Applaus – Kleine Typenkunde

StagedivingDass wir da aber auch nicht selbst gekommen sind! Auf tagesspiegel.de ist eine Geschichte des Applauses erschienen. Frederik Hanssen, einer der Musikredakteure des Tagessspiegel, reisst darin Beifallarten, Kuriosa, legendäre Schlachten zwischen Apllaudierenden und Buhrufenden ab. Soweit, so sommerlochmäßig. Doch gerade weil der Text sich mit etwas befasst, das außerhalb der Tagesordnung der Feuiiletons liegt, läßt er sich auch für die Beobachtungen dieses Festivalsommers nützlich machen. Natürlich spielt auch in der Geschichtsschreibung der Musik seit Rock’n’Roll der Beifall immer wieder einmal eine Rolle, doch gerade über Wohlgefallen und Missgunst des Pop-Publikums wird immer bloß erschreckend sensationalistisch berichtet. Bill Haley und die kaputten Stühle, Jesus And Mary Chains blitzböses Publikum nach 15-Minuten-Set.

Hier nun eine kleine Typenkunde. So geht es weit über den bloßen Gegensatz zwischen super und scheiße hinaus:
-der Auf-zwei-Fingern-Pfeifer trägt immer schwarze Hosen;
-der »Ausziehen!«-Rufer hat immer eine Bierfahne;
-die demonstrative Nichtklatscherin schaut immer gleich böse, um die Anderen auch noch dafür zu bestrafen, dass sie selbst einen solchen Schmarrn mögen;
-die 19-jährige Schlagzeugunterrichtnehmerin trommelt immer ganz laut und exakt und im Takt;
-die Französin liebt es, Worte zu wiederholen, in denen immer möglichst viele »i« und »e« vorkommen;
-wer noch in die ersten Takte eines Stücks möglichst laut herein brüllt, singt meistens nicht, spielt aber immer Bass in einer zwar mittelmäßigen, in der regionalen Szene aber total beliebten Band;
-wer Stagedivern bereitwillig den Arm hinhält, studiert immer Jura.

Oder so ähnlich.

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