Spex #329: Design of a Nation – Die Antwoord

Spex #329, die November/Dezember-Ausgabe 2010 inkl. des Spex-Leserpolls 2010 sowie der Spex-CD #93 mit 15 Titeln ist ab Freitag, den 22. Oktober 2010 am Kiosk erhältlich. Weitere Informationen, Ergänzungen sowie ausgewählte Texte aus der neuen Ausgabe folgen in Kürze auf spex.de.


Die Antwoord, fotografiert von Yves Borgwardt

MUSIK:

ANIKA Ein großes Versprechen
Text: Max Dax | Foto: Norman Konrad

TOKIMONSTA Sorgfältig wackelnde Grooves
Text: Tim Caspar Boehme | Foto: Heiko Prigge

DEERHUNTER Hallo, du Schlampe! Wie geht's?
Text: Sebastian Hammelehle | Foto: Michael Lachowski
Er ist der unwahrscheinlichste Star des Indierock, entsprechend tritt er auf: Bradford Cox hat mit seiner Band Deerhunter aus Atlanta, Georgia, gerade das grandiose Album »Halcyon Digest« veröffentlicht. Was früher Noise war, sind nun fragil irrlichternde Gitarrensongs. Von Referenzen wie Shoegaze oder Chillwave will Cox aber nichts wissen. Er allein bestimmt den Sound!

KILLL Ein Maximum an Überwältigung
Text: Dominikus Müller | Foto: Yves Borgwardt
Die Norweger von Killl sind keine Fulltime-Metaller, vielmehr nähern sie sich dem Kuttenträgergenre aus der Perspektive von Konzeptkünstlern. Ihr computerisiertes Noise-Stakkato zelebrieren sie ausschließlich live, denn auf CD lassen sich die dazugehörigen prallen Stroboskopgewitter schlecht abbilden.

VORSPIEL FÜR ANTONY HEGARTY »Die Hälfte des Herzens war ursprünglich schwarz …«
Interview: Max Dax und Oskar Piegsa | Foto: Inez van Lamsweerde
Bekannt wurde er dank seiner überweltlichen, geschlechtslosen Stimme. Für seine melancholischen Songs mit Kammerorchester zeichnete man Antony Hegarty 2005 mit dem Mercury-Preis aus. Zeitgleich mit »Swanlights«, dem neuen Album von Antony And The Johnsons, erscheint nun ein Bildband mit Zeichnungen und Collagen Hegartys. Grund genug, das Format des Vorspiels zu erweitern – und mit dem 39-jährigen Briten, der einst in New York mit experimentellen Drag- Performances Aufsehen erregte, auch über bildende Kunst zu sprechen. Beim Gesprächstermin in einem Hamburger Hotel sind die Straßen am Alsterufer gesperrt. Draußen fährt Staatsbesuch aus Malawi auf, drinnen spricht Hegarty über das Ärgernis männlicher Herrschaft, über Avantgarden in New York und Spuren queerer Subkultur bei The Velvet Underground und Britney Spears.

SPEX-GESPRÄCH: EDWYN COLLINS »Ich höre in der Musik die Wörter, die sie braucht …«
Interview: Max Dax | Frank Johannes
Es wäre um ein Haar schiefgegangen: 2005, fast genau zehn Jahre nach seinem Welthit »A Girl Like You«, erlitt der heute 51-jährige Edwyn Collins in kurzer Folge zwei Schlaganfälle. Sein Sprach- vermögen und seine Motorik sind heute nach wie vor eingeschränkt, »aber Gott sei Dank ist der richtige Arm taub«. Der ›richtige‹ Arm, das ist der rechte, denn mit dem linken greift der Gitarrist aus Edinburgh die Akkorde entschlossen wie ehedem. Sein – im wahrsten Sinne des Wortes – Comeback-Album »Losing Sleep« legt davon Zeugnis ab: Collins, der einst schon mit Orange Juice auf der Suche nach dem perfekten Popsong war, wovon auch das im November erscheinende Orange-Juice-Boxset »Coals to Newcastle« zeugt, hat sich mit »Losing Sleep« grandios zurück ins Rampenlicht gerettet. Beim Interview ebenfalls anwesend: Grace Maxwell, seine Ehefrau.

