Angel Olsen in Hamburg

Angel Olsen   FOTO: Daniel Feistenauer
FOTOS: Daniel Feistenauer

Angel Olsen war letzte Woche unterwegs auf Tour. Beim Konzert in Hamburg entwickelt sich nach anfänglichen Schwierigkeiten ein emotional vielfältiger, reflektierter Abend. Eine Rückblende.

You’ll get what she wants to give. Und wie Angel Olsen schon einmal in einem ihrer Interviews sagte, gibt es gute Tage und schlechte Tage. Beim Konzert im kleinen Donner Hamburg brauchen sowohl die Menschen vor, als auch auf der Bühne erst einmal eine Warmlaufphase.

Die Musiker werden vom gut gefüllten Club mit Schweigen und vereinzeltem Klatschen begrüßt. Irgendwie war der Moment nicht da, denn die Band kam ebenso ungezwungen wie unauffällig auf die Bühne geschlendert. Der Gitarrist haucht ein sarkastisches »Yeay…« in die Stille und schaut noch mal auf sein Stimmgerät. Ein Fotograf nutzt auf penetrante Art und Weise die Bühne als Objektivablage und grapscht mit seiner Kamera förmlich nach dem noch sehr phlegmatischen Geschehen. Ganz respektlos scheint er sich für wichtiger als den Act selbst zu halten, während er Olsen für irgendein Stadtmagazin aus 30 Zentimeter Entfernung in seine Linse saugt.

Das Konzert beginnt schleppend, mit dünnen Gitarren, einem pappigen Schlagzeug und knorzigem Bass. Der Gesang auf dem Monitor ist zu leise, die Band mager gemischt und die Gesichter sind lang. Ob’s wohl der hauseigene Mischer ist? Ein klassischer Aufreger beim Touren.

Angel Olsens Stimme klingt theatralisch und die abrupten Tonwechsel in ihrem Gesang sind ein Stilmittel, das man mögen muss. Country-Freunde kommen in jedem Fall auf ihre Kosten. Aber nachdem ihre zweimalige Bitte nach einem lauteren Monitor erhört wird, zeigt sich das erstaunliche Spektrum ihrer Stimme. Auch das klassische Setup von Rhythmus-, Lead-, Bassgitarre und Schlagzeug holt mit minimalistischen Mitteln auf. Die simple Folk-Harmonik und der ungeschliffen rohe Sound unterstützen jetzt Olsens stimmliche Klangspielereien, mit denen sie mühelos zwischen unterschiedlichsten emotionalen Zuständen wechselt.

Ein Satz wie »You lift me up just to bury me under« klingt wie eine unspektakuläre und doch glaubhafte Prophezeiung, mit deren Erfüllung sich Olsen schon abgefunden hat. Das Spiel, der Sound, das Bier auf den Verstärkern und der Zigarettenrauch in der Luft sind Bestandteile einer etablierten Folk-Kultur, zu der man beispielsweise auch Bands wie Wye Oak rechnen kann. Musikalischer Dilettantismus und künstlerische Vision. Wie Dave Grohl den Anspruch einer genuinen Form musikalischen Ausdrucks treffend beschrieb: »Musicians should go to a yard sale and buy an old fucking drum set and get in their garage and just suck. And get their friends to come in and they’ll suck, too. And then they’ll fucking start playing and they’ll have the best time they’ve ever had in their lives and then all of a sudden they’ll become Nirvana.«

Angel Olsen ist selbstverständlich nicht Nirvana. Aber ihre Texte, die Art und Weise, mit der sie erlebte Gedanken und Gefühle beschreibt, sind intuitiv wohl platziert und zeugen von der Dringlichkeit ihrer Aufgabe, ihrer Relevanz in den Augen und Ohren vieler Menschen. Sie setzt sich mit ihrem reduzierten, nicht dilettantischen Schaffen sehr bewusst auseinander – und das ist spürbar. Nur muss sie nicht, getrieben vom Wunsch der Majors nach dem perfekten Maschinenmenschen-Performer, das Publikum bespaßen.

So sind die Lieder, die sie allein mit ihrer Gitarre vorträgt, zweifelsohne die stärksten Momente des Konzerts. Angel Olsen zeigt, wie sie sich fühlt. Und manchmal, aber nur manchmal, sind gesungene Worte stark genug um eine müde Performance in einen Ohrenschmaus zu verwandeln.

Angel Olsen   FOTO: Daniel Feistenauer