Album-Prelistening & Review: Georgia Georgia

Georgia von Georgia Barnes klingt wie Marc by Marc Jacobs. Falsche Bescheidenheit ist deplatziert – auf diesem Album ist alles zu finden, was irgendwie als zeitgeistig verstanden werden kann. SPEX.de streamt das Debüt exklusiv und in voller Länge vorab.

Begeisterte Kinderstimmen schreien: »Georgia! Georgia! Georgia!« Ein unbestechlicher Bass setzt ein, das Intro geht in den zweiten Song mit einem Qawwali-Kassetten-Sample aus Südasien über. Georgia von Georgia Barnes klingt wie Marc by Marc Jacobs. Falsche Bescheidenheit wäre hier auch deplatziert. Dieses Album verdient ein Kanye-West-Ego.

Die Referenzen sind unüberhörbar: Die Stimme wechselt vom gepitchten Rap-Gesang, der beim Song »Move Systems« mit dem Vokalstil von M.I.A. vergleichbar ist, zur schrill verzerrten Karin-Dreijer-Andersson-Stimme in »Be Ache« und »Nothing Solutions« und dann in »Hold It« und »GMTL« zu R’n’B-Soul-Vocals. Barnes wartet auf ihrem Debüt mit vielen Ideen auf und konnte diese innerhalb der Produktionsphase von zwei Jahren größtenteils perfekt in Szene setzen. Dabei fächern sich die Einflüsse nahezu endlos auf, auf eine schlichte Formel lässt sich das Album nicht reduzieren. Barnes erschafft eine Klanglandschaft, die Genregrenzen sprengt und einen globalen Sound entwickelt, der amerikanische HipHop-Beats, klassische Synthies und Dub-Stücke mit Euro-Trance vereinigt und dabei eine ganze Reihe an Emotionen und Stimmungen abbildet. Neben den meisten Upbeat-Songs stechen die Balladen »Heart Wrecking Animals« und »You« als musikalisch reduzierte Nummern heraus, die dem Album durch die Breite des musikalischen Spektrums letztlich seine Stärke verleihen.

Auf Georgia ist wirklich alles zu finden, das irgendwie als zeitgeistig verstanden werden kann. Es ist ein beachtliches Debüt, das allerdings nicht von einer Newcomerin produziert wurde: Barnes studierte nicht nur Musikethnologie in London, sie ist professionelle Schlagzeugerin und supportet die Live-Bands von Kate Tempest, Kwes und anderen Rough-Trade-Acts. Alle Instrumente auf Georgia wurden im Alleingang im Heimstudio eingespielt. Da bleibt vorerst nur die Frage offen, wie dieses solo aufgenommene, vollgepackte Album live wiedergegeben werden soll. Aber nicht mehr lange: Auch daran arbeitet Georgia Barnes bereits.

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