DIE GROSSEN GESCHICHTEN:

DIE ANTWOORD Lass uns nicht über Apartheid reden
Text: Jan Kedves | Fotos: Yves Borgwardt
Sie geben dem verslumten weißen Südafrikaner weltweit ein Gesicht und verkaufen dem Westen raffiniert seinen eigenen Junk zurück: Die Antwoord aus Kapstadt sind mit ihrem Mix aus Eurodance und Hiphop der signifikanteste Pop-Neuzugang des Jahres. Peaches, Aphex Twin und David Lynch sind Fans. Jan Kedves hat Ninja und Yo-Landi Vi$$er getroffen – und ihr Manager stand daneben.

SPECIAL: DIGITALE EVOLUTION FILM Interviews mit Alexander Kluge, Harmony Korine, Gareth Edwards
Interviews: Philipp Ekardt, Ralf Krämer, Oskar Piegsa, Wibke Wetzker | Illustrationen: Patrick Klose
Die Spex-Reihe »Digitale Evolution« befasste sich bislang vor allem mit Musik und Kunst, diesmal geht es um die Digitalisierung des Kinos – im Gespräch mit DVD-Fan Alexander Kluge, in einer Round-Table-Diskussion zu den Themen Filmvertrieb und illegale Downloadpraxis, sowie in einem Tête-à-tête zwischen »Kids«-Autor Harmony Korine und »Monsters«-Regisseur Gareth Edwards.

MODE:

MODESTRECKE Salon des Créateurs
Produktion & Styling: Alexander Dietl | Fotograf: Daniel Sommer | Foto-Assistenz: Dominic Brighton | Illustration und Art-Direction: Johannes König | Hair & Make-Up: Sandra Kern | Ressortleitung Mode: Jörg Sauer
Im Dunkeln ist gut funkeln: Das Glitzern der aktuellen Mode lockt Nebel, Schönheit und allerlei Gekreuch.

MODE-INTERVIEW: M/M (Paris) »… deswegen ist es am Besten, das Bild im richtigen Augenblick einzufrieren.«
Interview: Jan Kedves | Porträt Mathias Augustyniak und Ausstellungsfotos: Kirsten Bucher
In der Welt der Art Directoren gelten sie als Stars, ihre Kampagnen für Balenciaga, Jil Sander und Yohji Yamamoto sind legendär. Anlässlich der Modefotografie-Ausstellung »Not in Fashion« im Frankfurter MMK, in der sie ein Best-of ihrer Arbeit zeigen, sprechen M/M (Paris) über das Unbewusste von Fotografien, den Sex von Björk und die Logos von Chanel und Yves Saint Laurent.

NEUE MODEMAGAZINE: THE GENTLEWOMAN / VESTOJ / INDUSTRIE / TEXTE ZUR KUNST Unter Aufbietung aller theoretischer Geschosse
Text: Katrin Kruse
Über Mode schreiben, das wollen heute viele, vor allem Heerscharen von Bloggern. Verspricht im Vergleich Print noch immer Tiefgang? Drei halbjährlich erscheinende neue Modeperiodika – »Vestoj«, »The Gentlewoman« und »Industrie« – versuchen Abstand zum Objekt zu gewinnen und Mode als Untersuchungsgegenstand ernst zu nehmen. Auch die Sommerausgabe von »Texte zur Kunst« widmete sich Couture und Silhouetten. Katrin Kruse hat die Magazine durchgeblättert.

KUNST:

JOSEPH KOSUTH So etwas wie ein freier Raum
Interview: Max Dax | Porträt Joseph Kosuth: Luci Lux
Wenn in Stuttgart21 die Abrissbirnen wirken, leuchtet ein Satz neonhell zwischen den Trümmern: »…daß diese Furcht zu irren schon der Irrtum selbst ist.« Diese Installation erinnert daran, dass der 1945 geborene Joseph Kosuth seit den Sechzigern zu den wichtigsten Vertretern der Concept Art zählt. 1969 bean- spruchte Kosuth mit seinem fundamentalen Aufsatz »Art After Philosophy« die Deutungshoheit für die neue Kunstrichtung, 1971 etikettierte er seine eigene Kunst erstmals als ›postmodern‹. Ein Gespräch über Räume, Aneignungen und Entbergungen.

