Ariel Pink’s Haunted Graffiti Mature Themes

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4AD / Beggars / Indigo — 17.08.2012

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Die Jahre, in denen sich Ariel Pink in seinem Zimmer in Los Angeles verbarrikadierte, wie ein Besessener Magnetstreifen zerschredderte und wieder aneinander klebte, sämtliche Werbe- und Serienlandschaften nach passendem Gedudel durchkämmte, um die so aufgespürten Sounds mit einer Palette selbst erzeugter Geräusche (gerne auch mit Hilfe seiner Achselhöhle) zu ergänzen, waren bekanntlich 2010 zu Ende. Auf Before Today, Pinks erstem Album, das den Zusatz »in Studioqualität« verdiente und mit Unterstützung seiner Live-Band Haunted Graffiti entstanden war, hörte man erstmals, was passieren kann, wenn die schier unendliche Masse an verschrobenem Material gefiltert und in eine geschlossene, kohärente Form gelenkt wird. Im Jahr von Chillwave öffnete sich somit auch für Liebhaber nostalgisch verwaschener Synthies erstmals der Zugang zu Ariel Pinks verspultem Universum an Weirdo-Pop-Perlen.

   Mature Themes treibt nun des Widerspenstigen Domestizierung auf die nächsthöhere Ebene. Wurde ihm bei Before Today noch vorgeworfen, er wolle sich an seine alten Referenzen nur bedingt erinnern, scheint es jetzt, als könne Pink seine kalifornischen Einflüsse in viel zielgerichteterem Songwriting zu neuer Blüte bringen. Die leiernden Orgeln im Opener »Kinski Assassin« etwa erwecken luzide Erinnerungen an die reich schillernden Leitmelodien der Doors, »Only In My Dreams« nährt sich von satter, aber leichtfüßiger Beach-Boys-Romantik, »Baby« hingegen, die erste Single des Albums, ist eine Coverversion einer längst vergessenen und jüngst wieder ausgegrabenen Bedroom-Soul-Rarität von Donnie & Joe Emerson.

   Allen Einflüssen ist eines gemeinsam: Der Sound von Mature Themes ist völlig reingewaschen vom früheren Lo-Fi-Schmutz, das unerreichbar Verstiegene und das unter Rauschen Verschüttete ist klaren Strukturen gewichen, die sich nicht selten in kruden, aber fulminanten Popmomenten auflösen.

   Wenn es noch etwas gibt, das für eine ausgleichende Portion weirdness sorgt, dann sind das die Liedtexte. Ob nun der G-Punkt zum »Best-Punkt« deklariert wird (»Is This The Best Spot?«), die lesbische Nymphomanin ihre Triebe sowohl in der Disko als auch in der Bibliothek auslebt oder man dem Schnitzel gleich einen ganzen Boogie widmet – Pink hält hier eisern fest am Prädikat der Skurrilität. Kein Wunder also, dass sich der imaginäre Mörder des ebenfalls als extrem exzentrisch verfemten Klaus Kinski dazu berufen fühlt, in »Kinski Assassin« niemand Geringeren als Pink selbst zu erschießen. »Who sank my battle ship? I sank my battle ship!«

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The Guardian stream auf seiner Onlineausgabe Mature Themes in voller Länge. SPEX präsentiert währenddessen die kommende Tour im November – die Termine samt Gästelistenplätzeverlosung finden sich hier.

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