Animal Collective „Tangerine Reef“ / Review

Nach Yo La Tengo nun also auch von Animal Collective Kontemplativ dahintreibende Blubbermusik, zu der sich gut bunt leuchtendes Unterwassergetier anschauen lässt. Dankbarer Effekt: Das Konzeptalbum schraubt die hippieske, nervtötende Aufgedrehtheit dieser Band auf ein ertragbares, angenehmes Level herunter.

Es ist schwierig mit Animal Collective. Kaum eine Band kreiert auf vergleichbar hohem künstlerischen Niveau vergleichbar nervötende Musik. Und ist mit diesem Schwurbel-Psych-Weird-Pop-Rock, kurz: Hippiescheiß, dann auch noch vergleichbar erfolgreich. Sei’s drum: Nette Leute sind Avey Tare, Deakin und Geologist trotzdem. Und so haben sie sich, Deakin als studierter Umweltpolitologe und Geologist als passionierter Taucher sowieso schon voll im Thema, zum Internationalen Jahr des Riffs 2018 etwas Besonderes überlegt. Zusammen mit dem Musiker-, Biologen- und Korallenfilmerduo Coral Morphologic wollen sie dem bedrohten Korallenriff in Form eines Unterwassermusikfilms die nötige popkulturelle Aufmerksamkeit schenken.

Kaum eine Band kreiert auf vergleichbar hohem künstlerischen Niveau vergleichbar nervtötende Musik.

Nun sind Animal Collective nicht die erste Band, die sich an die Idee des Unterwassermusikfilms wagt. Vor 17 Jahren schon vertonten Yo La Tengo live die Unterwasserdokumentationen von Jean Painlevé, was in das Album The Sounds Of The Sounds Of Science mündete. Der Klang beider Projekte ist, wenig überraschend, ähnlich: Kontemplativ dahintreibende Blubbermusik, zu der sich gut bunt leuchtendes Unterwassergetier anschauen lässt. Das ist aber voll in Ordnung, schließlich kann man nie genug Unterwasser-Konzeptalben haben, die einen darauf hinweisen, dass dort unten ganz faszinierende Lebensformen hausen, die noch dazu durch den fortwährenden Wahnsinn oben bei uns auszusterben drohen. Ist das Zusammenspiel von Bild und Ton dann noch stimmig, kann im Grunde nichts mehr schief gehen, und das ist bei beiden Projekten auch der Fall.

Waren Painlevés Bilder schon faszinierend unwirklich, doch immer klar im Dokumentarischen verhaftet, sticht bei Coral Morphologic klar der künstlerische Anspruch heraus: Durch Ultrazoom und Zeitraffer werden die fremdartigen Lebensformen zu psychedelischen Kunstwerken, die sich perfekt an die Musik von Animal Collective anschmiegen. Oder eben umgekehrt, so genau lässt sich das in diesem Fall nicht sagen. Jedenfalls hat dieses Zusammenspiel einen dankbaren Effekt: Es schraubt nämlich die hippieske, nervtötende Aufgedrehtheit dieser Band auf ein ertragbares, angenehmes Level herunter. Und das ist wirklich viel wert.

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