Adiam »Black Wedding« / Review

Die Zusammenarbeit mit dem Produzenten Dave Sitek war für Adiam eine Win-Win-Situation: Ihr ästhetischer Kurswechsel von der E-Gitarre zum E-Keyboard ist vollendet.

Adiam ist nicht nur eine exzessive Genre-Grenzgängerin, die ihre Songs bis an die spannungsaufgeladenen Peripherien von R’n’B und Electronica treibt. Jüngst ist die schwedische Musikerin mit eritreischen Wurzeln auch noch als Düsterpop-Schamanin, Regenmacherin und Hochzeitsplanerin in eigener Sache unterwegs. Ihr Auftrag? Die Mesalliance konträrer Klang-Konzepte im Spannungsfeld zwischen Postpunk, Hip-Hop, Electronica und Neo-Soul zu vollziehen, sowie die daraus gewonnene Einheit als Wiedergeburt ihres signature sounds zu zelebrieren. Dieser hat seit den Nullerjahren nämlich eine beachtliche Kehrtwende hingelegt: Während die Songwriterin aus Uppsala früher unter ihrem vollen Namen Adiam Dymott lieber die E-Gitarre als das E-Keyboard flagellierte, steht Black Wedding nun für die Vollendung eines ästhetischen Kurswechsels – mitsamt verkürztem Rufnamen.

Maßgeblich mitverantwortlich für die geglückte Metamorphose war übrigens kein Geringerer als Mastermind und Kreativ-Kurator Dave Sitek: der TV-On-The-Radio-Gitarrist, Gelegenheitsbeatboxer und umtriebige Erfolgsproduzent (Yeah Yeah Yeahs, Santigold, Little Dragon) entpuppte sich als Neustarterinnen-Wunschtraum schlechthin. Sitek verlieh den eklektischen Strukturen von Black Wedding einen dezidierten Klangrahmen, ohne Adiam den Raum für ihr gegensatzschweres Songwriting zu nehmen. Diese Win-Win-Situation erlaubt dann auch einige Ausreißer aus dem nachtschattigen Gesamtkonzept, wie zum Beispiel die gutgelaunten Up-Tempo-Nummern »Bigger« und »Immaculate«, die sich dank geschliffener Break-Beats und eingängigen Hooklines als echte big banger mit Tanzflächenpotenzial qualifizieren. Aber auch eine mediokre Folk-Ballade wie »Wild Honey«, die nahezu subversiv neben den wummernden Düsterpop-Arrangements des Langspielers steht, wirkt nicht fehlplatziert, sondern fresh. Eigentlich kurios, denn die besten Songs des Albums sind gerade jene, die die Transformation vom Torch-Song zum progressiven R’n’B-Outfit zu Ende denken und sich den monochromen Klanglandschaften und wabernden Synthieflächen vollends verschreiben. So besticht vor allem »Dead Girl Walking« mit stolpernden Polyrhythmen, saccharinen Glockenspielen und schweren Streicher-Arrangements, während Adiam zärtlich und doch bestimmt die eigene Resurrektion herbeisingt: »I say a little prayer for rain / Trade my money for a black cloud / Come and wash the dirt away / And bring me back to life.« Was bleibt da noch zu sagen, außer: Willkommen zurück!

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