Anna Calvi: »Diese Industrie bleibt lächerlich.«

Anna Calvi in Berlin

Anna Calvi in Berlin   FOTO: Amos Fricke

»Ich tue einfach immer, was sich natürlich anfühlt.«, sagt Anna Calvi im Interview mit SPEX. Mit dem Song »Suddenly« gibt es jetzt einen weiteren Stream aus ihrem neuen Album. Diese Woche ist sie zudem live in Deutschland zu sehen.

Auf die teilweise sehr irritierenden Reaktionen, die ihre Konzerte zuvor ausgelöst haben, reagierte sie ihrererseits gegenüber Johannes von Weizsäcker: »Mir ist bisher noch nicht aufgefallen, dass jemand spezifisch Kommentare darüber gemacht hat, wie kontrolliert ich auf der Bühne bin. Aber ich bemerke bei den Menschen auf jeden Fall dieses Gefühl der Schockiertheit, dass eine Frau es wagt, sich da hinzustellen und Gitarre zu spielen! Dass dies überhaupt von Interesse ist, zeigt, wie lächerlich diese Industrie nach wie vor ist.«

Die Möglichkeit zum eigenen Spiel mit diesen veralteten Klischees verneint Calvi. Und auch für die genderpolitische Ansätze will sie sich nicht einspannen lassen, zumindest stören die Begrifflichkeiten: »Ich finde diese Gender-Terminologie dumm. Was auch immer Gender genau ist, es ist definitiv sehr viel flüssiger, verschwommener als die Gesellschaft, in der wir leben, es erlaubt. Was nach wie vor äußerst negative Konsequenzen hat für Männer und Frauen. Die Klischees vom Mann, der keine Gefühle zeigen darf, und von der Frau, die immer niedlich und perfekt aussehen muss, existieren auch heute noch.«

Die Britin hat deshalb selbst die Initiative ergriffen und sucht auch auf ihrem nächste Woche erscheinenden, zweiten Album One Breath die Auseinandersetzung. »Ich befasse mich tatsächlich auch in meiner Musik damit. Auf dem ersten Album gibt es ein Stück namens ›I’ll Be Your Man‹ und auf dem neuen gibt es ›Tristan‹, das von einer weiblichen Heldenfigur handelt, einem weiblichen Held. Ich mag das Wort ›Heldin‹ nicht.« Einen männlichen Helden erwähnt sie dann aber auch: »Ich finde es toll, was Walker macht. In 20 Jahren werde ich so etwas auch machen.«

Das gesamte Interview findet sich aktuell in SPEX N°348 am Kiosk. Anna Calvi hatte zuvor bereits die beiden Stücke »Sing To Me« und »Eliza« aus One Breath veröffentlicht.

Anna Calvi live
28.09. Hamburg – Reeperbahn Festival
29.09. Berlin – Heimathafen bereits ausverkauft

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