Neues Teil im globalen Bassmusik-Puzzle

anti-g-kentjesz-beatsz-cover    Mike Paradinas gehörte in den Neunziger Jahren unter seinem Künstlernamen μ-Ziq neben Aphex Twin und Autechre zu den bekanntesten Vertretern der experimentellen britischen Rave-Szene, die auch unter dem fürchterlichen Genre-Namen Intelligent Dance Music (IDM) zusammengefasst wurde. Seit der Jahrtausendwende hat er sich vor allem als Chef des Plattenlabels Planet Mu hervorgetan und dabei immer wieder die Rolle eines Archivars und Ethnografen regionaler elektronischer Musikszenen eingenommen. Er brachte Sampler mit unveröffentlichten Stücken fast vergessener Jungle- und UK-Hardcore-Helden wie Remarc und Bizzy B heraus, nahm als einer der ersten Labelchefs Dubstep- und Grime-Künstler unter Vertrag und machte im vergangenen Jahr mit dem Sampler Bangs & Works Vol. 1 sowie Alben von DJ Nate, DJ Roc und DJ Spinn die Chicagoer Ghetto-House-Variante Juke in Europa bekannt. Nun hat sich Paradinas eine neue Mission auf die Fahne geschrieben und versucht mit dem Album Kentje'sz Beatsz des 18-jährigen Produzenten Anti-G die niederländische Untergrundszene BUBBLING der Obskurität zu entreissen.

    Der Legende zufolge, die der Blogger Dave Quam in der Presseinformation zu Kentje'sz Beatsz nacherzählt, ist Bubbling in den späten Achtziger Jahren in Den Haag entstanden. Auf einer Reggae-Party habe ein DJ namens Moortje aus Versehen eine Dancehall-Maxi zu schnell abgespielt. Aus dem Zufallsfehler enstand in der Folge ein Stilmittel: Niederländische DJs spielten importierte jamaikanische Singles auf halber oder doppelter Geschwindigkeit und machten somit aus Dancehall-Reggae ihr eigenes Genre. Bubbling spielte, so schreibt Quam, lange Zeit nur in der Community der Einwanderer aus Surinam und den Niederländischen Antillen eine Rolle, bis vor einigen Jahren ein kleine Gruppe von Produzenten begann, Dancehall- und Reggaeton-Rhythmen mit House- und Techno-Elementen zu mischen. Heraus kam Bubbling House – eine größtenteils instrumentale Tanzmusik, die polyrhythmische Beats, tiefe Bässe und hektische Synthesizer-Melodien besitzt. Im Fall von Anti-G klingt der Stil roh, unpoliert und zeitweise ziemlich düster. Nicht von ungefähr erinnert die Ästhetik an britische Stilen wie UK Funky oder Grime, die als Amalgam ganz ähnlicher Einflüsse entstanden sind. Dass mit dieser Veröffentlichung dem globalen Bassmusik-Puzzle ein neues, faszinierendes Teilchen hinzugefügt wird, ist Mike Paradinas und Planet Mu hoch anzurechnen.

Anti-GKentje'sz Beatsz | LABEL: Planet Mu | VERTRIEB: Groove Attack | : 06.06.11


STREAM: ANTI-G – A Hype Up System

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