Ascii Disko Alias

Ich erinnere mich noch gut an diesen Tag im Sommer 2002. Der Stand eines kleinen Plattenladens auf dem Gelände eines ebenfalls kleinen Festivals nahe Trier. Beim Stöbern blätterte ich über »No. 1«, das krachige Debüt der Hamburger Tigerbeat. Und ich kann mich noch gut daran erinnern, wie schnell ich diese Platte in mein kleines Herz aufnahm. Ich erinnere mich noch gut an diesen Popkomm-Tag im Sommer 2003. Ich erinnere mich daran, dass ich bei »Aldi Markt« und »Photos« extrem lachen und tanzen musste. Und ich erinnere mich daran, dass ich einige Tage später mit großen Kopfhörern auf den Ohren wie ein Gehetzter die Menschenmengen der »Breiten Straße« in Köln durchmaß, nur um mit dem Beat in »Strassen« Schritt halten zu können.
    Und während ich mich an diese Momente erinnere, fällt mir auf, dass genau diese Erlebnisse bei »Alias«, dem neuen Ascii Disko-Album, fehlen – oder zumindest andere sind.
    Daniel Holc, der bürgerliche Name hinter Ascii Disko und gleichzeitig Tigerbeat-Kollaborateur, strahlt auf »Alias« nicht mehr ganz so funky-düster-hell wie beim letzten Mal. Da ist zwar noch diese Selbstironie, die kühle Distanz, allerdings nicht mehr so unmittelbar wie auf »Ascii Disko«. Da schrubbt der Beat gewohnt dröhnend-gerade durch »Hey«, »Black Metal« und »Alias«. Und außerdem findet sich auch immer noch dieses zwingende Gefühl, alleine mit dem Vorschlaghammer unterwegs zu sein. Das Strobo-Gewitter flackert immer wieder auf, um den Kopf zum Wackeln zu bringen. Allerdings nicht mehr als das runde Rad, als das ich Ascii Disko lieben gelernt habe.
    Vielleicht ist es mit »Alias« das Gleiche wie mit »13 Songs«, das ich Tigerbeat erst einmal über lange Zeit abringen musste, bis es sich in mein Gedächtnis brannte. Und vielleicht sollte man das Ganze lieber wieder live erleben. Da, wo die Menschen echt sind.

LABEL: Ladomat 2000

VERTRIEB: Intergroove

VÖ: 07.04.2006

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