Albert Hofmann – 11.01.1906 – 29.04.2008

Albert HoffmannDie Droge, deren Synthetisierung er erfunden hat, weist auf eine der Grundparadoxien moderner und postmoderner Gesellschaften hin. Denn LSD, so hat Albert Hofmann noch in einem 2006 erschienen Interview im Magazin »Der Freund« verlautbart, war für den Wissenschaftler Hofmann noch in der Gegenwart die ideale Droge. Dieser Meinung folgte jedoch sofort die entscheidende Einschränkung. LSD, so Hoffmann, fehle der sakrale Raum in der Gesellschaft. Und auch diese Diskrepanz verweist wieder auf ein metaphysisches Aufschnitt-ohne-Brot-Dilemma, denn die Droge, die gibt es ja noch, auch wenn sie im Zuge weltweiter Repressionen gegen die aufstrebende Gegenkultur in den Sechziger Jahren verboten wurde. Ausnahmslos und weltweit, was noch nicht einmal für Morphium und Opium gilt.
So bewegte sich der Chemiker und Bewusstseinsforscher Albert Hofmann, der am 11. Januar 1906 in Baden in der Schweiz geboren wurde, im Spannungsfeld: Gegen die Prohibition des 1943 von ihm erstmals synthetisierten Lysergsäurediäthylamid kämpfte er ebenso wie für einen (selbst-)reflexiven Gebrauch der  Bewusstseinsdroge. Die Klassiker der Gegenkultur der Sixties wie zum Beispiel Ginsberg und Kesey wusste er ebenso an seiner Seite wie den LSD-Propagandisten Cary Grant oder den stilbewussten, hochindividualistischen Erzreaktionär Jünger. Die Popkultur ist undenkbar ohne LSD, schließlich wurden prägende Sounds, Bilder und Images auf LSD erzeugt. Drogenrock gäbe es wohl nur in der kalten Heroin-Variante, die Beatles hätten sich niemals Fantasie-Uniformen angezogen, und der Smiley, Signum der Selbstliebe…

    Im Alter von 102 Jahren verstarb Albert Hoffmann am Dienstag, den 29. April an einem Herzinfarkt. Er durfte noch miterleben, wie in den vergangenen Jahren das LSD in Medizin und Therapie eine behutsam in Gang gesetzte Wiederanerkennung erfuhr.

(Foto: Stefan Pangritz / Wikipedia / cc)

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