Anthony Child »Electronic Recordings From Maui Jungle Vol. 1« / Review

Man muss bereit dafür sein, anderthalb Stunden mit sacht variiert singenden Drones und verhaltenen Arpeggios zuzubringen, vereinzelte Geräusche aus dem Dschungel inklusive. Das ist nicht als Kritik gemeint.

Die Lakonie der Synthesizer – so ließe sich der Ansatz zusammenfassen, mit dem der Brite Anthony Child seinen Einstand bei der Elektronik-Nobeladresse Editions Mego begeht. In erster Linie ist der Name Anthony Child mit seinem Alias Surgeon verknüpft, unter dem er seit den Neunzigerjahren struppigen Techno produziert. Ambient-Strukturen sind für ihn dabei keine Neuigkeit: Beatfrei erleben konnte man ihn in der Vergangenheit etwa auf seinem Album The Space Between People And Things von 2013, doch während er vor zwei Jahren überwiegend abstrakt-sperrige Gebilde hervorbrachte, lässt er sich diesmal ganz auf die Schwingungskraft der Oszillatoren ein.

Analoge Synthesizer feiern seit einiger Zeit ein Comeback, insbesondere modulare Systeme werden, trotz ihrer klobigen Kastenbauweise und komplizierten Bedienung, immer beliebter. Man könnte bei den Electronic Recordings From Maui Jungle Vol. 1, die Child im Januar und Februar 2015 in Haiku-Pauwela mit einem solchen Modularsynthesizer aufgenommen hat, mit ein wenig bösem Willen an esoterische Meditationsmusik denken. Der Grat zwischen diesseitiger Versenkung in den Klang als Feier körperlicher Elektrizität und waberndem Transzendentalkitsch ist manchmal sehr schmal. Bei Child gibt es allerdings wenig Grund, ihm ästhetische Fehlgriffe vorzuhalten. Man muss einfach bereit dafür sein, anderthalb Stunden mit sacht variiert singenden Drones und verhaltenen Arpeggios zuzubringen, vereinzelte Geräusche aus dem Dschungel inklusive. Das ist nicht als Kritik gemeint, sondern als Rezeptionsvoraussetzung, die einem entweder ein im besten Sinne heftig vibrierendes Erlebnis bescheren oder, bei knapper bemessenem Geduldsfaden, einen guten Grund zum baldigen Abschalten liefern kann. Selbst wenn die Musik keinesfalls anstrengend ist, eignet sie sich kaum zum Nebenher-laufen-Lassen. Wenig kann in diesem Fall ziemlich viel sein.

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