Akua Naru „The Blackest Joy“ / Review

Akua Narus äußerst persönlich gezeichnete Bilder sind genau das, was Hip-Hop bei aller Ermächtigungspose so oft fehlt: die weibliche Perspektive innerhalb der Kultur.

Ein privilegiertes Weißbrot floskelt über die Musik einer Aktivistin, Lyrikerin, Rapperin, Produzentin und Bandleaderin, die der Marginalisierung von black womanhood die Stirn bietet – das Unterfangen dieser Rezension ist mindestens überheblich. Packen wir’s an: Akua Naru kam über die Poesie zum Rap und fand über sonntägliche Gottesdienste in New Haven, Connecticut zur Musik. Sie war neun Jahre alt, als ihr Onkel erste Hip-Hop-Platten anschleppte und ihr ein Sprachrohr für ihre Identität präsentierte. Heute lebt Naru in Deutschland und hat mit der positiven Konnotation afroamerikanischer Weiblichkeit das Motiv ihrer Musik fest abgesteckt. Auf ihrem dritten Soloalbum The Blackest Joy idolisiert die Rapperin ihre Mutter („My Mother’s Daughter“), stilisiert Venus und Serena Williams zu Ikonen („Serena“) und romantisiert Afrika mehrfach als Ursprung allen Lebens.

Liebe und Lust als treibende Kraft des Kampfes.

Narus Erzählung bleibt teilweise so positiv, dass man ihr Stereotypisierung vorwerfen könne. Doch ihre äußerst persönlich gezeichneten Bilder sind genau das, was Hip-Hop bei aller Ermächtigungspose so oft fehlt: die weibliche Perspektive innerhalb der Kultur. Was den Autor ohnehin aus der Kritikbredouille rettet, ist die musikalische Sensibilität von The Blackest Joy. Narus größter Hit „Poetry: How Does It Feel?“ ist ein Liebeslied, so intim geflüstert, dass sich schon mit den ersten Zeilen die letzten Härchen aufrichten. The Blackest Joy atmet solche Innigkeit auf weichen Soul-Beats, die Naru selbst geschrieben hat. Das Wissen um Musikproduktion beschrieb sie einmal als essenziellen Schritt ihrer Emanzipation. Wenn Akua Naru heute eine Band in traditioneller Soul-Besetzung leitet, dann findet sie auf Rhodes und Drums den romantischen Vibe, der ihre fordernde Lyrik in liebevolle Musik übersetzt. Man darf The Blackest Joy als Streitschrift verstehen – für Liebe und Lust als treibende Kraft des Kampfes.

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