Africa Express Terry Riley’s In C Mali

Kulturaustausch light: Zum 50. Jubiläum von Terry Rileys In C interpretieren westliche und malische Musiker das Werk im Schulterschluss neu.

Die Idee klingt herzallerliebst: Terry Rileys mittlerweile in einer Überzahl an Versionen und Bearbeitungen eingespielten Minimalismus-Gründungsakt In C aus dem Jahr 1964 einmal aus afrikanischer Perspektive darbieten, genauer gesagt: nach Mali holen und an dortige Traditionen andocken. Im Idealfall würden sich dabei malische Musiker das Stück so erarbeiten, wie sie es für richtig halten, Ausgang offen. Ein schöner Ansatz und allemal sinnfällig, dienten die polyrhythmischen Strukturen afrikanischer Musik doch als eines der Vorbilder für die Patterns der Minimal Music – eine Art afrikanische Wiederaneignung, wenn man so möchte.

Doch es gibt einen kleinen Haken an der Sache: Africa Express, in dessen Namen die Platte erscheint, ist ein Projekt des britischen Musikers Damon Albarn, das der Kooperation von afrikanischen und nicht-afrikanischen Musikern dient. Neben Albarn spielen Künstler wie Brian Eno und der Gitarrist Nick Zinner von den Yeah Yeah Yeahs an der Seite junger Musiker aus Bamako unter der Leitung des Dirigenten André de Ridder, der zusätzlich an der Violine zu hören ist; koproduziert und abgemischt wurden die Aufnahmen von Andi Toma von Mouse On Mars. Die Geschichte riecht mehr nach europäischem Kulturexport und -reimport mit exotistischem Anstrich als nach einem auf malische Initiative zurückgehenden Vorhaben. Dass 2014 das 50. Jubiläum von In C zu feiern war, dürfte einen weiteren Anreiz geboten haben.

Dieser Entstehungszusammenhang bedeutet wiederum nicht, dass das Ergebnis uninteressant wäre. Allein der Anfang mit dem durchgehenden Achtelpuls, vorgetragen auf einem Lamellophon, ist ein entwaffnender Einstieg. Überhaupt herrscht ein angemessenes Maß an Zurückhaltung im Umgang mit dem semi-aleatorisch angelegten Werk vor, das außer seinem generellen Ablauf – alle 53 Phrasen des Stücks müssen von allen Musikern nacheinander durchgespielt werden, wie oft die einzelnen Phrasen wiederholt werden, entscheidet jeder für sich – keine Vorgaben über Dauer oder Besetzung macht. Dass hier und da ein wenig hinzuimprovisiert wurde, stört nicht groß, da keiner der Interpreten so sehr über die Stränge schlägt, dass man Solistenexhibitionismus beklagen müsste. Vielmehr lernt man, das Stück noch einmal auf entspanntere Weise zu hören, entdeckt neue Facetten im Vertrauten. Im Grunde können alle Beteiligten zufrieden sein. Wäre da nicht dieses leichte Unbehagen damit, dass westliche Künstler ihre Vorstellungen unter bloßer Mitwirkung afrikanischer Musiker verwirklicht haben. Aber auch das ist eine Form von kulturellem Austausch.

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