Art Brut Bang Bang Rock & Roll

Zitatterror Anfang: »Formed a band / We formed a band / Look at us / We formed a band / Honey pie, I don't know when it started / Just stop buying your albums from the supermarkets / They only sell things that have charted / And Art Brut? / Well we've only just started / And yes, this is my singing voice / It's not irony / And it's not rock and roll / I'm just talking / To the kids«.

    Während sich Hinz und Kunz allüberall derzeit auf den neuen »heißen Scheiß« aus England stürzen und so all die Bloc Partys, Kaiser Chiefs und Maximo Parks abfeiern, bleiben Bands wie The Others oder die Futureheads dann doch leider scheinbar weitestgehend in der Gunst des anglophilen Rezipienten zurück. Art Brut sind eine der Bands, bei der eine solche Missachtung einem Verbrechen gleichkommen würde. Seit Wochen/Monaten ob diverser Singles hoch gehandelt, liegt mit »Bang Bang Rock & Roll« ein dermaßen selbstreferenzielles, sich dem (britischen Punk-)Rock dieser Tage hingebendes Album vor, dass es eine wahre Freude ist. Die eingangs zitierten Zeilen aus dem Opener »Formed A Band« (bereits als vielumjubelte Single 2004 veröffentlicht) veranschaulichen dies nachdrücklich. Schon lange war kein Album mehr so frech, frisch und unterhaltsam, kein Text so lustig und so sehr Erste Person wie hier.

    Art Brut sind ruppig, ungeschliffen, biedern sich nie einem Gitarren-Pop-Sound Of The Day an, sondern wüten sich durch ihre Songs, wie ein wüster Haufen rüpelhafter Gutmenschen das eben so macht. Mit viel TV Personalities, The Fall, Buzzcocks und Wire im Rücken rockt es sich immer gut. Sie wollen es dreckig und direkt – und so beschwert sich Sänger Eddie Argos auch ganz wunderbar in/bei »My Little Brother«: »He no longer listens to A-sides, he made me a tape of Bootlegs and B-sides / And every song, every single song on that tape said exactly the same thing / Why don't our parents worry about us?«. Ich kann es ihm nicht sagen. Gut nur, wenn man nicht weiß, was man tut, aber warum man etwas macht: » Haven't read the NME in so long, don't know what genre we belong«, heißt es in »Bad Weekend«. Und überhaupt ist Englands Weekly-Instanz bei aller Lobhudelei einigermaßen verwirrt: »I can't decide whether Art Brut are clever people pretending to be stupid who aren't as smart as they think they are or stupid people pretending to be clever who are brighter than they realise.«

    Und ja, der Albumtitel ist ein Jonathan Richman-Zitat (aus »The Cappuccino Bar«). Ein mehr als offensichtlicher Einfluss auf Argos, der auch sonst nicht gerade kleine Brötchen backt. »I want to be the boy / The man / Who writes the song / That makes Israel and Palestine / Get along«. Nur das Beste. Für sein Vorhaben und die Band sowieso. Bei Mitgliedern, die Namen wie Freddy Feedback und Chris Chinchilla tragen, sollte da eigentlich nichts schief gehen. Hoffentlich. Zitatterror Ende.

LABEL: Fierce Panda

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 11.07.2005

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