»THE ENCYCLOPEDIA OF FICTIONAL ARTISTS« Magischer Austausch zwischen Bild und Leben
Text: Thomas Hübener
Wenn Dichter über Kunst schreiben, denken sie sich die entsprechenden Künstler aus – und deren Kunst gleich mit dazu. Die »Enzyklopädie fiktiver Künstler« versammelt Künstlerfiguren aus Roma- nen und Erzählungen. Ursprünglich im Jahr 2000 herausgegeben von Koen Brams, dem Leiter der Jan van Eyck Akademie für Kunst, Design und Theorie, erscheint das Nachschlagewerk nun samt Ergänzung auf Englisch – und zeigt, wie fiktive Künstler den realen als Vorbild dienen.

LITERATUR:

RAFAEL HORZON Der Flaneur von der Torstraße
Text: Wiebke Porombka | Fotos: Norman Konrad
Rafael Horzon hat mit dem »weißen Buch« in der Reihe Suhr- kamp Nova einen Coup gelandet: Seine Geschichte der neunziger Jahre in Berlin-Mitte ist getarnt als amüsante Autobiografie eines Unternehmers, der seine Vita streng nach literarischen Vorbildern entwirft und doch behauptet, er habe ein Sachbuch geschrieben. Dass also zum Beispiel die Steaks im Grill Royal nur so fantastisch schmecken, weil er dort die Lüftungsanlage gebaut haben soll: Ist dies möglicherweise schon Zeichen des dehnbaren Realitätsbegriffs in Horzons ›Neuer Wirklichkeit‹? Wiebke Porombka ist mit dem Autor spazieren gegangen.

»AX – A COLLECTION OF ALTERNATIVE MANGA« Willkürlich kopierte Textzeilen
Text: Stefan Pannor
Jenseits von Nippon werden unter dem Begriff ›Manga‹ gemeinhin Comics mit großen Kulleraugen, rundlichen Fantasiewesen oder auch naive Pornografie subsumiert. Die Popularität all dessen nimmt seit Mitte der 1990er Jahre auch in Deutschland phänomenale Ausmaße an. Nahezu unbekannt blieb jedoch, dass es zum Manga, also zum universalisierten japanischen Mainstream- Comic, auch eine Gegenbewegung gibt. Über deren Entwicklung berichtet Stefan Pannor anlässlich des erstmals auf Englisch erschienenen Sammelbandes: »AX – A Collection of Alternative Manga«.

FILM:

»CARLOS – DER SCHAKAL« VON OLIVIER ASSAYAS Actionfigur im totalen Wortsinn
Text: Esther Buss | Interview: Tomasso Schultze
Mit »Carlos« treibt Olivier Assayas, der französische Regisseur und ehemalige Autor der Cahiers du cinéma, die Stilisierung des Terroristen als Popstar in neue Dimensionen. Ein gutes halbes Jahr nach ihrer aufsehenerregenden Premiere auf dem Film- festival in Cannes kommt die 18 Millionen Dollar teure Mini-TV- Serie nun gleich in zwei Versionen in die Kinos – die längere dauert fünfeinhalb Stunden. Esther Buss geht in ihrer Kritik der Frage nach, ob das Epos über Illich Ramírez Sánchez alias »Der Schakal« hält, was seine Maße versprechen. Tomasso Schultze hat mit dem Regisseur gesprochen.

»DER KARSKI-BERICHT« VON CLAUDE LANZMANN Wir müssen es fassen können
Text: Klaus Theweleit
Juli 1943: Der polnische Kurier Jan Karski wird in die USA geschickt, um Präsident Roosevelt zu berichten, was er im Warschauer Ghetto und undercover in einem KZ im Osten Polens mit eigenen Augen gesehen hat. 1978: Karski wiederholt seinen Report vor laufender Kamera und wird so zu einem zentralen Zeugen in Claude Lanzmanns Film »Shoah«. Heute, 2010: Während Lanzmanns Autobiografie »Der patagonische Hase« für Aufsehen sorgt, veröffentlicht der französische Regisseur nahezu unbemerkt Interview-Material, das er bisher zurückgehalten hatte. Klaus Theweleit konstatiert: »Der Karski-Bericht« ist elementar.

