At Swim Two Birds

Der Albumtitel klingt nach Krimi. Welches Verbrechen? Welcher Tatort? Schon der erste Song führt mitten ins Geschehen: Ins Bett der besten Freundin der Freundin. Der Wodka war schuld, aber das macht es auch nicht mehr rückgängig. Das kleinste Detail wird auf quälende Weise wieder lebendig, vom bösen Erwachen am Morgen danach, »As the sun rose up into the sky / and all i could hear was bird-song / the hackneyed tones of radio one / i knew something was wrong«, denn: Es ist die Falsche, die ihre Fingerspitzen über seinen Rücken wandern lässt. Die Falsche drückt ihm ihre Brüste an den Körper. An der Wand der fremden Wohnung Poster von Bands, die er hasst. Der Geruch von Petunien und entkoffeiniertem Kaffee. Der Wunsch, zurück ins Bett der Freundin zu kriechen. Die Notwendigkeit, ihr alles zu gestehen.
    Mit den siebeneinhalb Minuten von »In Bed With Your Best Friend« ist das Thema jedoch längst nicht vom Tisch. Jene Eröffnung stellt lediglich eine Entwicklungsstufe in dem Zerfallsprozess einer Beziehung dar, die Roger Quigley alias At Swim Two Birds Stück für Stück in klassischer Storytelling-Manier aufarbeitet. Jeder Song eine Kurzgeschichte. Jeder Song ein weiteres Kapitel aus der Beziehungshölle. Am Ende des Albums steht der Anfang: Der Moment, an dem das »Ich« die Figur der »Laura« kennengelernt hat (»I Could Have Sworn She Aimed That Smile At Me«). Ein Konzeptalbum über das Scheitern der großen Liebe also, das der Songwriter aus Manchester, besser bekannt als die eine Hälfte der Montgolfier Brothers, mit seinem Soloprojekt umsetzt.
    Oftmals ist das eine ziemlich makabre Angelegenheit: In den Liedern gibt sich Quigley hemmungslos Gewaltphantasien hin, so etwa wenn er der Ex die Kippe auf der Stirn ausdrückt (»The Smell Of Suntan Oil On Your Skin«) oder wenn er sie sich in »Falling From Trees« unter die Erde wünscht, was mitunter an den Ehekrieg von Filmen wie »Le Chat« oder »Wer hat Angst vor Virginia Wolf?« erinnert. Der Trennungsschmerz ist dann blutigem Zynismus gewichen.
    Die Ruhe der Songs verwundert so kaum. Es ist der lakonische Fatalismus des von der Liebe Enttäuschten, der sich ganz auf sich zurückgezogen hat: Außer der omnipräsenten Akustikgitarre braucht es nahezu nichts.
    Anders als die verflossene Beziehung hat der Künstler eine zweite Chance erhalten. Die zehn Stücke stammen größtenteils von Quigleys 1998 erschienenem Debüt »1969 Till God Knows When…«, das seinerzeit floppte. Green Ufos bot Quigley dennoch an, das Album neu aufzulegen. Der entschied sich zwar für die alten Stücke, allerdings auch dafür ebendiese komplett neu aufzunehmen.
    Erschreckend, wie klar die Erinnerung an diese Zeit auch heute noch scheint.

LABEL: Green Ufos

VERTRIEB: Hausmusik

VÖ: 30.03.2007

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