Animal Collective Centipede Hz

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Stumpf wie Holz rockt das neue Album von Animal Collective los. Ein Kreissägen­-Riff aus Josh Dibbs Gitarre hackt störrisch auf das komplett schiefe Metrum ein, allerdings nur, um den Platz zwischen den Schlägen freizuräumen für ein Quietschen und Fiepen wie von tausend gegrillten Glühwürmchen. Mit diesem Einstieg räumen Deakin, Geologist, Avey Tare und Panda Bear ratzeputz auf mit dem Weirdo-­Loop­-Pop, für den das Album Merriweather Post Pavilion vor drei Jahren so bejubelt wurde. Centipede Hz ist laut, krachig, aggressiv. Es ist Animal Collectives Rockplatte. Genauer: die Platte, die Uralt­-Prog-­Rock und faltig­-schlaffe Psychedelia aus dem Korsett der Virtuosität schält, ihnen die verkünstelte Formverliebt­heit austreibt und sie ziemlich offensiv zu neuer »Sei­-einfach­-du­-selbst!«­-Souveränität ermutigt. Also zu Schamlosigkeit, frei fließenden Bewegungen, wild ins Kraut schießenden Wucherungen diverser Seelenzustände, Schwabbeln, Kreischen.

   Dieser Selbsterfahrungstrip der Musik führte auch die vier Bandmitglieder zurück zu den Ursprüngen. Nachdem das vorhergehende Album von Noah Lennox (Panda Bear), Dave Portner (Avey Tare) und Brian Weitz nur zu dritt einge­spielt wurde, war die Truppe nun mit Josh Dibb wieder vollzählig. Man nahm sich Zeit, kehrte aus den über die USA und Südeuropa verstreuten Wohnorten zurück in die gemeinsame Heimatstadt Baltimore, Maryland, und arbeitete dort mehrere Monate lang an neuem Material. Die Band empfand die Rückkehr dabei eher als Aufbruch. »Unsere Jahre in Baltimore waren Prä­-Animal-­Collective, das war eine Entdeckungsphase. Es gab aus psycholo­gischer Sicht keinen Grund, dorthin zurückzukehren«, sagt Dibb, und Noah Lennox ergänzt: »Wenn überhaupt, fühlte es sich an wie ein Neuanfang.«

   Dieser Text ist ein Ausschnitt aus dem Artikel Wuchern, Schwabbeln, Kreischen, der sich in der aktuellen SPEX N°340 findet. Nachfolgend das gesamte, am Freitag bei Domino erscheinende Album im Stream sowie die Tourtermine.

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Animal Collective live
18.11. Weissenhäuser Strand — Rolling Stone Weekender
19.11. Berlin — Astra

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