Alexis Taylor Nayim From The Halfway Line

Alexis Taylor »Nayim From The Halfway Line«
Alexis Taylor
Nayim From The Halfway Line
Domino Records — 30.11.2012

*

Alexis Taylor, Jahrgang 1980, Lieblingsfalsett der Indie-Gemeinde und auch außerhalb von Hot Chip ein wahrer Tausendsassa. Dazu Fußballfan und Nerd – wie auch immer mensch letzteres konnotieren will. Der Mann hat sich in seiner Karriere ordentlich Ballast aufgeladen, mit dem es nun zu spielen gilt, wenn Taylor ein Jahr wie dieses abschließen will. 2012 erschien immerhin ein neues Hot Chip-Album und er arbeitete u.a. mit The KDMS, Justus Köhncke und Dan Bodan zusammen. Kurz vor Zapfenstreich jetzt also noch eine in allen Belangen überraschende Solo-EP.

   Nayim From The Halfway Line heißt diese und führt mit ihrem Titel tief in vergangene Zeiten, nach 1995 genau, als es im Profi-Fußball noch einen dritten, europäischen Clubwettbewerb gab: den Europapokal der Pokalsieger. Dessen Finale entschied in jenem Jahr der Spanier Nayim mit einem Kunstschuss von der rechten Außenbahn, knapp vor der Mittellinie, abgesetzt in der letzten Minute der Verlängerung. 3:2 besiegte Real Saragossa somit den großen FC Arsenal London. Das ganz große Drama.

   Wer jetzt allerdings vier Ranschmeißer á la »World In Motion« von New Order erwartet, dürfte sich enttäuscht sehen. Taylors Weg führt weit vom Pop weg, der Hitbegriff wird für 25 Minuten ad acta gelegt. »Rhodes Dream« kommt direkt aus dem Stimmlabor, das Falsett wird maskiert, ins Kindlich-Helium-artige überdreht, in digitale Zwischenwelten zurückgedrängt. Eine retro-futuristische Synthie-Hook dient als bedrohlicher Steigbügelhalter. »You Want Me« gibt sich zunächst als potentieller Hot Chip-Hit aus, verliert sich aber im ausufernden Steel-Pan-Spiel und wird schließlich von einem anschwellenden tiefen Bass geflutet. Es folgt der abgehackte Blechdosen-Funk von »Hot Squash«, ein schön-minimalistischer Groove, erneut mit Steel-Pan-Akzenten ausgeschmückt und von Taylor mit gerade mal drei Zeilen über eine verpasste Chance bedacht. Wenn sich dann die E-Gitarre dazugesellt, vermeinen einige vielleicht, da Hot Chip-Kollege Al Doyle zu hören, aber falsch gedacht, Taylor hat alles selbst eingespielt – auch das abschließende, neunminütige Klangspiel »Jesus' Birthday«.

   Von diesem Punkt aus betrachtet, dürfte es dem Künstler vor allem um eine neue und eigene Standortbestimmung gegangen sein. Zugänglicher ist er damit keinesfalls geworden, im Vergleich zu seinen zuletzt ebenfalls sehr umtriebigen Bandkollegen mag er jetzt gar als der Verschrobene, der Wunderling erscheinen. Das er einige der hier ausprobierten Ansätze aber demnächst auch in die Arbeiten mit Goddard & Co überführen könnte, bleibt zu wünschen. Schon New Order sangen ja: »Express yourself / Create the space / You know you can win / Don't give up the chase«.

*

*

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.