Ariel Pink „Dedicated To Bobby Jameson“ / Review

Pink ist ein fast schon unwirkliches Galerieklischee: Ween, Damon Albarn, Rufus Wainwright, Sufjan Stevens, E von den Eels, MGMT? Pink ist der schrägere Kauz.

Es beginnt wie ein studentisch-engagiertes Frühwerk von Jeff Lynne, einem der Hauptprotagonisten der synthetischen Verschlammung der Achtziger. Danach wechselt Ariel Marcus Rosenberg, Ex-Kunststudent und Ex-Ashramjünger, ungefähr 15 Mal das Fach – wenn wir von einem großen Plattenladen ausgehen. Und es war gewiss ein gut sortierter Laden, in dem Ariel gearbeitet hat. Ist aber auch schon ein paar Tage her: Seit 2003 ist der Ex-Musikhändler assoziiertes Mitglied von Animal Collective, seit 2009 veröffentlicht er auf 4AD. Sprich: Jeder, der sich für bezugsreiche Lo-Fi-Kleinkunst interessiert, hat Pink längst auf dem Schirm.

Als Jugendlicher der Achtziger, der mit The Cure aufwachsen musste, spüre ich das dringende Verlangen, „get a life!“ zu schreien.

Dieses 11. Album hat er nun einem seiner Wegbereiter gewidmet: Bobby Jameson hatte ein paar halbe Hits und ein Geheimtipp-Album in den Sechzigern, versank dann jahrzehntelang in Alkohol, Obdachlosigkeit und Knast, hinterließ aber ein paar Jahre vor seinem Tod 2015 noch eine Autobiografie. Und wird nun von seinem Bruder im Geiste Method-Acting-mäßig mit einem Konzeptalbum gewürdigt. Als Jugendlicher der Achtziger, der mit The Cure aufwachsen musste, spüre ich das dringende Verlangen, get a life! zu schreien.

Doch Ariel will es so, dieses diggin in the crates zwischen psychedelischen Westcoast-Harmonien und dunkel schimmerndem Spät-Wave. „Santas in the Closet“ kommt Pinks ewigem Helden Robert Smith am nächsten, aber auch Bowie, dem man in dieser Geschichtsstunde ständig schattenhaft begegnet. Zu einem eindeutigen Popmoment verhelfen Pink aber beide nicht. Immer und immer wieder umkreist man Pop im Sinne von Kadenz, Harmonie und Auflösung – wie die zitierte Kunststudentenwelt aus No Wave, Krautrock und Steely Dan. Pink ist ein fast schon unwirkliches Galerieklischee: Ween, Damon Albarn, Rufus Wainwright, Sufjan Stevens, E von den Eels, MGMT? Pink ist der schrägere Kauz. Lebenssituationen, in denen das genau richtig kommt? Gibt es: 1. Man hat auf dem Weg zu einer kunstgeschichtlichen Tagung in Ulan Bator den Anschlussflug in Baku verpasst und erlebt übernächtigt den Sonnenaufgang. 2. Die Zeugen Jehovas standen gerade vor der Tür und sangen ein achtstimmiges Marilyn-Manson-Medley. 3. Man muss beim Mikroskopieren von Fruchtfliegen niesen, und alle Fliegen sagen „Gesundheit“.

Ich persönlich führe ein eher langweiliges Leben und kann mit diesem Album daher wenig anfangen. Schade eigentlich.

 

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