Alif Tree French Cuisine

Ich erzählte ihnen von den Landhäusern, in denen Zero7 ihre Zeit verbringen. Ich sage ihnen, sie sitzen immer noch da – und die Zeit plätschert zwischen Bridge-Abenden und Tauchausflügen an ihnen vorbei. Die Wände sind mit dunklem Eichenholz getäfelt, die Plattenregale im selben Stil furniert. Alif kommt ab und an vorbei, er kocht dann, nur so zum Spaß, aber auf hohem Niveau. Und nach dem Essen erzählt er von seinen abenteuerlichen Musikplänen. »Na, du bist schon unser Gutgeh-Matthew-Herbert«, meinen sie dann grinsend. »Wieso? Dem geht es doch auch gut«, erwidert er.

    So müsste es sein, aber vielleicht ist Herr Tree auch stets allein, im DS an der Küste, Blick aufs Meer. Alte Stimmen in seinem Kopf. Die von Anna Karina und Jean-Luc Godard, von Nina Simone und Shirley Horn versammelt er in seinem Downbeat-Versuchsfeld der synthetischen Soul-Jazz-Fusion. Ein Thema der 90er, die leicht breakenden Beats, die Streicherflächen, das mollig Dunkle. Ein Ort für kluge Menschen, Genussmenschen, die zu jedem Song einen Speisevorschlag machen, auch wenn die Musik nicht so klingt, als ob man zu ihr essen mag. Zu viel Unruhe und Enge in einem berechenbaren Schema. Es mangelt nicht an Ideen, dieses Schema auszukleiden, es bis an seine Grenzen zu führen, aber wem nützen solche gelehrten Phrasen? Insbesondere, wenn ihre Reichweite so knapp bemessen ist? Geisterstimmen im digitalen Downbeat-Knast. Ganz egal, ob sie auf Barjazz oder Minimal Music verweisen, nicht die Harmonien machen die Musik so einsam, auch nicht die falschen Freunde oder die grauen Wellen des Meeres unter dem opaken Winterhimmel, es ist dieser bürgerliche Zwang und der Wunsch, darin zu glänzen, der diese Musik nicht aus seinen Klauen lässt.

LABEL: Compost Records

VERTRIEB: Groove Attack

VÖ: 03.02.2006

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