KOLUMNEN & RUBRIKEN:

These Beats Are Legal (mit Stephan Szillus)

Direct Cuts (mit Gerd Janson)

Odyshape (mit Joachim Ody)

Don’t Cry – Work (mit Gunnar Klack)

Bessere Zeiten klingt gut (mit Max Dax)

TONTRÄGER / POP-BRIEFING:

Platte der Ausgabe: »Trinken Singen Schießen« von Mutter

Musik zur Zeit: Max Dax /// Wibke Wetzker


ANBB: Alva Noto & Blixa Bargeld »Mimikry« /// Baths »Cerulean« /// Big Boi »Sir Lucious Left Foot: The Son of Chico Dusty« /// Christiane Rösinger »Songs of L. and Hate« /// Chromeo »Business Casual« /// Classless Kulla & Istari Lasterfahrer »Wir hatten doch noch was vor« /// Hauschka »Foreign Landscapes« /// Jens Friebe »Abändern« /// The Ghost Of A Saber Tooth Tiger »Acoustic Sessions« /// The Hundreds In The Hands »The Hundreds in the Hands« /// Moebius & Beerbohm »Doublecut« / »Strange Music« /// of Montreal »False Priest« /// Oval »O« /// Patrice »One« /// Sam Prekop »Old Punch Card« /// Laetitia Sadier »The Trip« /// Paul Smith »Margins« /// Mim Suleiman »Tungi« /// Harmonious Thelonious »Talking« /// Turzi »B« /// Bill Wells & Stefan Schneider »Pianotapes« /// Diverse: »F*<k Dance Let’s Art« / »G.I. Disco«

SPECIAL:

ALEXANDER KLUGE & GERHARD RICHTER
Der Autor und der Maler, beide berühmt, beide geboren 1932: Wir drucken sieben Kalendertage aus »Dezember«, dem gemeinsamen Buch von Alexander Kluge und Gerhard Richter, die zu Silvester 2009 im verschneiten Engadin einen gemeinsamen Assoziationsstrom aus Text und Bild verabredeten.

LIVE / SPEX PRÄSENTIERT(E):

»Life is Live #3. Body Language. What’s queer about queer pop?«
Elevate Festival, Elektroakustischer Salon, Mutter, The Pyramids, Tricky, Christy & Emily u.a.
Nachbericht zu Arto Lindsays Auftritt Anfang September in Berlin

SONSTIGES:

Editorial /// Mitarbeiter der Ausgabe (Kirsten Bucher, Lucy Lux, Stefan Pannor, Wiebke Porombka) /// Reaktionen /// Impressum

SPEX VOR 17 JAHREN:

Christoph Gurk beschreibt den Platz von Max Müller (Mutter) in der Welt

BEILAGE:

Spex-CD #93 Spex #329Spex-CD #93 Spex-CD #93 (Cover Pop-Up)
01. Edwyn Collins  – Losing Sleep (Heavenly / Coop / Universal)
02. The Hundreds In The Hands – Last City (Warp / RTD)
03. Turzi feat. Bobby Gillespie – Baltimore (Record Makers / Al!ve)
04. Mutter – Loch (Die Eigene Gesellschaft)
05. Anika – Masters of War (Invada / Cargo)
06. Bill Wells & Stefan Scheider – PNTPS 112 (Karaoke Kalk / Indigo / Morr Music Distribution)
07. TOKiMONSTa feat. Shunaise – Solitary Joy (Listen Up / Art Union / Rush Hour)
08. Shed – 44A (Hard Wax Forever!) (Ostgut Ton / Kompakt)
09. Harmonious Thelonious – Angewandte Muziek (Italic / Kompakt / RTD)
10. Hauschka – Kouseiji (Fatcat / RTD)
11. Paul Smith – Alone, I Would’ve Dropped (Billingham / Coop / Universal)
12. Christiane Rösinger – Ich muss immer an dich denken (Staatsakt / RTD)
13. The Ghost Of A Saber Tooth Tiger – Schroedinger’s Cat (Chimera Music / Indigo)
14. Jens Friebe – Vögel (ZickZack / Indigo)
15. Classless Kulla & Istari Lasterfahrer – Was Vor (Jazz Mix) (Sozialistischer Plattenbau / Flight13)

Spex #329 – Die November/Dezember-Ausgabe ab dem 22. Oktober 2010 am Kiosk.

Die nächste Ausgabe – Spex #330 – erscheint am 17. Dezember 2010.