Arctic Monkeys Favourite Worst Nightmare

Mehr Rock, weniger Hardcore. Mehr Post-Punk, weniger Ska. Für die Leadgitarre haben die Arctic Monkeys auf ihrem zweiten Album einen Surf-Hall-Sound entdeckt, mit dem fast jedes Stück klingt, als sei es von den Surfaris und ihrem legendären Surf-Hit aus dem Jahre 1962, »Wipe Out«, inspiriert. Der andere Soundgriff gehört der Stimme: Da liegt konstant ein Blechverzerrer drauf, wie weiland bei Julian Casablancas, dem Sänger der Strokes. Mit »Only Ones Who Know« trauen sich die jungen Männer aus Sheffield eine echte, sehr hübsche Ballade. Auch die Moll-Tonarten sind ihnen nicht mehr fremd. Ansonsten wird auf Erkennbarkeit gesetzt: Die erste Single »Brianstorm« klingt wie ein Bastard aus »Dancing Shoes« und »When The Sun Goes Down«, und trotzdem eigenständig genug, um als Hit durchzugehen. Im Berliner Konzert Anfang März wirkte der Song live jedenfalls sofort, als einziges der neuen Stücke.
    Das Appetithäppchen, das die Arctic Monkeys hier spielten, kostete den Konzertgänger schlappe 27 Euro. Es war ihr dritter Auftritt in Berlin. Der erste fand im November 2005 im kleinen, ausverkauften Mudd Club statt: Das Publikum bestand nahezu ausschließlich aus Engländern, für die es günstiger und bequemer kam, mit einer Billigfluglinie nach Berlin zu jetten und sich dort eine Karte zu besorgen, als sich zu Hause um die raren Karten zu bemühen. Ein halbes Jahr später füllten die Arctic Monkeys mitsamt neuem Bassisten schon eine vielfach größere Halle, und die Nationenwertung des Publikums war ausgeglichen (es war gerade Fußball-WM). Mittlerweile also der Postbahnhof, der Flughafen unter den Konzerthallen der Haupstadt, mit langen Schlangen vor den Garderoben und einer unglaublichen Anzahl von Werbezettelverteilern. Die Band spielte ein begeisterndes Konzert und die Hits der ersten Platte. Fast schüchtern probierten sie einige neue Stücke und den neuen Sound, bevor sie mit einer schlingernden Version von »A Certain Romance« ihr Set ohne Zugabe beendeten.

    Es ist nicht einfach, mehr über die neue Platte zu sagen. Produzierte gerade der Hype um die noch unveröffentlichten, aber im Netz erhältlichen Stücke den Run aufs Debütalbum, hatte man sich nun entschieden, alles bis zum Veröffentlichungstermin möglichst unter Verschluss zu halten. Keine MP3s im Netz, angeblich ganze vier Rezensionsexemplare für die Journalisten in Deutschland – wir hatten nur einmal die Möglichkeit, auf einem schrottigen Discman in die Platte reinzuhören. In Erinnerung bleiben: ein durchgehendes metallisches Scheppern, die gewohnt sprachgewandten Texte, die diesmal den Fokus auf Geschichten von außerhalb legen, weniger auf eigenes Erleben. Brian, ein Mensch der im Backstageraum störte, Teddy Picker, das Paar aus »Only Ones Who Know«, dazu Anspielungen auf »See You Later Alligator« von Bill Haley und »Save A Prayer« von Duran Duran. Das Album scheint ein gelungener Nachwurf mit gleichzeitiger musikalischer Erweiterung zu sein.

LABEL: Domino Recording Co

VERTRIEB: RTD

VÖ: 27.04.2007

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