Albert Hammond Jr. Momentary Masters vs. Baio The Names

Die ewig zweite Gitarre: Chris Baio von Vampire Weekend und Albert Hammond Jr. von The Strokes sind zwei Genrenostalgiker, die Musik für Genrenostalgiker machen und dabei so tun, als würden sie etwas anderes tun.

Is this it fragten The Strokes 2001 nur Monate vor 9/11 und läuteten damit eine Ära US-amerikanischer Rockmusik ein, die eigentlich immer schon auf der Kippe stand. Fünf Jahre später, als der Stern der Strokes schon am verglimmen war, kam von Vampire Weekend ein weiteres Debüt aus New York, das so keiner mehr erwartet hatte und das den Indierock in die zweite Hälfte der Nullerjahre rettete. Eine entscheidende Gemeinsamkeit der beiden Bands war, dass es sich um Rockmusik aus großbürgerlichem Milieu handelte, deren Kraft einem ganz spezifischen Gefühl für Dekadenz entsprang, einmal in Form überbordender Lässigkeit, einmal in Form manieristischer Lyrik zur Schau getragen. Beide erhoben demonstrativ das dolce dire niente zur Kunst und bewiesen, dass Indifferenz nicht nur Attitüde, sondern auch Gestus sein kann.

Albert Hammond Jr., der einst von Albert Hammond Sr. in die Schweiz auf die teuerste Privatschule der Welt geschickt wurde und dort einen gewissen Julian Casablancas kennenlernte, spielte bei den Strokes über Jahre die zweite Gitarre und begann, irgendwann des ewigen Juniors müde, 2007 auch auf eigene Faust Musik zu machen. Hammonds bisherige Soloarbeiten waren ein Versuch, den Sound der ersten beiden Strokes-Alben zu konservieren. Dieser Tendenz bleibt er auf Momentary Masters treu, nur klingt sein drittes Album mittlerweile nicht nur konventionell, sondern fast nach Biedermeier-Rock. Es plätschert gefällig in vertrauten Riffs und Melodien vor sich hin, während der textliche Überbau einer Collage aus Plattitüden der berühmten US-Smalltalkkultur gleicht. Das größte Problem ist aber, dass es Hammond vollkommen ernst nimmt, wenn er, im Gegensatz zu den Strokes, auf nichtssagende Art nichts sagt. Statt sich als Künstler zu emanzipieren, vergibt er durch diese Rückwärtsgewandtheit endgültig die Chance, das Junior abzulegen.

Baio_The_Names_AlbumArtwork

Nicht viel anders verhält es sich mit Chris Baio. Aufgewachsen in Bronxville, einem NYC-Vorort mit einem der höchsten Durchschnittseinkommen der USA, tritt Baio während seines Studiums an der Columbia University der Band Vampire Weekend als Bassist bei. Parallel zu deren Aufstieg versucht Baio, sich als DJ zu profilieren und widmet seinem Faible für Clubmusik zwei gelungene EPs. Gute zwei Jahre nach der letzten Vampire-Platte präsentiert er nun sein erstes wirkliches Soloalbum namens The Names. Es will zeigen, dass er als Musiker seine eigene Sprache zu sprechen versteht, entpuppt sich jedoch eher als ein zweisprachiges Kompendium, in dem der Baio von Vampire Weekend und der Baio, der gerne auflegt, entschieden aneinander vorbei reden. Trotz des ausgefuchsten Anordnungsmanövers, wonach beide Sprachgemeinschaften abwechselnd zu Wort kommen, lassen sich kaum dialogische, geschweige denn synthetische Momente feststellen. Vom Ohrwurm »Sister Of Pearl« abgesehen säuselt The Names weitestgehend in kauderwelschigem B-Seiten-Sprech, der sich nach dem klaren Ton vergangener Tage sehnt.

Auf diesen Alben machen zwei Genrenostalgiker Musik für Genrenostalgiker und tun dabei so, als würden sie etwas anderes tun. Sie sind vielleicht die letzten Ausläufer einer Musik, die immer nur auf der Kippe stehen konnte. Und zwangsläufig irgendwann kippen musste.

1 KOMMENTAR

  1. Wer behauptet, die erste Soloplatte von Albert würde versuchen, den Strokessound zu kopieren hat sie wohl noch nie gehört. Etwas peinliche Behauptung..

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