethe-Institut Brüssel & Meakusma, Leslie Clio, The Strypes

RÜCKBLENDE: Bloß nicht verkrampfen! – CTM.13
TEXT: Thomas Vorreyer   FOTO: CTM / Marco Microbi

AUSKLANG: tillmans/botticelli von Max Frisinger