Alles Gaga, oder was?

Was passiert denn so neues in Köln? Der Beherrschungsvertrag für die Viva Media AG seitens MTV/Viacom geht am 17. Januar über die Bühne, die Aktionäre dürfen mit hohen finanziellen Ausschüttungen rechnen und fürs Erste ausgesorgt haben, die ersten Sendungen sind bereits eingestampft und das neue Pro …
Was passiert denn so neues in Köln? Der Beherrschungsvertrag für die Viva Media AG seitens MTV/Viacom geht am 17. Januar über die Bühne, die Aktionäre dürfen mit hohen finanziellen Ausschüttungen rechnen und fürs Erste ausgesorgt haben, die ersten Sendungen sind bereits eingestampft und das neue Programmschema kommt. Dazu notieren wir schnell die Notizen der VIVA-Pressestelle in bestem Marketing-Deutsch.

Ab Montag bietet der VIVA-Nachmittag mit "17" »alles, was die Teens ab 17 interessiert: Pop, Kino, Entertainment, Lifestyle, Games, Competitions – vor allem aber: Kommunikation. […] Die VIVA Zuschauer können sich von den "17"-Moderatoren in allen Liebes- und Lebenslagen helfen lassen. "17" ist DAS nachmittägliche Jugend-Show-Magazin für alle ab 17: schnell, spannend und einfach unterhaltsam.«

Auch Sarah Kuttner kommt zurück, die Umschreibung des Sendeformats mit "Personality-Show" wurde beibehalten, die Sendeplätze allerdings auf Mittwoch und Donnerstag zurechtgestutzt. Diesen Mittwoch kann man dort Everybody’s Darling Adam Green, am Donnerstag Tocotronic und Clueso beim Small-Talk bzw. Musizieren beobachten.

Um den Musikvideos etwas weniger Raum zu lassen, startet ab Montag nicht nur die Zweit- (Dritt-/Viert-)Verwertung »einer der erfolgreichsten deutschen Reality-Shows "Big Brother"«, sondern auch so Bonbon-bunte VH1-Einkäufe wie "101 Best Kept Hollywood Secrets", "101 Juiciest Hollywood Hookups", "VH1 All Access" sowie "The Fabulous Life Of…". Daneben gibt es den Handy-Schwerpunkt mit der SMS-Flirt-Show "Loveline" und der Call-In-Show "Liebe, Sex & Video", dem Dr. Sommer-Konzept VIVAs (passender start dazu ist der Valentinstag), bei dem sich »zukünftig alles um die Liebe, das Jugendthema Nummer 1« dreht.

Und um beim Thema Liebe, Sex und Zärtlichkeit zu bleiben: Ab dem 20. Januar startet man in Köln mit "X-Rated", das »endlich alle in Versuchung (führt), die das Ruchlose lieben.« An dieser Stelle müsste man VIVA (oder MTV, oder wer da jetzt das Programm macht) ein schlechtes Gewissen gegenüber dem Zuschauer unterstellen, denn Zeilen wie die folgenden lesen sich doch schwer zynisch, wenn man bedenkt, dass man letztendlich selbst über das eigene Airplay entscheidet:

»Zensiert, zuvor geschnitten und gekürzt – Robbie Williams, Add N To X, Nelly, Rammstein. Sie alle hat es erwischt. Denn wer gründlich provoziert oder zumindest amüsant entgleist, ruft schnell die Sitte auf den Plan, riskiert seinen Sendeplatz und fliegt früher oder später von der Playlist. Nicht nur den Zensierten vergeht die gute Laune, auch Zuschauer sind von Sendebeschränkungen nicht angetan.«

Daher springt VIVA Plus mit "X-Rated" in die Bresche, rettet den guten Geschmack und vielleicht das Abendland dazu »und sendet das Maßlose ungekürzt.« Allerdings nicht auf einem quotenträchtigen Programmplatz, denn erstens zahlt Jamba dort keine Werbeplätze und zweitens fragt man sich dort selbst: »Darf VIVA PLUS das?« Die Videos seien für Personen unter 18 Jahren nicht geeignet und daher wird "X-Rated" auf 24 Uhr gelegt.

Um den Wahnsinn auf die Spitze zu treiben (und ggf. Protesten seitens der Erziehungsberechtigten vorzubeugen) hat man sich bei VIVA Plus dazu entschieden, »per SMS eine Programmbeschwerde an die 85555 mit dem Stichwort „bedenklich“ an den Sender schicken (zu können). Damit votiert (der Zuschauer) automatisch für den sofortigen Sendestopp des Clips. Entlockt es wiederum den einen oder anderen Volljährigen in Anbetracht der Darbietung ein entzücktes "Hut ab, das schockt ja herrlich!", schickt dieser eine SMS mit dem Stichwort "herrlich" ebenfalls an die 85555 und befürwortet damit alle weiteren Ungezogenheiten. Resultat: Der Clip wird in voller Länge gezeigt. Entscheidend dabei ist, die Mehrheit zählt und macht Programm.«

Entscheidend ist dabei allerdings wohl eher, eine Kontrollfunktion ins Programm integriert zu haben und sich so Programmbeschwerden zu entziehen (Wer fühlt sich bei einer SMS angesprochen?) und vor allem den Nebeneffekt zu haben, über die Kurznachrichten doch noch Geld zu verdienen. Eine andere Frage ist die, ob die Sendung tatsächlich den Anspruch hat, zensiertes Musikvideomaterial um der Künstler Willen zu senden, oder einen Grund zu haben, nackte Haut in den gängigen (HipHop-)Videos zeigen zu können. Was daraus wird kann man selbst entscheiden, ab dem 20. Januar immer Donnerstags und Freitags von 24 bis 01 Uhr.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.