Alexis Taylor „Beautiful Thing“ / Review

Die Verspieltheit auf dem neuen Album des Hot-Chip-Mannes klingt weniger wertkonservativ als bei seinem Geldjob, sondern erfrischend liberal.

„Make something you can feel“, singt Alexis Taylor auf seinem neuen Album in der hübschen Ballade „Deep Cut“. Endlich mal was machen, was man fühlt, darum geht es, so wie bei Jesse Pinkman in der Serie Breaking Bad, als der sich plötzlich einbildete, Holzkisten schreinern zu wollen, statt Meth zu dealen und andere umzubringen. Pinkman streicht in einer weichgezeichneten Traumsequenz mit der Hand über eine sorgsam von ihm abgehobelte Holzkiste. Er fühlt das Ding.

Ähnliches Sehnen scheint auch Alexis Taylor zu verspüren. Seine nach anderthalb Jahrzehnten im Geschäft nach wie vor erfolgreiche Clubmusik-für-Guardian-Leser-Kapelle Hot Chip ist ihm offenbar zur erdrückenden Last geworden. Jedenfalls singt Taylor auf Beautiful Thing etwas kläglich, aber eigentlich doch ähnlich wie auf den Platten von Hot Chip über den Drang, sich neu zu erfinden, etwa im Eröffnungsstück „Dreaming Another Life“. Tatsächlich hat er zusammen mit dem Produzenten Tim Goldsworthy ein Werk geschaffen, das zwar im Gegensatz zu seinen bisherigen Solo-Kampagnen vom Organischen zurück zum Tanzgeschepper führt und dabei auch die Hot-Chip-typische Verspieltheit, die nie zu weit geht, beibehält. Allerdings klingt die Verspieltheit weniger wertkonservativ als bei seinem Geldjob, sondern erfrischend liberal.

Clubmusik für Guardian-Leser.

Besagtes Eröffnungsstück zerlegt eine Gitarre sehr konsequent in eine Art Dub-Disco-Geräusch, während „Suspicious Of Me“ ähnliches mit einer Funk-Idee veranstaltet. „I’ve given up and I feel so much better“, singt Taylor hier, und so hört es sich auch an. Ein Glück! Man hatte sich schon Sorgen gemacht: Muss ja wirklich ein schlimmes Schicksal sein mit all den gut bezahlten Festival-Auftritten vor verzückten Hedonistenmassen.

„A Hit Song“ ist natürlich kein Hit-Song, sondern eine recht anrührende Klavierballade darüber, dass Taylor einen Hit-Song braucht, der direkt ins Herz geht, vermutlich das eines anderen Menschen. Schließlich heißt ein weiteres Lied „Oh Baby“. Dass Erfolg nicht glücklich macht, die Liebe aber schon, vielleicht, und man einfach mal loslassen muss – das habe ich, glaube ich, schon mal irgendwo gehört. Aber so hübsch eiernd und in die Beine gehend wie Taylor präsentiert niemand sonst diese Idee.

1 KOMMENTAR

  1. Zuerst „Geldjob“ und dann „Clubmusik für …“ läßt den Eindruck entstehen, der Autor muss dringend was gehässiges über Hot Chip loswerden. Das sagt dann aber mehr über die Beschränktheit des Autors aus, als um die Kunst um die es hier gehen sollte.

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