Genau wie bei dieser Jubiläumstour mischen Sie auch in Ihrer Musik verschiedene Genres. Teilen Sie etwa die Meinung, die unter anderem in populären Filmen steckt, dass Jazz nur überleben kann, wenn er moderner und poppiger wird? 
Ich denke, das kommt ganz darauf an, was man mit der Musik erreichen will. Geht es um kommerzielle Erfolge, macht es natürlich Sinn, sich solche Gedanken zu machen. Ich hingegen fühle mich schon erfolgreich, wenn ich Songs schreibe, die mir und anderen etwas bedeuten, auch wenn das keine Millionen sind. Individuell zu bleiben und sich nicht verbiegen zu lassen, erscheint mir als das wichtigste, auch in der Entscheidung, welche Künstler_innen ich unter Vertrag nehme. Sie können sich nicht vorstellen, wie viele Demos ich zugeschickt bekomme, die genau wie GoGo Penguin klingen wollen. So funktioniert das nicht! Man braucht seinen eigenen Sound!

„Bis vor ein paar Jahren hätte man Kamasi Washington wohl einfach als Kendrick Lamars Saxophonspieler wahrgenommen. Jetzt ist er selbst Superstar.“

Gerade solche jungen Bands wie GoGo Penguin erwecken den Eindruck eines Comeback des Jazz. Stimmt das?
Ganz weg war Jazz ja nie, aber derzeit verändert sich tatsächlich einiges, vor allem im Umgang damit. Wegen seiner Beziehung zu Hip-Hop und Elektro nehmen die Leute Jazz zunehmend als ernstzunehmendes Genre und als Kunstform wahr. Wenn etwa der DJ und Produzent Flying Lotus die Songs seiner Tante Alice Coltrane, eine der Jazzikonen überhaupt, sampelt, dann interessiert man sich eben auch für sie. Oder diese ganze Kamasi Washington Sache! Bis vor ein paar Jahren hätte man ihn wohl einfach als Kendrick Lamars Saxophonspieler im Hintergrund wahrgenommen. Jetzt ist er selbst Superstar.

Ihre Musik wird häufig als Spiritueller Jazz beschrieben, doch gebe ich zu, dass das Wort mich oft abschreckt. Wegen seiner Verknüpfung zur Esoterik. Inwiefern klingen denn die Songs überhaupt spirituell
Ich würde sagen, dass damit weniger der Klang als vielmehr der Prozess des Schreibens beschrieben wird. Für mich ist Komponieren eine Flucht aus der Realität. Als ich 14 war, habe ich England verlassen, um in Indien an einer Maharishi Trance and Dance School zu studieren. Seither spielen Buddhismus und Meditation eine große Rolle in meinem Leben, und hinterlassen deshalb natürlich auch Spuren in meiner Musik. So, als würde ich täglich Kokain nehmen.

Tickets zum Jubiläumskonzert von Gondwana Records am 3. November im Berliner Säälchen finden Sie hier