Am Kamin mit Yo La Tengo (3/3)

Ihre etwa zwölf Studioalben, diverse Best Ofs und obskure Cover-CDs ergänzten Yo La Tengo im letzten Jahr mit der nur über ihre Homepage erhältlichen Kompilation »They Shoot, We Score«. Sie bildet nicht nur das filmmusikalische Schaffen der umtriebigen Drei ab, sie ist auch die einzige Möglichkeit, Perlen aus den Scores der Independent-Filme »Game 6« und »Old Joy« legal auf CD zu bekommen. Doch auch die Gastauftritte der Band aus Hoboken stehen für ihre Affinität zum Medium Film – von ihrer unvergessen Darstellung von The Velvet Underground im Valerie-Solanas-Biopic »I shot Andy Warhol« bis hin zu einer kleinen Szene in einer sehr populären TV-Serie. Der dritte Teil des Kamin-Gesprächs mit Yo La Tengo dreht sich außerdem um ihre Heimat Hoboken sowie deren andere berühmte Kinder, Alfred Kinsey und Frank Sinatra.

Wie man auch auf YouTube sehen kann, habt Ihr in der TV-Serie »Gilmore Girls« einmal eine total reduzierte Straßenmusiker-Variante von »The Story of Yo La Tengo« gespielt, das komplette Gegenteil von der psychedelischen, komplexen Art, wie Ihr diesen Song aufgenommen habt und auch Live spielt. Durchleben alle Eure Songs solch ein embryonales Stadium, von dem aus sie sich weiter entwickeln?
    Hubley: Es ist normalerweise eher andersrum: Wir arbeiten uns von den großen Versionen zur kleinen, bescheidenen Form vor.
    Kaplan: Ich vermute, dass alle unseren Songs eine komplett andere Version ihrer selbst in sich tragen. Aber wir probieren sie nicht immer aus.
    McNew: Es gab Ende der 90er, Anfang 2000 eine ganze Szene, in der man sich immer wieder traf, Songs neu interpretierte und anderen gab, die sie auf ihre Weise spielten. Ich vermisse das. Ich wünschte, das würde wieder in Mode kommen.

Da Ihr einmal als Velvet Underground vor der Kamera gestanden habt – von wem würdet Ihr gerne gespielt werden?
    McNew: Definitiv von Steven Seagal. Seine ersten drei Filme »Marked for Death«, »Out for Justice« und …, den dritten habe ich vergessen, sie wurden aber alle in derselben Gegend in Brooklyn – in Bay Ridge – gedreht. Ganz ehrlich, ich liebe diese Filme. Sie haben etwas Billiges und Trashiges, aber für mich funktionieren sie sehr gut.
    Kaplan: In einem großen Actionfilm wird doch in mindestens einer Szene von Nicolas Cage oder Steven Seagal auf einen unscheinbaren Typen mit Brille geschnitten, der auf einen Monitor starrt und nur sagt: »Das sieht nicht gut aus …« Die mag ich am liebsten.
    (Gelächter. Hubley schweigt lächelnd.)  
 
Noch einmal zu Eurer neuen Platte »Popular Songs«. Ich habe ich mich einmal mehr gefragt, ob das Typische an Euch weniger Eure stilistische Vielfalt ist, sondern der Gesang.
    Kaplan: Könnte sein. Wir kommen immer wieder auf die sechziger Jahre zurück. Da haben die Rolling Stones zum Beispiel auch auf sehr unterschiedliche Weise Musik gemacht. Die Stimme von Mick Jagger war ihre Konstante.
 
Aber anders als Mick Jagger, seid Ihr zu dritt. Egal wer gerade singt, es gibt bei Euch immer eine signifikante Tonfarbe in den Stimmen, die einerseits eher sanft, fast zärtlich klingt, andererseits eher neutral ist, nicht theatralisch, nicht R&B.
    Kaplan: (lacht) Ich habe keinen Grund, zu kritisieren, wie andere Leute singen. Wir singen einfach so, wie wir denken, dass wir es am besten können.

Ihr lebt in Hoboken, New Jersey, Von dort kommen auch so interessante Persönlichkeiten, wie Alfred Kinsey
    Kaplan: Wer?

Kinsey, der berühmte Sexualforscher …
    McNew: Wirklich? Der kommt aus Hoboken?
    Kaplan: Das ist cool. Allerdings kommt er in meiner Jukebox nicht wirklich vor. (lacht)

… und Frank Sinatra. Was sagt einem das über Hoboken?
    Kaplan: Ich weiß nicht. Es gibt eine Geschichte vom letzten Besuch Frank Sinatras in seiner Heimatstadt. Das war in den 80ern, er wurde zusammen mit Ronald Reagan angekündigt. Die ganze Stadt war voll mit Leuten vom Secret Service. Auf den Dächern standen Scharfschützen. Dann fuhren ein paar abgedunkelte Limousinen vorbei. Das war’s. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob er überhaupt ausgestiegen ist. Ich glaube, als junge Mann gab es für Sinatra nichts wichtigeres, als so schnell wie möglich Hoboken zu verlassen.

Was Sinatra aus Hoboken vertrieb, hat Yo La Tengo zu dem gemacht, was sie sind?
    McNew: Könnte sein. Aber einer der Gründe, warum wir so gerne in Hoboken leben, ist, dass es so nahe bei New York liegt, aber eben nicht New York ist.

Das neue Album »Popular Songs« von YoLaTengo ist heute erschienen (Matador Records / Beggars Group) und kann hier in Gänze als Stream gehört werden. Die beiden vorangegangenen Teile dieses Interviews finden sich hier und hier.


VIDEO: Yo La Tengo – Periodically Double or Triple


VIDEO: The Gilmore Girls – Troubadour Sequences

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