„Als würde ich täglich Kokain nehmen“ – Matthew Halsall im Interview

Matthew Halsall ist ein Pionier. Einer, der im vergangenen Jahrzehnt das Genre des Jazz vom vorgestrigen Staub befreit und ins Heute geführt hat  mit eigenen Kompositionen und indem er anderen mit seinem Label Gondwana Records eine Plattform geschaffen hat. In Manchester, dem Gründungsort und Sitz von Gondwana, befindet sich der 35-Jährige schließlich direkt an der Quelle kreativer Musiker_innen. Einige davon kommen am 3. November ins Berliner Säälchen, wo das britische Label Geburtstag feiert. SPEX sprach mit Halsall, der neben Karriere- und Meditationstipps auch die Erklärung fürs Comeback des Jazz lieferte. 

Eine_r unserer Autor_innen schrieb in einem Beitrag zum zehnjährigen Labeljubiläum, Gondwana klinge wie ein Gott. Bedenkt man, dass es seit seiner Gründung eine eigene Jazzszene anführt, ist der Eindruck vielleicht gar nicht so abwegig?
Achja? (lacht) Ich selbst kann das schlecht beurteilen. Den Namen habe ich vom Möbelladen meiner Mutter übernommen, in dem ich ab und zu aushalf. Ihre Idee war es, Stücke aus aller Welt an einem Ort zusammenzuführen. Wie der Superkontinent Gondwana eben, in dem zwei Platten kollidierten. Der Gedanke gefiel mir sehr!

„Unsere Auftritte werden weniger Konzerte als vielmehr Minifestivals sein.“

Als Sie Gondwana gegründet haben, waren Sie gerade mal in Ihren frühen Zwanzigern. Wie kamen Sie darauf, so früh ein eigenes Label zu gründen?
Das klingt vermutlich ziemlich komisch, aber seit meiner Kindheit bin ich Teil der Geschäftswelt. Angefangen habe ich mit einer eigenen Fahrradwerkstatt. Da war ich gerade mal zwölf. Unabhängig zu sein, war mir eben schon immer wichtig, daher war ich auch Fan von Independentlabels wie Ninja Tune oder Warp Records. Als Jugendlicher nahm ich dann nach und nach die Musikszene um mich herum wahr. Beinah jeden Abend ging ich in die Jazzclubs von Manchester, vor allem in den Matt and Phreds Club, in dem sieben Tage die Woche ganz eigenwillige Musiker_innen spielten. Stundenlang! Da wurde mir klar, die verdienen alle eine internationale Plattform. Und das habe ich mir als neues Businessprojekt vorgenommen.

Wurden Sie so jung überhaupt ernst genommen?
Zunächst haben die Musiker_innen in mir wohl einfach eine Möglichkeit gesehen, sich mit anderen auszutauschen. Aber da Manchester glücklicherweise eine recht kleine Stadt ist, konnte ich schnell ein gutes und professionelles Team aufbauen. Jede_r kennt dort jede_n und alle wollen einander unterstützen. Die internationalen Erfolge ließen daher auch nicht lange auf sich warten. Gondwana war und ist ein Gemeinschaftsprojekt. Ein Manchesterprojekt.

Wieso geben Sie neben Manchester, der Geburtsstätte von Gondwana, noch in anderen Städten Europas und sogar Japans Jubiläumskonzerte?
Der Grundgedanke hinter der Jubiläumstour ist, die Musik von Gondwana vielen zugänglich zu machen, und Metropolen wie London, Berlin oder auch Tokio sind schlicht einfacher zu erreichen als Manchester. Außerdem können wir dort ganz besondere Räume bespielen, die imposanter und größer sind. Unsere Auftritte werden ja weniger Konzerte als vielmehr Minifestivals sein, mit mehreren Floors, auf denen auch Newcomer und DJs eine Plattform kriegen. Täglich wird es zehn Auftritte geben in zehn Städten. Das zumindest war der Plan. Wir arbeiten noch daran, die letzten drei Städte klarzumachen. (lacht)

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