Amen Dunes „Freedom“ / Review

Freedom braucht Zeit, die Stücke haben mehr Groove und Dichte, die Züge fahren schneller.

Love war der Weg: 2014 erschien das vierte Album von Amen Dunes und zeigte nach spontanen, experimentellen Vorgängern erstmals, zu welch eingängigen Stücken der Mann, der eigentlich Damon McGahon heißt, fähig ist. Ich will nicht verheimlichen, dass ich Love als vollkommen empfand und – obwohl ich ein neues Album des New Yorker Künstlers dementsprechend heiß ersehnte – den Nachfolger ein wenig fürchtete. Schließlich stellt sich die Post-Meisterwerk-Frage: Was soll da noch kommen? Mit einiger Aufregung höre ich seit über einer Woche ausschließlich Freedom, für das sich McGahon drei Jahre Zeit genommen hat. Die Aufnahmen waren ein schwieriger Prozess, der sich von Lissabon bis ins Electric Lady Studio nach NYC zog. Und obwohl dieses Album ganz anders erscheint als die noch fragileren Stücke auf Love, erlaubt es ein ähnlich intensives Abtauchen.

Prominente treffen auf Vergessene, Antihelden auf Erfindungen.

Freedom braucht Zeit, die Stücke haben mehr Groove und Dichte, die Züge fahren schneller. Springt man auf, offenbaren sie sich ohne Ausnahme als große Musik. McGahon hat die Songs über bekannte und unbekannte Gesichter der Vergangenheit geschrieben, Prominente treffen auf Vergessene, Antihelden auf Erfindungen. Sie alle werden erzählt von jener merkwürdigen, intensiven Stimme, die oft nicht verständlich ist, aber immer ein Anliegen hat. Dabei liebäugelt Freedom sogar mit Neunzigerjahre-Radio-Pop, was nicht zuletzt hintergründige Synth-Flächen zeigen, die die zehn Songs warm einbetten. Die Faustregel, dass jeder neue Tonträger von McGohan etwas völlig Neues bringt, bestätigt sich also: Der einst verdrogte Lo-Fi des Trailer-Park-Jungen hält sich in seiner gegenwärtigen Inkarnation eher bei Jeff Buckley auf. Das macht McGahons fünfte Platte genau zu dem, was ich erhofft hatte: neuer Musik von Amen Dunes.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here