Alabama Shakes Sound & Color

Wie man die vermaledeite zweite Platte mit Leichtigkeit wuppt? Fragt mal Alabama Shakes: Sound & Color macht Spaß.

Am Anfang war da eine Band, die hobbymäßig Stücke von Led Zeppelin und James Brown nachspielte. Irgendwann schrieb man eigene Songs, nahm sie auf, und durch Zufall gelangte ein Demotape an Mr. X von Y Records … Ja ja, so fangen Märchen an. Bei den Alabama Shakes, vier Mittzwanzigern aus Athens, Alabama, hat es sich genau so zugetragen. Das tolle 2012er Debütalbum von Gitarristin und Sängerin Brittany Howard, Gitarrist Heath Fogg, Bassist Zac Cockrell und Drummer Steve Johnson (in den SPEX-Jahrescharts 2012 auf Platz neun der Newcomer-Wertung) hieß Boys & Girls, hatte die Kanten und das Potenzial eines rohen Diamanten und schlug ein wie zehn Lkw-Ladungen Feuerwerksraketen. Grammy-Nominierungen, Gold in den USA, beste neue Band in England, schwitzige Auftritte, ein Hauskonzert beim Präsidenten: Keine Frage, die Band trifft einen Nerv.

Wobei die beackerten musikalischen Felder nicht neu sind. Im Süden der USA gedeiht nun mal Blues, Soul, Southern und Garage Rock, und Kollegen wie Jack White oder The Black Keys satteln ähnliche Hühner. Dennoch fahren die Shakes durch das Charisma von Brittany Howard noch mal anderes Futter in die Scheune. Ihre Art zu quengeln, zu schreien, zu krächzen und »um die Goldmedaille zu singen« ist einzigartig. Die gern unterstellte Ähnlichkeit zur Stimme von Janis Joplin ficht Howard nicht an, aber andererseits erklärt sie, sie wolle keine Aretha sein und auch kein James Brown.

Was machen die Alabama Shakes nach dieser märchenhaften Vorgeschichte also beim für viele Bands mit Krämpfen verbundenen zweiten Album? Statt brav bei ihren Leisten zu bleiben, mieten sie sich in den Sound Emporium Studios in Nashville ein und angeln sich den wilden Gitarrero Blake Mills als Koproduzenten. Ein Geniestreich: Der Mann hat ihnen ordentlich Feuer unterm Hintern gemacht (was er übrigens schon bei Lana Del Rey tat). Inspiration waren Siebzigerjahreklassiker wie Super Fly von Curtis Mayfield, Werke von Gil Scott-Heron und den Temptations. Die Shakes wollen ihre Intuition weiter schärfen und sich und ihr Publikum herausfordern. Jeder der zwölf Songs auf Sound & Color hat einen eigenen Klangkosmos. Bitte nicht täuschen lassen: So kuschelig-schokoladig wie das Titelstück am Anfang bleibt die Platte mitnichten. Dafür sorgen Gassenhauer wie »Don’t Wanna Fight«, das sich durchaus als Kampfeshymne eignet, oder das arschcoole »The Greatest« mit seinen Schraddelgitarren, Schnell-langsam-Wechseln, einer hübschen Orgelmelodie und Howards Lou Reed, Julian Casablancas und Antony Hegarty aufrufendem Genöle. Am Ende hört man vergnügtes Gelächter. Wie schön! Vier junge Musikerinnen wuppen ihre vermaledeite zweite Platte und haben dabei verdammt viel Spaß. So soll es sein.

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