Almut Klotz »Fotzenfenderschweine« / Review

»Liebe wird oft überbewertet«, befanden die Lassie Singers 1996. Der posthum im Verbrecher Verlag erscheinende Text von Almut Klotz thematisiert dennoch vor allem dieses schönste Thema der Welt. Gelästert wird aber auch.

Almut Klotz hätte sich bestimmt sehr amüsiert, als eine große Wochenzeitung befand, dass »man ein Buch nicht so nennen dürfe, egal wer die Autorin ist«. Wahrscheinlich hätte sie aber eher geschimpft. So ein Titel geht gar nicht im braven deutschen Druckgewerbe – was mit Fotzenfenderschweine allerdings tatsächlich gemeint ist, erklärt Reverend Christian Dabeler am Ende des Buches, das er und Almut Klotz’ Sohn Aaron herausgegeben haben. Drei Jahre ist die Lassie-Singers-Mitbegründerin schon tot, und es ist ein Jammer, dass ihr autobiografischer Text posthum erscheint. Dass es also keine Lesungen mit ihr und dem Reverend geben wird, kein »Taylor-Burton-Ding« (Zitat Dabeler) auf der Bühne oder Backstage.

Klotz vertrat ihre unpopulären Ansichten furchtlos und vehement.

Trotzdem oder gerade deswegen ist Fotzenfenderschweine ein großes Geschenk: Fragment zwar, gerade mal hundert Seiten aus Klotz’ Hand, aber dennoch komplett und vollkommen. Fotzenfenderschweine erzählt einerseits die große, jahrelang verhindert gebliebene, anfangs zerstörerische Liebesgeschichte zwischen Klotz und dem Reverend. Andererseits werden sehr unverblümte Urteile über die (Berliner) Indiepop-Boheme präsentiert, der sie selbst angehörte, und über »Menschen an sich« (Zitat Klotz/Dabeler). Ob es um unerzogene Kinder geht, egozentrische Eltern oder Musikerinnen, die ihre Gitarren nicht selbst stimmen – Klotz vertrat ihre unpopulären Ansichten furchtlos und vehement. Verklärende Romantikprosa lag ihr außerdem fern. Dabeler kommt an vielen Stellen nicht besonders gut weg (Trinker, glaubt an Astrologie, macht Rechtschreibfehler), und doch spricht aus jeder Zeile über ihn die pure Liebe. Ein raues, zärtliches Buch, mit klugem Nachwort vom Verleger Sundermeier.

Diese und weitere Literaturkritiken sind in der Printausgabe SPEX N° 370 erschienen. Das Heft ist versandkostenfrei online zu bestellen.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here