A Mountain Of One

Atmosphäre als Essenz: Die Londoner Band A Mountain Of One zettelte mit mystisch verspiegelten Covern, limitierten Editionen und instrumentalen Schwelgereien zwischen Progressive- und Discomythologie einen hübschen kleinen Hype an. Nun gibt es ihr erstes Album zu kaufen – es spricht die Sprache der Musikfreaks.

A Mountain Of One
A Mountain Of One: Besonders im Rock-Idiom macht die Musik Feinde zu Verbündeten.
(Foto: © Alice Rosenbaum / SPEX)

Gibt es Meisterbands? Erklärt geheimnisvoller Glanz Londons spannendste Gruppe seit Jahren? – Nicht ganz, denn im Verführerischen der Mysterien liegt stets Gefahr. Wie schnell landet großes Spektakel in der Grabbelkiste unerfüllter Versprechungen! Vor allem, wenn man allein aus seiner Präsenz in den Plattenregalen besteht. Doch waren im Herbst 2006 sofort alle fünfhundert Exemplare des 12”-Vinyldebüts der bis dato völlig unbekannten A Mountain Of One verkauft.

    Bald schon priesen Szeneläden weltweit die Zweitpressung im silbrig verspiegelten Cover – doch wer die Band war, wusste keiner. Nur, dass ihr Glanz, der als quecksilbrige Klangsubstanz von schwülstigem Progressive-Glam zu Italo Disco und zurück huscht, das Club-, Indie- und Pop-Publikum gleichermaßen anzieht. Ein zweites, nun golden umhülltes Werk (wieder mit umkreistem Dreieck-Signet und filigran geschwungener Typografie) sowie die 12” »Brown Piano« erscheinen. All das zusammen offeriert jetzt das analogisch »Collected Works« betitelte Album.

VIDEO: A Mountain Of One – Brown Piano
(Regie: Ben Cobb)

    Nicht nur, dass es die Suche nach Vergriffenem erübrigt: Mit der CD stellt sich etwas in den Weg, wird als Ganzheit erkennbar. Und schwupps schleicht sich der Duktus des Mystikers in den Text! – ›Ganzheit‹, das wäre zunächst einmal Mo Morris, der als DJ im Londoner Electric Stew zu Beginn des Jahrzehnts an der Rückkehr des auch mal rockenden Song/Tracks sowie der eklektischen Ausformung seines Sets bastelte und sich nebenher als Produzent verdingte. An seiner Seite: Zeben Jameson, Studio- und Tourmusiker für Tricky bis Pretenders. Gründungsmitglied Nummer drei, Leo Elstob, zählt seit Kurzem nicht mehr zum ›writing team‹, wie Morris den Nukleus dessen nennt, was sehr wohl als ›Band‹ verstanden sein will. Doch sind A Mountain Of One eher eine Kernband, gleich den späten Steely Dan oder Cowboy, sich nach Belieben mit Gästen verstärkend. Dem stilistischen Schwelgen kommt diese Art des Arbeitens zugute, dessen Manifestation mutige Versatilität und elegantes Können fordert. Besonders im Rock-Idiom macht die Musik Feinde zu Verbündeten, die strengen, semiakustischen Gitarrenakkorde von »Ride« scheinen dem späteren Pink Floyd-Repertoire entnommen, »dabei hörte ich mehr Arthur Lee und Love, als ich das Stück schrieb. Ich denke, das britische Element kommt, da es uns im Blut liegt«, kommentiert Morris jene Assoziationen. Bei anderem ist die Zuordnung klarer: Die hymnischen Minimal-Harmonien in »Our Eyes« schöpfen von Brüssels legendärem Ensemble Soft Verdict. Morris’ Musik spricht die Sprache des Musikfreaks: »Ich liebe den Sinn fürs Detail im Progressive oder den Soul der Westcoast Psychedelia, das ist es«. Was in einem Stück wichtig sei? – »Die Atmosphäre!«

    Tatsächlich ist Atmosphäre die Essenz der Mythologie von A Mountain Of One. Inmitten von all dem klugen, weil transparenten Pomp schaffen sie eine riskant ausbalancierte Konzeption aus stilverliebt ausgestalteten Artefakten, gleich den Figuren in den surrealen Western Alejandro Jodorowskys, welche die Band auf Konzerten projiziert. Was mag Morris an Jodorowsky? – »Die Außerweltlichkeit.« – Ein Lob des Unbestimmten, solang es an uns in dieser klaren Schönheit zerrt und zieht.

»Collected Works« von A Mountain Of One ist soeben erschienen (10 Worlds / PIAS / RTD).

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