Alben des Jahres 2014: Die SPEX-Charts

Die Redaktion und Autoren haben abgestimmt, hier sind die Ergebnisse:
Die SPEX-Jahrescharts 2014

1. Fatima Al QuadiriAsiatisch
In der chinesischen Stadt Shenzhen zelebriert man das Kopieren von Klassikern der Kunst selbst wiederum als hohe Kunst. »Shenzhen« heißt auch das Herzstück von Fatima Al Qadiris Debütalbum, einer faszinierenden Feier von Sein und Schein im Post-Internet-Zeitalter. Asiatisch ist keine Kopie. Und trotzdem tausendmal besser als jedes Original.

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2. Angel OlsenBurn Your Fire for No Witness
Burn Your Fire For No Witness war eines der Alben, auf die sich 2014 alle einigen konnten: die Folkies, die Cool-Kids und die Klugscheißer. Natürlich hat das mit den wahnsinnigen Melodien, den verstörenden Texten und Olsens bohrender Stimme zu tun. Aber vielleicht auch mit ihrer hinreißenden Cool-cat-Attitüde und dieser interessanten Aufforderung: »Unfucktheworld«.

Angel Olsen

3. Neneh Cherry Blank Project
Ein »richtiges« Neneh-Cherry-Album hatte es seit 1996 nicht mehr gegeben und erwarten konnte man eigentlich: nichts. Insofern ist Blank Project die Überraschung des Jahres: Produziert von Four Tet, gelang Cherry ein hypnotischer Parforce-Ritt von intimer Dringlichkeit, der die Pop-Sensibilität der Neunziger mit der Experimentierfreude ihrer Frühphase verbindet.

Neneh Cherry

4. St. VincentSt. Vincent
Annie Clark war immer die adrette Korrekte. Dann kam St. Vincent, und sie verwandelte sich in einen Post-Gitarrenrock-Cyborg, der musikalische Ryan-Trecartin-Bilder malt, dafür Prince als Pinsel benutzt und die Digitalisierung aller Lebensbereiche untersucht, ohne ins Großmütterliche zu verfallen. Viel gutes Programm für eine Platte.

St. Vincent auf Tour

5. FKA TwigsLP1
Die Haarspitzen von FKA Twigs kräuseln sich malerisch, ihre Gliedmaßenverrenkungen auf der Bühne wirken geradezu barock. Doch in ihrer Musik wurde aller Zierrat entrümpelt und der freigewordene Raum mit Hochspannung aufgeladen. So nackt, so verletzlich und zugleich stark hat man R’n’B zuvor noch nicht gehört.

FKA Twigs - Papi Pacify

6. MutterText und Musik
Um auch mal was über die Musik von Mutter zu schreiben: Die Musik von Mutter ist ziemlich geil, auf Text und Musik vielleicht sogar noch geiler als je zuvor. Ein Folksong zum Einstieg, ein Diebstahl bei Interpol und immer auch Post-Punk, der sich selbst trägt. So viel leichtfüßige Gewandtheit muss man erst mal hinkriegen.

7. Damon AlbarnEveryday Robots
Nach all den Kollaborationen und Projekten hielt Damon Albarn für einen Moment inne. Auf Everyday Robots gelangen dem Sänger wehmütig-elegische Lieder über Vergänglichkeit, Technologieskepsis und den Elefanten Mr. Tembo. Ergreifenderes hat man in diesem Jahr kaum gehört.

8. Parquet CourtsSunbathing Animal
Für eine tendenziell dauerbedröhnte Band sind Parquet Courts überraschend gut in Mathe. Die Lieder der New Yorker haben immer was von komischen geometrischen Figuren, für die es noch keine Namen gibt: hier noch eine Linie, da noch mal im Kreis und dann zurück auf Anfang. Indierock, mit Hammer und Zirkel.

9. Warpaint Warpaint
Man hätte nach dem Indie-Erfolg ihres Debüts mit einer konziseren Herangehensweise gerechnet. Tatsächlich ließen die vier Frauen aus L.A. die offenen Enden ihrer mäandernden Post-Punk-Exkursionen noch freier baumeln als zuvor. So gelangen eindringliche Meditationen, die mit Spießerkram wie klassischem Songwriting wenig am Hut haben.

10. Sleaford ModsDivide And Exit
Wenn in ferner Zukunft die olfaktorische Musik endlich erfunden ist, wird man sich an diese Platte erinnern. Und ihr einen Warnsticker verpassen: Achtung, Songs voll mit Rotz und Pisse! Voll mit dem Gestank der aufgestauten Wut der gesamten britischen non-working class! Nicht in geschlossenen Räumen hören! Aaaahh!!

11. Caribou – Our Love
12. Run The Jewels – Run The Jewels 2
13. Flying Lotus – You’re Dead!
14. Vessel – Punish, Honey
15. Scott Walker & Sunn O))) – Soused
16. Arca – Xen
17. Alexis Taylor – Await Barbarians
18. Amen Dunes – Love
19. Richard Dawson – Nothing Important
20. Ja, Panik – Libertatia

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